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Update: AMD gewinnt erstes gerichtliches Scharmützel

05.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das US-Distriktgericht von Delaware hat einem Antrag von AMD stattgegeben, wonach alle Drittparteien in dem Verfahren AMD gegen Intel sämtliche E-Mail-Dokumente im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen zu Intel als Beweismittel aufbewahren müssen. Sollten sie dies nicht tun, kann AMD sie vor Gericht laden, um dort die geforderten Dokumente vorzulegen.

AMD stellte den Antrag am 1. Juli 2005. Am 28. Juni 2005 hatte AMD beim Gericht in Delaware eine 48 Seiten lange Klage (AMD feuert juristische Breitseite) gegen den Prozessor-Weltmarktführer eingereicht und ihm massive monopolistische Wettbewerbsverletzungen unterstellt. Drei Tage später klagte AMD auch in Japan gegen Intel.

Sowohl die japanische Kartellrechtsbehörde JFTC als auch die Europäische Kommission haben Untersuchungen gegen Intel begonnen. AMD glaubt deshalb, dass wegen der Ausmaße, die das Verfahren jetzt schon angenommen hat, Intel selbst alle Dokumente, die es belasten könnte, auf seinen Computersystemen gelöscht hat. Deshalb hatte AMD beantragt, dass zumindest die Geschäftspartner von Intel verpflichtet werden sollen, diesbezüglich aussagekräftige E-Maills aufzubewahren.

Hierzu hatte AMD 32 PC-Hersteller, Distributoren und PC-Wiederverkäufer angeschrieben und sie darum gebeten, die normalen Löschungszyklen für E-Mails bezüglich aller für das Verfahren mit Intel relevanten Dokumente zu stoppen. Zu den Adressaten gehören große IT-Firmen wie Dell, Fujitsu, Gateway, Hewlett-Packard, IBM, Lenovo (das die PC-Sparte von IBM übernommen hat), NEC, Sony und Toshiba. Außerdem wandte sich AMD mit seinem Brief an die Verkaufsketten Best Buy, Circuit City und CompUSA in den USA, Media Markt in Deutschland sowie Dixons in Großbritannien.

AMD hatte den angeschriebenen Konzernen eine Frist zur Erwiderung bis zum 30. Juni 2005 gesetzt. Die Reaktionen der Firmen sind unterschiedlich. Bis zu diesem Tag hatten 14 Firmen geantwortet. Neun davon erklärten sich einverstanden, eine für beide Seiten befriedigende Regelung der Dokumentensicherung zu treffen. Jetzt, so AMD, stehe man in "produktiven" Verhandlungen mit Acer, Circuit City, Gateway, Lenovo, NEC, Rackable, Sony,

Sun und Tech Data.

CompUSA, Dell und Hitachi bestätigten den Eingang des Briefs. Dell and Hitachi sagten, sie würden die Anfrage weiter begutachten. Toshiba hingegen konfirmierte den Eingang des Schreibens ebenfalls, lehnte aber jede Verhandlung ab.

18 Firmen haben auf das AMD-Schreiben noch nicht reagiert. Sie könnten somit Adressat einer gerichtlichen Vorladung werden. AMD hatte aber verkündet, es werde Vorladungen nur beantragen, wenn alle Verhandlungen mit den entsprechenden Firmen abgebrochen worden seien. (jm)