Fettnäpfe vermeiden

Top 10 der No-Gos im Internet

10.05.2013 | von Tony Bradley
Das Internet bietet einige Tücken. Phishing und fremde Fotos auf der eigenen Seite sind Fettnäpfe, in die auch erfahrene User treten.

No-Go 1: Sich auf Wikipedia verlassen

Wikipedia-Einträge zu tagesaktuellen Themen sind kritisch zu betrachten
Wikipedia-Einträge zu tagesaktuellen Themen sind kritisch zu betrachten

Mitarbeiter der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) ist es verwehrt Wikipedia als Quelle zu verwenden. Zitate aus der Online-Enzyklopädie gehören zudem zu den absoluten No-Gos. Denn Wikipedia-Beiträge entsprechen nicht immer der Wahrheit, wie die Geschichte um den erfundenen Vornamen des Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt. Guttenberg hat bekanntlich viele Namen, darunter sei laut Enzyklopädie auch der Name "Wilhelm". Hierbei handelte es sich allerdings um einen erdachten Vornamen. Der Fehler wurde spät bemerkt; viele Medien hatten zwischenzeitlich alle angegebenen Vornamen unverifiziert übernommen.

Michael Haller - Journalist, Medienwissenschaftler und Autor des Buches "Recherchieren" - legte im Januar 2011 während eines Interviews im Deutschlandradio dar, welche Rolle Wikipedia bei ihm einnimmt. Er gab im Gespräch an, die Wissensdatenbank als Erst-Rechercheinstrument zu verwenden. Außerdem sagte er, Profi-Journalisten wissen, dass Wikipedia-Beiträge zu abgeschlossenen Vorgängen, abgeschlossenen Biografien und abgeschlossenen Themen sowie Begriffe zuverlässig seien.

Vergessen Sie nie, dass Wikipedia ein Mitmach-Lexikon ist. Jeder kann Einträge erstellen, ergänzen und bearbeiten. Fehler, die unentdeckt bleiben, sind für alle sichtbar.

No-Go 2: Unbekümmerter Umgang mit den Kontodaten

Gemäß aktuellen Studien soll etwa jeder dritte Deutsche Online-Banking nutzen. Die Vorteile sind vielfältig: Bankgeschäfte lassen sich rund um die Uhr erledigen, Kontoauszüge bequem über den heimischen Printer ausdrucken und zudem sind reine Online-Banking-Konten gratis oder preiswerter als traditionelle Konten. Außerdem ist Online-Banking grundsätzlich sicher. Transaktionen werden über verschlüsselte HTTPS (Hypertext Transfer Protocol Secure)-Verbindungen abgewickelt, die hierfür benötigte Transaktionsnummern (TAN) werden entweder per SMS zugestellt oder mittels Generator erzeugt.

Kriminelle lassen sich immer wieder neue raffiniertere Tricks einfallen, wie Sie an Ihre Kontodaten kommen. Phishing-E-Mails leiten Sie auf perfekt gefälschte Geldinstitut-Websites und Trojaner belauschen Ihren Internetverkehr, um in den Besitz Ihrer Bank-Zugangsdaten zu kommen. Obwohl moderne TAN-Verfahren mehr Sicherheit als ihre Vorgänger bieten, sollten Sie keine Links in E-Mails aufrufen, die angeblich zur Ihrer Bank führen. Falls doch, unterlassen Sie es im Anschluss Ihre Kontonummer, PIN (Persönliche Identifikationsnummer) und TAN einzugeben.

No-Go 3: Öffentliche Einladungen via Facebook

Facebook bietet viel Fehler-Potential
Facebook bietet viel Fehler-Potential

Facebook-Fehler können unangenehme Ausmaße annehmen, wie die Geschichte einer Geburtstagseinladung aufzeigt. Thessa aus Hamburg-Bramfeld lud zu ihrem 16. Geburtstag über Facebook ein. Aufgrund eines Versehens, sagten fast 15.000 "Gäste" zu. Thessa wollte nur enge Freunde einladen, vergaß aber die Party als privat zu markieren. Die Einladung wurde so öffentlich und jeder konnte sie lesen.

Die Straße in der kleinen Siedlung in Bramfeld wurde am Abend des Geburtstags gesperrt. Obwohl die Party abgesagt wurde, kamen etwa 1.500 Facebook-Gäste, Radioreporter und TV-Teams. Sie alle drängten sich in die Siedlung - jeder wollte dabei sein. Das Thessa nicht da war, interessierte niemanden. Gäste trugen T-Shirts, auf denen "I love Thessa" stand und schwenkten Plakate mit Texten wie "Danke für die Einladung". Die Polizei nahm vorübergehend elf Personen wegen Sachbeschädigung oder Widerstand gegen Polizeibeamte fest.

No-Go 4: Glauben man wäre anonym

Vor einiger Zeit gab es bei Facebook eine Software-Panne. Durch einen Programmierfehler erlangten Mitglieder Zugang zu geschützten Fotos, indem sie öffentliche Bilder von anderen Usern als anstößig meldeten.

Auch außerhalb von Facebook hinterlassen Internet-Nutzer ihre Spuren. 2007 beschloss die Bundesregierung die Vorratsdatenspeicherung, bei der alle IP-Adressen mit den entsprechenden Informationen zu den Anschlussinhabern erfasst werden. 2010 kippte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz. Die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat seither zwei neue Papiere eingereicht. Diese wurden von Experten bislang abgelehnt. Falls die entsprechende EU-Richtlinie nicht umgesetzt wird, drohen ein EU-Verfahren und eine Strafe. Im Jahr 2010 wurden Österreich und Schweden wegen Nichtumsetzung der EU-Richtlinie verurteilt.

Auch ohne neu verabschiedetes Gesetz ist man im Internet nicht anonym unterwegs. Der Provider weist bei jeder Internetverbindung dem heimischen Rechner oder Router eine IP-Adresse zu. Diese und die eindeutige Zuordnung zum Anschlussinhaber speichern die Provider in der Regel zwischen sieben Tagen und sechs Wochen. Bei Vorlage eines Gerichtsbeschlusses muss die Zuordnung an die Strafverfolgungsbehörde herausgegeben werden.

Anonymisierungsdienste teilen den Surfern neue IP-Adressen zu und verschlüsseln so den Datentransfer. Die vom Provider ursprünglich zugewiesene Adresse verschwindet somit. Zu den Anbietern gehören Cyberghost VPN und Steganos Internet Anonym VPN.

No-Go 5: Ein Passwort für alle Dienste

Es ist praktisch bei allen Web-Diensten die gleiche E-Mail-Adresse anzugeben. Wie viele Dienste kennen Ihre E-Mail-Adresse? Ein, zwei oder doch so zehn bis zwanzig?

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie dieses mittels Passwort-Erinnerungs-Funktion wiederherstellen oder zurücksetzen lassen. Fast alle Web-Dienste bieten diesen Service und schicken Ihnen eine E-Mail entweder mit Passwort oder einem zeitlich begrenzt gültigen Link zu einer Seite, auf der Sie das Kennwort ändern können.

So praktisch diese Funktion auch sein mag, in ihr steckt gefährliches Potential. Jeder, der Ihr E-Mail-Postfach-Kennwort weiß, hat so die Möglichkeit die Zugangsdaten zu allen von Ihnen genutzten Diensten zu erhalten. Daher sollten Sie für Ihren E-Mail-Account ein komplexes Passwort mit mindestens acht Stellen, Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen wählen.

Des Weiteren sollten Sie Passwörter nicht über unsichere Netzwerke versenden und E-Mails nur über verschlüsselte Verbindungen prüfen. Dies gilt sowohl für Rechner, Notebooks, Tablet-PCs und Smartphones.

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