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Telekom-Vorstand baut interne Drohkulissen auf

25.10.2006
Entweder stimmen Mitarbeiter im Service einem Gehaltsverzicht zu, oder ihre Einheiten könnten verkauft werden.

Die Deutsche Telekom will durch den Umbau ihrer Servicebereiche einen weiteren Stellenabbau vermeiden. "Über das Jahr 2008 hinaus ist kein weiteres Personalabbauprogramm geplant", sagte Personalvorstand Heinz Klinkhammer am Dienstag nach einer Vorstandssitzung in Bonn. Durch die Bündelung von 45.000 Mitarbeitern der Festnetztochter T-Com und der Callcenter in eine neue Geschäftseinheit sollen die Servicequalität verbessert und die Kosten deutlich gesenkt werden. Die Mitarbeiter müssen sich dafür auf Gehaltseinbußen einstellen.

"Wir erwarten ein Entgegenkommen der Sozialpartner", sagte Klinkhammer. Die hohen Personalkosten machten es im Inland unmöglich, die gleiche Zahl von Mitarbeitern bei unveränderten Konditionen wirtschaftlich zu beschäftigen. So lägen die Vergütungen im Service-Bereich um bis zu 50 Prozent über dem Branchenschnitt. "Wir können die betroffenen Arbeitsplätze nur dann langfristig sichern, wenn es uns gelingt, die Arbeits- und Entgeltsysteme konsequent am Marktniveau auszurichten", sagte Klinkhammer. Für den Fall, dass das Lohnniveau nicht gesenkt werden kann, droht der Manager mit dem Verkauf von Serviceeinheiten. Die Gewerkschaft Ver.di begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Ankündigung der Telekom-Führung, wies allerdings Forderungen nach einem Lohnverzicht zurück. "Offensichtlich ist unsere Kritik an dem Stellenabbau angekommen", sagte Lothar Schröder vom Ver.di-Vorstand der dpa. In den vergangenen Tagen war über neue Einschnitte bei der Belegschaft spekuliert worden. Dem Vernehmen nach hatte die Telekom den Abbau von 23.000 und mehr Arbeitsplätzen nach dem Jahr 2008 geprüft, sich dann aber dagegen entschieden.

Seit der Privatisierung vor zehn Jahren haben die Telekom über 100.000 Menschen verlassen. Das derzeit laufende Sparprogramm umfasst den Weggang von 32.000 Menschen bis zum Jahr 2008. Die Gesellschaft setzt dabei neben Altersteilzeit auf Vorruhestandsregelungen und Abfindungen. Auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtete das Unternehmen bislang. Klinkhammer hatte zuletzt einen weiteren Abbau nach dem Jahr 2008 für wahrscheinlich gehalten. Betroffen von den Einschnitten beim Personal ist vor allem die Festnetzsparte T-Com, deren Erlöse und Kundenzahlen sinken. Grund ist der harte Wettbewerb. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hatte daher bereits die Prognose für diese und das kommende Jahr deutlich nach unten schrauben müssen. Daraufhin war eine Debatte über seine Abberufung entbrannt. Diese endetet letztlich mit einer Stärkung von Rickes Stellung. (dpa/ajf)