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Virenreiniger von Microsoft kommt nächste Woche

07.01.2005
Unaufhaltsam arbeitet sich Microsoft in den bislang Partnern überlassenen Markt für Security-Software vor. Die Platzhirsche geben sich äußerlich noch unbeeindruckt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Unaufhaltsam arbeitet sich Microsoft in den bislang Partnern überlassenen Markt für Security-Software vor. Nach seiner "AntiSpyware" (Computerwoche.de berichtete) wird der Redmonder Konzern am kommenden Dienstag via Windows Update erstmals sein "Malicious Software Removal Tool" verteilen. Dieses basiert auf Technik der von eineinhalb Jahren aufgekauften rumänischen Softwarefirma GeCad.

Um gleich Missverständnissen vorzubeugen: Das Malicious Software Removal Tool kann lediglich mit Viren und Würmern infizierte PCs von diesen Schädlingen befreien (so wie beispielsweise auch der kostenlose "Stinger" von McAfee), nicht aber wie vollwertige Antivirenprogramme auch vor solchen Infektionen schützen. Es macht also einen vollwertigen Virenschutz keineswegs überflüssig. Frische Definitionen für das Reinigungswerkzeug sollen jeweils am zweiten Dienstag eines Monats zusammen mit anderen Software-Patches bereitgestellt werden.

Das Removal-Tool ist aber erklärtermaßen auch nur die Vorstufe zu einem vollwertigen Virenscanner, den Microsoft noch in diesem Jahr auf den Markt bringen wird. Details dazu sind noch nicht bekannt. Der Konzern ließ bislang lediglich durchsickern, das kommende Angebot werde eine Abonnement-Komponente enthalten - in welcher Form die Software-Engine vertrieben wird (ob mit Windows oder als separates Produkt) ist noch nicht bekannt.

Ob Microsoft dann den in den letzten Jahren stark gewachsenen Security-Anbietern Marktanteile abnehmen kann oder will, bleibt abzuwarten. Beobachter sehen jedenfalls im Markteinstieg des Softwareriesen die bislang größte Bedrohung für die Sicherheitsfirmen - einige vermuten dahinter sogar das Hauptmotiv für Symantecs Übernahme von Veritas Software.

Die Platzhirsche geben sich zumindest jetzt noch nach außen hin unbeeindruckt. Symantec-Chef John Thompson erklärte beispielsweise am Mittwoch vor Analysten, er erwarte Microsofts vollwertigen Antivirus für Mitte des Jahres, erwarte aber keine nennenswerten Auswirkungen auf das Consumer-Geschäft seines Unternehmens.

Auch Bill Kerrigan, Senior Vice President für Endkundenprodukte bei McAfee, sieht das ähnlich. "Es geht bei Virenschutz auch um Prozesse", so der McAfee-Mann, "und die müssen fehlerlos auf globaler Ebene durchgezogen werden." Alle großen Antiviren-Firmen beschäftigen inzwischen Forscher, die rund um die Uhr neue Bedrohungen aufspüren und Signaturen zu deren Erkennung schreiben. (tc)