CeBIT 2014

T-Systems startet Cloud Broker

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die T-Systems hat zur CeBIT den Dienst "Cloud Broker" angekündigt, der Infrastrukturkapazitäten aus öffentlichen Cloud-Angeboten unter anderem von Amazon und Microsoft vermittelt. Der kostenpflichtige Service erledigt auch den Umzug der Daten zwischen den IaaS-Installationen.

Der Coud Broker wird ebenfalls als öffentliches Cloud-Angebot betrieben und bietet Kunden die Funktion eines IaaS-Konfigurators (Infrastructure as a Service). Hier können sie Angaben zu ihren individuellen Anforderungen machen, etwa was IT-Service (Speicher oder Computing-Power), Leistungsmenge, Workload, Servicequalität und -sicherheit sowie Standort betrifft.

Broker durchforstet öffentliche IaaS-Dienste

Aus den Angaben sucht der Broker nach der passenden IaaS-Lösung und durchforstet dazu die Public-Cloud-Angebote von Eucalyptus, Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und den T-Systems-eigenen "DSI"-Kapazitäten (Dynamic Services for Infrastrurcture). Bei Bedarf lassen sich auch vorhandene internen on-Premise-Installationen integrieren. Sie können mit den Broker-Schnittstellen verknüpft werden, solange sie auf dem Eucalyptus- oder VCloud-Stack basieren.

Das Ergebnis ist eine Liste der in Frage kommenden Dienste, die der Kunde dann je nach gebotenem Preis, Flexibilität, Schnelligkeit, Sicherheitslevel etc. auswählen kann. Das darauf folgende Provisioning erfolgt automatisch auf der Zielplattform. Die Vertragsbeziehung für den IaaS-Verbrauch besteht zwischen Kunden und dem IaaS-Lieferanten. Daher stellt auch nicht die T-Systems die Rechnung aus, sondern der jeweils gewählte IaaS-Provider.

Weitere IaaS-Dienste in Planung

"Cloud ist das Versprechen von Flexibilität, Dynamik und Geschwindigkeit. Daraus folgt der Anspruch, die verschiedenen Lösungen auch schnell für die eigene Organisation einzusetzen", sagte Frank Strecker, Senior Vice President Cloud Computing bei T-Systems. "Am Markt gibt es aber fünf oder sechs Cloud-Angebote. Daraus möchte man die auswählen, die den eigenen Wünschen und Anforderungen in der jeweiligen Situation am besten entspricht." In weiteren Schritten soll das Angebot an unterstützten IaaS-Clouds ausgebaut werden. In Planungen sind etwa Schnittstellen zur HP-Cloud (Hewlett-Packard) sowie zu anderen Azure-basierenden Diensten.

Die Motivation der T-Systems besteht darin, ihre Infrastrukturleistungen mit höherwertigen Diensten zu veredeln, um sich dem Konkurrenzdruck im Infrastruktursegment zu entziehen. "Der Cloud-Markt wird im Infrastrukturbereich den gleichen Weg gehen, wie das Hardwaregeschäft. Dort kaufen die Kunden ihre x86-Server dort ein, wo sie am günstigsten sind", schildert Strecker den Hintergrund. Im Wettbewerb um öffentliche Infrastrukturdienste sind US-Anbieter wie Amazon, Google, Microsoft und IBM die Taktgeber, nicht zuletzt weil sie im Heimatland mit deutlich günstigeren Energiekosten kalkulieren können.

Migrationsdienst inklusive

T-Systems will mit dem Broker-Dienst natürlich auch Geld verdienen. Das Angebot startet etwa Mitte April, die verbindlichen Kosten für Kunden stehen heute noch nicht vollumfänglich fest. Beschlossen ist, dass der Cloud Broker in den Größenklassen XS bis XL angeboten wird. Die kleinste XS-Ausführung steht für rund 7500 Euro pro Monat zur Verfügung und umfasst 400 verwaltbare Maschinen.

Frank Strecker, T-Systems: Der Cloud-Markt wird im Infrastrukturbereich den gleichen Weg gehen, wie das Hardwaregeschäft. Dort kaufen die Kunden ihre x86-Server dort ein, wo sie am günstigsten sind.
Frank Strecker, T-Systems: Der Cloud-Markt wird im Infrastrukturbereich den gleichen Weg gehen, wie das Hardwaregeschäft. Dort kaufen die Kunden ihre x86-Server dort ein, wo sie am günstigsten sind.
Foto: Telekom

In dem kleinen Paket sind fünf Migrationen sowie zehn Gigabyte permanenten Storage für Images enthalten. Letzterer ist etwa erforderlich, wenn Daten von einem Cloud-Dienst zum anderen umgezogen werden. Der Cloud Broker übernimmt diese Aufgabe vollautomatisch und zieht die Daten von der Cloud-Quelle in einen virtuellen Datencontainer, der zunächst im T-Systems-Data-Center zwischen geparkt wird. Von dort wird er auf die Ziel-IaaS-Plattform verschoben.

Zudem stehen Reporting-Funktionen zur Verfügung, die den Mengenverbrauch je Nutzer, Abteilung, Projekt oder definierten Zeitintervallen darstellen. Auch der Budget-Verbrauch über alle eingebundenen IaaS-Plattformen wird im T-Systems-Broker dokumentiert, bei Bedarf ebenfalls auf Abteilungs- oder Nutzerebene beziehungsweise pro Tag, Woche oder Monat. Die dafür erforderlichen Abrechnungsdaten besorgt sich der Cloud Broker von den öffentlichen IaaS-Plattformen, die vom Anwender genutzt wurden.

Deutsche Börse handelt mit IaaS-Angeboten

Einen Brokerage-Service baut zurzeit auch die Deutsche Börse auf. Sie zielt mit ihrem Dienst vornehmlich auf Händler. Dazu sammelt die Deutsche Börse hochstandardisierte, frei verfügbare IaaS-Kapazitäten ein und verkauft sind auf einem Marktplatz. Während bei der Deutschen Börse der Handel im Vordergrund des Angebots steht, vermittelt die T-Systems IaaS-Kapazitäten zur Nutzung. Die Telekom-Tochter spricht Anwenderunternehmen mit konkreten Qualitätsanforderungen an.