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Sun-Investoren proben den Aufstand

28.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Management von Sun Microsystems bekam auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung den Unmut seiner Aktionäre zu spüren. Der Vorschlag, die zum Schutz vor einer feindlichen Übernahme eingerichtete "Poison Pill" zu deinstallieren, wurde mit einer überragenden Mehrheit von 84 Prozent der Stimmen angenommen.

Bei der Poison Pill handelt es sich um eine Präventivmaßnahme mit dem Ziel, die feindliche Übernahme für einen potenziellen Käufer kostspieliger und zeitraubender zu machen. So werden zahlreiche neue Aktien erzeugt, wenn eine Einzelperson oder Gruppe ohne Genehmigung des Boards versucht, einen bestimmten Anteil der Stammaktien aufzukaufen.

Nach Ansicht von Sun-Investor William Steiner schützt eine solche Regelung Management-Teams aber auch, wenn sie einen schlechten Job machen. Das Sun-Board hatte sich gegen eine Abschaffung ausgesprochen, da die Poison Pill das Unternehmen im Falle eines feindlichen Übernahmeversuchs schütze. Bei einem angemessenen und fairen Angebot sei Sun jedoch zu Gesprächen bereit. Trotz der deutlichen Mehrheit ist Sun nicht gezwungen, auf die Forderung einzugehen.

Eine zweite Initiative der Hauptversammlung, die Aktienboni an Führungskräfte stärker an Suns Gesamtleistung anzupassen, verfehlte mit 42,8 Prozent der Stimmen nur knapp die Mehrheit. Der Antragsteller Service Employees International Union (SEIU), die größte Einzelgewerkschaft der USA, hatte argumentiert, dass das bestehende Prämiensystem bereits mittelmäßige Leistungen honoriere. In den vergangenen fünf Jahren sei dagegen den Sun-Aktionären bei ihren Investitionen im Schnitt ein Wertverlust von 39 Prozent entstanden, rechnete ein SEIU-Sprecher vor.

Der Zorn der Anleger scheint durchaus berechtigt: Nachdem der Sun-Kurs während des Technologie-Booms im Jahr 2000 ein Allzeithoch von 64,31 Dollar erreicht hatte, dümpelt er jetzt bereits seit einigen Jahren zwischen drei und vier Dollar. Für besonderen Ärger sorgte Anfang August die Nachricht, dass CEO Scott McNealy für das Geschäftsjahr 2005 einen Sonderbonus von 1,1 Millionen Dollar, eine 20-prozentige Gehaltserhöhung und 1,25 Millionen Aktienoptionen erhalten werde, obwohl er nicht einmal die Zielvorgaben für eine reguläre Prämienzahlung erfüllt hatte.

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