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Sun will Microsoft auf dem Desktop Konkurrenz machen

19.09.2002
Mit einem TCO-günstigen PC voller Open-Source-Software will Sun demnächst Kunden ansprechen, die sich über Microsofts Licensing 6.0 und ständige Sicherheits-Patches ärgern.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Sun Microsystems mit seinen bisherigen Thin-Client-Geräten ("JavaStation", "Sun Ray") nie nennenswerte Marktanteile erreicht hat, schwenkt das Unternehmen nun strategisch um und will einen eigenen x86-PC auf den Markt bringen - ohne Windows, versteht sich, dafür mit Linux, GNOME, OpenOffice, Mozilla, Evolution und dem Windows-Emulator WINE. Dies kündigte der Hersteller auf seiner erstmals veranstalteten Konfernz SunNetwork in San Francisco an.

Die TCO von Suns Linux-PC liegen laut Mark Tolliver erheblich unter denen eines Windows-Rechners.
Die TCO von Suns Linux-PC liegen laut Mark Tolliver erheblich unter denen eines Windows-Rechners.

Die Hardware-Spezifikationen für den PC - aktuell unter dem Codenamen "Madhatter" gehandelt - stehen zwar schon fest, bleiben aber vorerst noch geheim. Sie sollen erst kurz vor dem tatsächlichen Liefertermin bekannt gegeben werden, der im ersten Quartal 2003 liegen dürfte. Beobachter erwarten, dass essentielle PC-Elemente wie etwa eine lokale Festplatte dazugehören. Gegenwärtig ist Sun auf der Suche nach einem geeigneten OEM-Hersteller - bevorzugt einem einzigen, um den Support so einfach wie möglich zu halten.

Zum Software-Lieferumfang der Geräte, die es auch im praktischen Hunderterpack geben soll (einen Preis wollte Sun noch nicht verraten), werden unter anderem Suns Portal-, Identity- und Messaging-Server sowie Kalender-Software gehören. Geld verdienen will Sun wie gehabt mit Linux- und Solaris-basierenden Servern, die Applikationen hosten und die nötige Netzinfrastruktur bereit stellen. Im Laufe der nächsten zwölf Monate will Sun laut CEO (Chief Executive Officer) Scott McNealy unter anderem ein neues System auf den Markt bringen, das Solaris- und Intel-Blades gemeinsam in einer virtualisierten Umgebung vereint.

Aus Sicht von Jonathan Schwartz, Vice President Software, und Chief Strategy Officer Mark Tolliver ist die Situation für die Einführung des Linux-PCs gerade ausgesprochen günstig. Anwender müssten aufgrund der wirtschaftlichen Lage sparen, und Microsoft habe viele Unternehmen mit seinem neuen Licensing 6.0 sowie zahlreichen Sicherheits-Patches verärgert. Schwartz bezifferte die TCO (Total Cost of Ownership) von Suns Linux-PC mit 49,36 Dollar pro Nutzer und Monat - eine Windows-Maschine koste im Vergleich dazu mit 169,93 Dollar mehr als drei Mal so viel.

Ganz ausdrücklich betonte der Hersteller, dass das Konzept des Linux-PC keine Abkehr vom Thin Client Sun Ray bedeute. Auch diesen könne ein Unternehmen für die Bürosuite StarOffice nutzen - nur laufe dieses dann auf dem Server ab. Auch der Linux-PC soll übrigens wie der Sun Ray über einen Kartenleser verfügen, um von einer Java-Smartcard Passwort, Schreibtisch-Einstellungen und Zugangsrechte eines Benutzer auszulesen.

Sun wird übrigens nicht notwendigerweise immer gleich seine Hardware verkaufen wollen. "Wenn ein Kunde die PCs schon stehen hat, verkaufen wir ihm vielleicht nur den Software-Stapel. Wenn er dann mehr braucht, liefern wir ihm auch gerne unseren PC mit der Software vorkonfiguriert," erklärte Tolliver. (tc)