Weiterbildung nicht um jeden Preis

Unnötige Zertifikate helfen in der Praxis nicht weiter

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Personalberater Thomas Hegger warnt vor blindem Aktionismus beim Besuch von Zertifikatskursen.

Einer unserer Leser möchte sich "weiterentwickeln" und fragt nach einer Einschätzung von Kursen, in denen er zum Abschluss ein Zertifikat erwerben kann: "Ich bin 31 Jahre alt und arbeite als ausgebildeter Fachinformatiker und Programmierer in einem kleineren Finanzinstitut. Parallel besuche ich im dritten Semester ein berufsbegleitendes Studium zum Wirtschaftsinformatiker (bis Anfang 2012). Sowohl in Ausbildung und Beruf als auch im Studium waren meine Leistungen außerordentlich gut. Leider sehe ich in meiner momentanen Position kaum ein Fortkommen und möchte mich gerne noch vor Abschluss des Studiums umorientieren. Zu diesem Zweck würde ich in nächster Zeit eventuell den einen oder anderen, zumindest theoretischen, Nachweis von Kompetenzen, etwa in den Feldern Programmiertechniken, Projekt-Management, Sozialkompetenz oder Ähnlichem erwerben wollen. Meine ersten Überlegungen gingen in Richtung von Einstiegszertifikaten wie MCPD, Itil und Prince2.

Mittel- und langfristig (nach Studienende) würden mich dabei die Bereiche Beratung, Prozess-Management und Projektleitung interessieren. Gibt es aus Ihrer Sicht eine realistische Perspektive, mit meinem Lebenslauf und der Hilfe von Zusatzqualifikationen eine Brücke in die genannten Aufgabengebiete zu bauen? Auf welchem Weg lässt sich am besten ein guter Personalberater oder Coach finden, der mir weitere Hilfestellung anbieten kann?"

Personalberater Thomas Hegger empfiehlt, vor einem Jobwechsel die Lage im eigenen Unternehmen auszuloten.
Personalberater Thomas Hegger empfiehlt, vor einem Jobwechsel die Lage im eigenen Unternehmen auszuloten.

Thomas Hegger, Personalberater in München, antwortet: "Wird das berufsbegleitende Studium von Ihrem Arbeitgeber unterstützt, und kann er Ihnen nach erfolgreichem Abschluss eine Perspektive innerhalb des Unternehmens bieten? Haben Sie diesbezüglich schon mit Ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung gesprochen und eventuell einen "Plan" für Ihre Karriere innerhalb des Unternehmens entwickelt?

Prinzipiell würde ich Ihnen raten, mit einem Wechsel bis nach dem Studium zu warten, weil Sie ihn dann sehr gut begründen können. Wechseln Sie vorher, können sie sich nicht wie bisher auf das Studium konzentrieren, da es sehr viel Zeit kostet, sich in eine neue Aufgabe und Arbeitsumgebung einzuarbeiten. Viele Bewerber unterschätzen diesen Aufwand.

Wir erleben immer wieder bei Bewerbungen, dass sehr viele Zertifikate von Weiterbildungskursen beigefügt werden. Wenn Sie das in den Kursen Erlernte nicht in der Praxis anwenden können, sind diese Zertifikate vertane Zeit. Falls Sie solche Zertifikate wie erwähnt erlangen wollen, sollten Sie sich fragen, inwieweit Sie das erworbene Wissen zeitnah in der Praxis umsetzen können. Sie sollten nicht nur um der Zertifikate willen Schulungen besuchen.

Ihre Ziele, nach dem Studium in Beratung, Prozess-Management oder Projektleitung zu arbeiten, sehe ich als realistisch an.

Zu Ihrer letzten Frage kann ich auf die Seite des BDUs (www.bdu.de) verweisen. Ferner können Sie im Internet nach Personalberatern recherchieren, die sich auf die Branchen spezialisiert haben, in denen Sie Ihre Zukunft sehen. Kontaktieren Sie nicht alle, sondern die, von denen Sie glauben, dass Sie Ihnen am besten weiterhelfen können, Ihre Ziele zu erreichen."