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Verkauf von IBMs PC-Geschäft wird konkreter

07.12.2004
Der Verkauf von Big Blues PC-Sparte an Lenovo aus China nimmt konkretere Formen an. Eine offizielle Ankündigung könnte laut Insidern noch heute erfolgen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Inzwischen sind neue Details zu den Verhandlungen zwischen der IBM und der chinesischen Lenovo (vormals Legend) über einen Verkauf von Big Blues PC-Geschäft bekannt geworden. Eine offizielle Ankündigung des Deals könnte demnach noch heute erfolgen.

Verschiedene US-Medien, darunter das "Wall Street Journal" und die "New York Times", berichten unter Berufung auf Insider, beide Unternehmen planten die Gründung eines neuen PC-Anbieters mit Sitz in den USA. An diesem würde Lenovo die Mehrheit halten. IBM würde sich auf eine so kleine Minderheitsbeteiligung beschränken, dass es Umsatz und Gewinn/Verlust des Joint Ventures nicht in seiner Bilanz ausweisen müsste.

Es wird erwartet, dass Lenovo bis zu zwei Milliarden Dollar für die mehrheitliche Übernahme von IBMs PC-Geschäft zahlt - nur rund ein Fünftel der geschätzt zehn Milliarden Dollar Jahresumsatz, den die Sparte erwirtschaftet. Lenovo besitzt nur rund 400 Millionen Dollar Bargeld und müsste vermutlich neue Aktien ausgeben, um den Kaufpreis zu bezahlen (der Analyst Johnny Chan von J.P. Morgan in Hong Kong sorgt sich hier, dass der Gewinn aus dem neuen Unternehmen nicht ausreichen könnte, um die mögliche Verwässerung auszugleichen).

IBM würde sich aber auch weiterhin um Service und Finanzierung für die von Lenovo gebauten PCs kümmern, was - speziell bei großen Outsourcing-Deals - weiterhin wichtig und lukrativ wäre. Somit würden beide Parteien von dem Geschäft profitieren - Lenovo vor allem durch die Skalenerträge aus der Übernahme des weltweit drittgrößten PC-Anbieters und dessen starken Marken, unter anderem "ThinkPad".

Lenovo plant dem Vernehmen nach, den Hauptsitz der neuen Firma in Raleigh, North Carolina, anzusiedeln. Dort sitzen Design und Entwicklung von IBMs PC-Sparte, die eigentliche Fertigung wurde schon vor Jahren an Contract Manufacturer ausgelagert. Rund 2500 IBM-Mitarbeiter würden zur neuen Company wechseln. Gegenwärtig hat die PC-Sparte der Armonker ihren Sitz in Somers, New York, wo auch viele andere Sparten angesiedelt sind.

Auch wenn Lenovo mit Macht nach einer Expansion außerhalb des heimischen chinesischen Marktes strebt, geht es mit dem Kauf von IBMs PC-Geschäft aus Sicht von Experten ein nicht unerhebliches Risiko ein. Das PC-Business ist nur marginal profitabel, und es besteht die Gefahr, dass viele Kunden im Falle eines Verkaufs Lenovo den Rücken kehren und stattdessen zu Konkurrenten wie Dell oder Hewlett-Packard überlaufen.

Wohl vor allem deswegen ist der geplante Deal so strukturiert, dass sich IBM noch mehrere Jahre lang um Vertrieb, Service und Finanzierung der PCs kümmern würde. Diese würden deswegen auch weiterhin unter dem Namen IBM angeboten. Einen ähnlichen Deal hatte die französische Thomson SA zur Fertigung ihrer Fernseher, die in den USA unter der Marke "RCA" angeboten werden, geschlossen. Die Geräte werden seit Anfang dieses Jahres von einem Joint Venture produziert, an dem die chinesische TCL die Mehrheit hält; Thomson kümmert sich aber weiter um Vertrieb und Service. (tc)