Web

 

Sun rutscht tiefer ins Schlamassel

17.10.2003
Suns Umsatz ging zum zehnten Mal in Folge zurück, der Nettoverlust im ersten Fiskalquartal stieg deutlich. CEO McNealy hält die Strategie des Herstellers trotzdem weiterhin für richtig.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems hat weiter mit scharfem Wettbewerb und Investitionszurückhaltung zu kämpfen und hat im ersten Fiskalquartal einen höheren Verlust und geringeren Umsatz erzielt als im Vorjahreszeitraum. Für das am 28. September abgeschlossene Vierteljahr meldete das Unternehmen gestern einen Nettoverlust von 286 Millionen Dollar oder neun Cent pro Aktie im Vergleich zu einem Fehlbetrag von 111 Millionen Dollar oder vier Cent je Anteilschein im Berichtszeitraum des Vorjahres. Sun schrieb in acht der vergangenen zehn Quartale rote Zahlen.

Das aktuelle Ergebnis lag im Rahmen der letzten eigenen Prognose von sieben bis zehn Cent pro Aktie Verlust. Vor dieser am 29. September veröffentlichten Warnung war die Wall Street von lediglich minus zwei Cent je Anteilschein ausgegangen. Suns Quartalsumsatz betrug 2,54 Milliarden Dollar und lag damit um sieben Prozent unter den 2,75 Milliarden Dollar aus dem Vorjahresquartal. Die Einnahmen lagen knapp unter der Wall-Street-Erwartung von 2,56 Milliarden Dollar und gingen im zehnten Quartal in Folge zurück.

Sun meldete sein Ergebnis nach Börsenschluss. Zum Nasdaq-Fixing hatte die Aktie des in Santa Clara, Kalifornien, ansässigen Herstellers bereits gut vier Prozent leichter bei 3,63 Dollar notiert.

Seit geraumer Zeit steht Sun ob seiner Strategie unter Druck, da die Nachfrage nach den Kernprodukten - Unternehmens-Server mit proprietären Prozessoren und eigenem Unix - nachgelassen hat. Vor allem die Intel-basierende Konkurrenz mit Windows- und Linux-Betriebssystemen nimmt Sun seit geraumer Zeit Marktanteile ab. Dagegen stemmt sich das Unternehmen zwar, konnte aber den Umsatzverfall bislang nicht aufhalten. "Wir verstehen, dass das Unternehmen wachsen muss", erklärte CEO und Mitgründer Scott McNealy und erklärte, man habe von Kunden speziell auf die in diesem Jahr vorgestellten Lowend-Produkte positive Rückmeldungen erhalten. "Da gibt es massig Bewegung."

Finanzchef Steve McGowan entschuldigte den gestiegenen Quartalsverlust teilweise mit höherer Steuerbelastung und einigen Lieferproblemen im Monat September. Das Unternehmen versuche "aggressive Preise zu gestalten und die Kosten aus Produkten und Dienstleistungen herauszunehmen", erklärte der CFO. Entlassungen seien für das laufende Quartal aber keine geplant, höchstens Einschränkungen bei Neueinstellungen, so McGowan. Was vielen Analysten gar nicht gefiel, die seit längerem fordern, Sun solle seine Belegschaft reduzieren, um die Kostenstruktur an die gesunkenen Einnahmen anzupassen.

McGowan erklärte, Sun werde erst dann Stellen abbauen, wenn es keinen positiven Cash Flow oder nachhaltige Profitabilität mehr erreichen könne. Tony Sacconaghi von Sanford Bernstein verwies darauf, dass Sun im abgeschlossenen Quartal beide von McGowan genannten Ziele verfehlt habe und äußerte sich "enttäuscht angesichts der unbeantworteten Fragen". Sun habe weder angeben wollen, wann es trotz Nettoverlust und negativem Cash Flow Stellen streichen noch wann es in die Gewinnzone zurückkehren wolle.

McNealy erklärte, der Verwaltungsrat des Unternehmens stehe weiter hinter der Strategie der Firma und dem Management-Team. Es gebe beispielsweise keinerlei Pläne, einen Chief Operating Officer zu installieren, wie dies Merrill-Lynch-Analyst Steve Milunovich kürzlich in einem offenen Brief gefordert hatte. "Belegschaft und Board stimmen überein, dass wir die richtige Strategie fahren, und wir lassen der Sache ihren Lauf", erklärte der Sun-Chef. (tc)