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Umstritten: AOLs Spam-Schutz ändert Systemeinstellungen

24.10.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Gegen eine spezielle Form von Spam hat AOL zu umstrittenen Maßnahmen gegriffen. Es geht um so genannten Pop-up-Spam, den Unternehmen wie 3032.com versenden. Dabei nutzen sie den eigentlich zum Übermitteln von Systembenachrichtigungen im Windows-Netz gedachten Messenger-Dienst des Betriebssystems. Um das zu verhindern schaltet der Online-Dienst die RPC-Funktion (Remote Procedure Call) über einen Update-Mechanismus in der AOL-Software aus - ohne die Anwender vorher zu benachrichtigen.

AOL habe vor zwei Wochen damit begonnen, RPC auf den Rechnern der Nutzer abzuklemmen. Bislang sei dies auf 15 Millionen PCs geschehen, ohne dass sich ein Nutzer beschwert habe, zitiert das "Wall Street Journal" Unternehmenssprecher Andrew Weinstein.

Sicherheitsexperten wie Bruce Schneier, Gründer von Counterpane Internet Security, kritisieren das Verhalten. Spam verhindern zu wollen, sei zwar eine gute Sache, ungefragt auf das Betriebssystem der Anwender zuzugreifen, jedoch nicht. Es sei dann nur noch ein kleiner Schritt, auch Systemeinstellungen von Konkurrenten zu manipulieren.

Russ Cooper von Trusecure begrüßte die AOL-Aktion. Sie trage dazu bei, Spammern das Handwerk zu legen. Die Messaging-Funktion werde auch in Firmennetzen kaum eingesetzt. Wer sie tatsächlich benötige, wisse in der Regel, wie sie wieder zu aktivieren ist. (lex)