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Toll Collect verzichtet auf Zusammenarbeit mit Siemens

13.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Siemens hat im Rennen um künftige Mautaufträge einen Rückschlag hinnehmen müssen. So wird einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge das Betreiberkonsortium Toll Collect keine Siemens-Software in der nächsten Generation der On-Board-Units (OBUs) einsetzen. Der Münchner Konzern habe Planziele nicht erreicht, heißt es in dem Bericht. Die Toll-Collect-Verantwortlichen wollen deshalb weiterhin auf die Dienste des Paderborner Unternehmens OMP bauen, das bereits die Software für jetzt eingesetzten Geräte entwickelt hat. Siemens wird jedoch auch in Zukunft Toll Collect mit der Hardware der OBUs beliefern.

Man habe die Zusammenarbeit von vornherein nur als Hilfestellung betrachtet, bemühten sich Siemens-Vertreter die Softwareabsage zu beschönigen. Dagegen spricht OMP-Chef Arjen Klei von einem klaren Wettbewerb, in dem es darum gegangen sei, wer die künftige Software für die Erfassung der Mautgebühren in den LKWs liefert.

Die nächste OBU-Generation soll ab 2006 zum Einsatz kommen. Mit Hilfe der neuen Software werden dann Updates wie beispielsweise neue Streckenangaben oder Gebührenänderungen via Funk-Update auf die Geräte eingespielt. Aktuell müssen Servicetechniker diese Änderungen über eine Chipkarte installieren.

In der Vergangenheit standen die Erfassungsgeräte oft im Mittelpunkt der Kritik an Toll Collect. Fehler an Geräten und Software waren mit ein Grund für die verspätete Einführung des satellitengestützten Mautsystems. Spediteure hatten sich darüber beklagt, dass die Installation vieler Geräte nicht funktioniert habe. Die OMP-Verantwortlichen räumen Verständnis dafür ein, dass sich der Zorn über Systemfehler auf die greifbare Komponente OBU konzentriere. Allerdings funktioniere die Software nur, wenn auch die Zentralrechner fehlerfrei arbeiten.

Für Siemens bedeutet die Entscheidung der Toll-Collect-Verantwortlichen einen Rückschlag ihrer europaweiten Mautambitionen. So machen sich die Münchner beispielsweise Hoffnungen auf einen Mautauftrag aus Großbritannien. Hier steht Siemens neben British Telecom und einem Konsortium um IBM angeblich unter den letzten drei verbliebenen Bewerbern. Aus dem Rennen scheinen dagegen Daimler Chrysler und T-Systems. (ba)