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Systems: Unternehmen kritisieren Bewerber

26.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf dem Forum Jobs & Karriere der COMPUTERWOCHE gingen Personalexperten und Firmenchefs hart ins Gericht mit den Bewerbern. In den Podiumsdiskussionen, die an den ersten beiden Messetagen in der Eingangshalle West vor einer großen Zuschauerkulisse stattfanden, warf die Unternehmensseite den Kandidaten mangelndes Engagement, fehlende Begeisterungsfähigkeit und Schlampigkeit im gesamten Bewerbungsverfahren vor.

Frank Mang, Partner der weltweit tätigen Unternehmensberatung Accenture, sieht eine neue Generation heranwachsen, die Wert auch auf Freizeit legt und beispielsweise nicht mehr um jeden Preis reisen will, wie das bei Consultants früher selbstverständliche Voraussetzung war. Das Unternehmen hat nun darauf reagiert und bietet auch Jobs für stark IT-interessierte Bewerber an, die nur in Ausnahmefällen ihre Koffer packen müssen.

Sissi Closs, Informatikprofessorin in Karlsruhe und Geschäftsführerin des Münchner IT-Dienstleisters Comet Computer, bemängelt die Begeisterungsfähigkeit der jungen Generation. Sie erwarte ein überzeugendes Plädoyer, warum ein Jobsuchender gerade in ihrer Firma arbeiten möchte. Es könne nicht angehen, dass der Kandidat im Vorstellungsgespräch auf die Uhr schaut, weil er unbedingt seinen nächsten Zug nach Hause erwischen will.

Auch Brigitte Schaffer, Personalleiterin von Soft M, einem Münchner IT-Mittelständler, nahm kein Blatt vor dem Mund: Noch immer sei es so, dass sich viele Bewerber ungenügend über den Arbeitgeber informierten, zu dem sie hingehen wollten, und dass die Anzeige nicht gelesen werde. Sie reagiere sauer, wenn sie von Interessenten angerufen werde, die noch zusätzliche Informationen zur ausgeschriebenen Stelle hätten, weil sie der Meinung ist, dass alle Informationen zum Unternehmen und zu den Einstellungsbedingungen auf der Homepage stehen. Sie könne nichts mit einem in Englisch verfassten Lebenslauf anfangen, da "wir ein mittelständisches Unternehmen sind, das seine Projekte vor allem im deutschsprachigen Raum abwickelt."

Zur Zeit sucht sie Projektleiter. Und auch da sagt die temperamentvolle Personalerin sofort, wer sich erst gar nicht zu bewerben braucht, und zwar "wer sich im Anschreiben einen Dienstwagen wünscht. Wir sind ein bodenständiges Unternehmen und treten bescheiden auf."

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