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Telcos am Scheideweg: Diversifizieren oder konzentrieren?

12.01.2007
Die großen TK-Carrier müssen angesichts erodierender Umsätze und Gewinne schwierige Entscheidungen treffen: Entweder sie weichen ins Medien- oder IT-Business aus oder sie senken die internen Kosten und konzentrieren sich auf ergiebige Teilmärkte.

Breitbandiger Mobilfunk, IP-Technik und Full-Service-Angebote bestimmen derzeit die Strategien der Telefonkonzerne. Gartner sieht den Markt jedoch in einer Umbruchphase mit beträchtlichen Risiken für die Carrier - vor allem wenn sie in Märkte ausweichen, die nicht ihrem Kerngeschäft angehören (zum Beispiel Medien) oder sich zu stark auf noch unreife Technologien stützen. Für TK-Konzerne seien die Zeiten fetter Profite vorbei. Jetzt gehe es darum, die Geschäfte bei geringeren Gewinnmargen solide fortzuführen.

Konnten sich die Carrier früher auf starkes Umsatzwachstum durch neue Märkte, etwa den Breitbandsektor oder den Mobilfunk, stützen, stehen ihnen nun karge Zeiten bevor. Die Analysten erwarten, dass der weltweite Markt für TK-Dienste, der immerhin 80 Prozent des gesamten TK-Marktvolumens ausmacht, deutlich langsamer wächst: Betrug der Marktwert im vergangenen Jahr weltweit 1,3 Billionen Dollar, so sollen es 2010 rund 1,5 Billionen sein. Eine besondere Dynamik dürften die Wachstumsregionen in den aufstrebenden Ländern Asiens und Südamerikas aufweisen, so dass in Europa und Nordamerika keine großen Sprünge zu erwarten sind.

Nur mit Datendiensten können Carrier in Deutschland noch größere Umstzsprünge erzielen.
Nur mit Datendiensten können Carrier in Deutschland noch größere Umstzsprünge erzielen.

Um Umsatzeinbußen im traditionellen Kerngeschäft, insbesondere der Festnetz-Telefonie, zu kompensieren, werden sich die Carrier neuen Märkten zuwenden, allen voran dem Medien- und dem IT-Sektor. Dafür gibt es schon erste Beispiele: Telecom Italia hat Abkommen mit den Medienkonzernen Fox, MGM und Sony geschlossen, um Content über Breitbandkanäle anbieten zu können. SK Telecoms hat Südkoreas größtes Musik-Label YBM Seoul Records gekauft und bietet nun ebenfalls Inhalte an.

Gartner ist allerdings davon überzeugt, dass solche Diversifikationsversuche in den meisten Fällen scheitern werden. Die Carrier hätten in der Regel zu wenig Erfahrung und zu schlechte Informationen über ihre Kundenbasis und deren Interessen, als dass sie hier mit neuen Angeboten Umsatz generieren könnten. Außerdem verständen sie die neuen Business-Modelle zu wenig. "Die Synergien zwischen den verschiedenen Geschäftsmodellen und Märkten sind sehr begrenzt", beobachtet Research Vice President Martin Gutberlet. In andere Märkte auszuweichen berge das Risiko, den Geschäftsfokus zu verlieren.

Die Telcos würden von ihrer eigentlichen Aufgabe, die Kunden an sich zu binden und die internen Kosten zu senken, abgelenkt. Gartner empfiehlt Carriern, die Neuland im Medien- und IT-Geschäft erobern möchten, die Risiken zu minimieren und sich frühzeitig über mögliche Exit-Strategien Gedanken zu machen. "Es braucht mehr, als nur ein paar Medien- und IT-Profis anzuheuern, um in den neuen Märkten zu reüssieren", so Gutberlet. (Siehe auch unseren TV-Beitrag: "Trends im TV-Markt" mit Martin Gutberlet im Interview.)