Speichertechnologien im Wandel

Storage Technologie 2017 - die wichtigsten Trends

Bernhard Haluschak ist als Redakteur bei der IDG Business Media GmbH tätig. Der Dipl. Ing. FH der Elektrotechnik / Informationsverarbeitung blickt auf langjährige Erfahrungen im Server-, Storage- und Netzwerk-Umfeld und im Bereich neuer Technologien zurück. Vor seiner Fachredakteurslaufbahn arbeitete er in Entwicklungslabors, in der Qualitätssicherung sowie als Laboringenieur in namhaften Unternehmen.
Cloud-Dienste, All Flash oder Storage-Virtualisierung gehören fest zum Themenplan eines IT-Verantwortlichen. Doch welche Storage-Trends sollten Unternehmen 2017 ebenfalls nicht außer Acht lassen? Die Antworten geben Storage-Experten namhafter Hersteller.

Die aktuellen Herausforderungen, vor denen sich IT-Verantwortliche bei ihrer Storage-Infrastruktur sehen, sind beileibe nicht gering. Der Kostendruck steigt, das Wachstum der Daten hält an und aus den vorhandenen Ressourcen muss das Optimum herausgeholt werden. Die Unternehmen sind schon genügend damit beschäftigt, Cloud-Dienste einzubinden und die Storage-Landschaft zu konsolidieren und zu virtualisieren.

Neue Trends oder bald anstehende Anforderungen an die Storage-Infrastruktur sollten durch neue Themen wie Analytics oder Internet of Things (IoT) dennoch nicht außer Acht gelassen werden. Wir haben die etablierten Storage-Anbieter gefragt, welche Trends im Umgang mit den Daten und Speichersystemen auf die Unternehmen 2017 zukommen:

  • Uwe Müller, Head of Sales & PreSales Datacenter ; Cisco

  • Lars Göbel, Leiter Vertrieb & IT-Services; DARZ GmbH

  • Hans Schramm, Product Manager Enterprise Dell; Dell/EMC

  • Stefan Roth, Head of Storage, Category Management Datacentre Central Europe, Fujitsu

  • Florian Bettges, Category Manager Storage, Hewlett Packard Enterprise

  • Jürgen A. Krebs, CTO für die Region EMEA von Hitachi Data Systems

  • Ralf Colbus, Leading Storage Professional, IBM

  • Peter Wüst, Senior Director Emerging Solutions & Innovation Group EMEA, NetApp

  • Joachim Berger, Sales Director DACH bei Nimble Storage

  • Thomas Muggendobler, Product Manager Storage, Thomas-Krenn AG

Storage Trends 2017

Uwe Müller, Cisco: "Der Einsatz von immer mehr Applikationen führt verstärkt zu einer dezentralen Datenhaltung, die eine dezentrale Verarbeitung erfordert. Das äußert sich beispielsweise in der Zunahme virtueller Desktops oder durch zunehmende Dezentralität von Infrastruktur-Bestandteilen. Netzwerk und Speicher werden so vermehrt zum Bestandteil von Computerstrukturern und agieren an dem Ort, an dem sie erforderlich sind: Vormals eher monolitische, konvergente Blöcke aus Speicher, Netzwerk und Server werden somit in hyperkonvergenten Systemen gebündelt. Diese Koexistenz wird begleitet durch das Bestreben, die gebündelte Systemvielfalt bestmöglich verwalten und automatisieren zu können."

"Sogenannte Microservices beeinflussen darüber hinaus die Entwicklung im Storage-Umfeld. Zum Beispiel sind Container, die lediglich für die Laufzeit der Nutzung erzeugt werden, schnell zu erstellen und deren Datenpakete nah an der Rechenleistung zu verarbeiten. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob diese Trends eher die Entwicklung aktueller Storage-Management-Ansätze (Software Defined Storage) begünstigt oder gesamtheitliche Lösungen davon profitieren, die Netzwerk, Storage und Server umfassen. Wahrscheinlich ist, dass durch die höhere Kapazität und zunehmende Bezahlbarkeit von Flash sogenannte ALL FLASH ARRAYs einen Aufschwung erleben und für Anbieter interessanter werden."

Lars Göbel, DARZ GmbH: "Steigende Anforderungen an Speicherumgebungen erfordern von Storage-Systemen auch zukünftig mehr Leistung als bisher. IT-Verantwortliche sollten daher im nächsten Jahr verstärkt auf das Thema All Flash setzen, das auch durch die zunehmende Verbreitung von SSD-Speichermedien weiter an Bedeutung gewinnt. Auch hier gilt es, Datensilos zu vermeiden und möglichst effiziente Datenmigrationsszenarien zu gewährleisten."

Hans Schramm, Dell: "Ein Trend im neuen Jahr wird das Thema Software Defined sein. Die IT hat begonnen sich zu wandeln: von einem klassischen IT-Stack mit Applikation, Betriebssystem, Hypervisor, Server, Network und Storage hin zu konvergenten oder sogar hyperkonvergenten Strukturen. Server lassen sich als Universallösung nutzen und werden vermehrt auch im Bereich Storage eingesetzt. Appliances werden einfach modular aneinandergefügt und enthalten sowohl Applikationen als auch Daten."

"Des Weiteren wird sich Flash 2017 immer stärker verbreiten. Im "Formfaktor 2.5-Zoll haben die SSDs bei der Kapazität effektiv einen Vorsprung, da HDDs ausnahmslos weniger Kapazität bieten. Durch den Einsatz von 15TB SSDs wird es auch für die großen, drehenden Platten zunehmend schwer; sie punkten aber noch durch den niedrigeren Preis. Unterstützung bekommt Flash auch aus der Software-Ecke, sprich Intelligenz: Dedupe, Kompression, dynamisches Tiering etc. Systeme legen "heiße" Daten auf schnelle Medien; erkalten die Daten, wandern sie automatisch auf günstige Medien und zurück. All-Flash wie auch Hybridsysteme werden in 2017 einen starken Zulauf bekommen."

"Ein weiterer wichtiger Trend ist die zunehmende Automatisierung: Durch eine geringere Fehleranfälligkeit der Storage-Systeme können sich Administratoren von wiederkehrender stupider Fehlerbehebung verabschieden, sich intensiver innovativen Themen zuwenden und sozusagen zum Denker und Designer im Unternehmen werden."

"Last but not least wird auch die Cloud-Adaption weiter zunehmen. Denn Anbieter schaffen immer mehr Möglichkeiten, um hybride Konstrukte zu bauen. Damit können Unternehmen ganz simpel sowohl unkritische Systeme als auch Leistungsspitzen aus der Public Cloud in die eigene Private Cloud verlagern. Ausgelöst wird dieser Trend durch die leistungsfähigeren Funktionen in den Bereichen Security und Encryption von Live-Daten."

Stefan Roth, Fujitsu: "Flash-Storage ist weiter auf dem Vormarsch, sowohl All-Flash als auch Hybrid-Flash. Für Nutzer von Storage-Komponenten sind Flash-Speicher wegen ihrer deutlich höheren Performance und Effizienz ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierungsstrategie. Das macht sich insbesondere bei anspruchsvollen Applikationen wie Echtzeit-Anwendungen, virtuellen Desktops und Online-Transaktionsverarbeitung bemerkbar. Mit Lösungen, die speziell auf kleine und mittelständische Unternehmen zugeschnitten sind, haben auch diese die Chance, sich im globalen Wettbewerb durchzusetzen und die digitale Transformation zu bewältigen."

"Die immer weiter wachsende Datenflut stellt Unternehmen vor verschiedene Herausforderungen. Software Defined Storage wird aufgrund der höheren Anforderungen an die Skalierbarkeit sowie größerer Komplexität und Kosten immer wichtiger werden. Mit Scale-out Storage sind Speichersysteme ebenfalls einfach und kosteneffizient skalierbar. Hyperskalierbare Speichersysteme bieten integrierte Lösungen in unterschiedlichsten Größen. Auch Backup und Disaster Recovery sowie Archivierung nehmen aufgrund des weiterhin stark steigenden Datenvolumens als auch der neuen Applikationen für Digitalisierung an Bedeutung zu. Integrierte Data Protection Lösungen helfen Unternehmen bei der Erfüllung steigender Sicherheitsanforderungen."

"Weiter etablieren wird sich auch Object Storage. In Verbindung mit verschiedensten Applikationsanbietern gibt es hier immer mehr Lösungen und Einsatzszenarien. Object Storage eignet sich auch für Anwendungsbereiche, in denen bisher Network Attached Storage (NAS) Systeme eingesetzt wurden."

Florian Bettges, HPE: "IT-Verantwortliche werden sich im nächsten Jahr mit einigen Änderungen beschäftigen müssen. Fortschrittliche Analytics-Anwendungen werden in immer mehr Unternehmen zu einem wichtigen Teil der Geschäftsstrategie und verändern damit grundlegend die Anforderungen, die an Storage-Lösungen gestellt werden. Vor allem aber sehen sich Unternehmen heute einer viel dynamischeren Marktsituation ausgesetzt. Workloads können sich täglich verändern, die Infrastruktur muss also heute deutlich flexibler sein als noch vor wenigen Jahren."

"In solchen Anwendungen kann Speicher nicht mehr als alleinstehende Lösung betrachtet werden - wo bisher monolithische Storage-Architekturen aufgebaut wurden, werden sich künftig konvergente Systeme und Software-definierte Strukturen durchsetzen. Ein weiterer Trend ist der Wechsel von klassischen drehenden Medien hin zu All-Flash und nichtflüchtigem Speicher. Der klassische drehende Speicher wird durch die sinkenden Kosten von All-Flash-Systemen zunehmend unwichtiger, sogar im Bereich des Data Warehousing. Heute schon können wir beobachten, dass die TCO eines All-Flash-Systems mit einem auf drehenden Medien basierten System gleich ziehen. Wir sehen bereits heute, dass die Mehrheit der neu eingerichteten Speichersysteme bereits auf eine All-Flash-Architektur setzt."

Jürgen A. Krebs, Hitachi Data Systems: "Die digitale Transformation wird an Fahrt gewinnen und vielen Unternehmen wird klar werden, dass es dabei buchstäblich um ihr Überleben geht. Der Ort, wo die digitale Transformation der IT umgesetzt wird, ist das Datacenter, getrieben von den Fachbereichen. Die wichtigsten Themen sind hier Agilität und Flexibilität. Unternehmen gehen dazu verstärkt den Weg in die (Private) Cloud. Gleichzeitig ändert sich das Kaufverhalten der Kunden. Sie wollen zunehmend klassische Investitionen (Capex) durch laufende Betriebsausgaben (Opex) ersetzen, was im Storage-Bereich verbrauchsabhängige Abrechnungsmodelle erfordert."

"Die Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen schlägt die bimodale IT. Unternehmen können ihre bestehende IT mit modernen Lösungen kombinieren, sie behalten die Sicherheit und Zuverlässigkeit ihrer bewährten Maschinen und können mit modernen Systemen die Themen von heute adressieren. Realisieren lässt sich das beispielsweise mit einem zentralen Daten-Hub, der beide Welten zusammenfassen kann und so die die Kreation neuer Angebote und leistungsfähige Analytics ermöglicht."

Ralf Colbus, IBM: "Wenn in Zukunft ein Service angefordert wird, wird es unwichtig sein, ob dieser on-premise oder off-premise ausgeführt wird. Ein IT-Verantwortlicher muss sich also auf Hybrid-Services ausrichten. Die Cloud wirkt dann als erweitertes Rechenzentrum. Die Integration von on-premise oder off-premise wird wichtiger werden. Zudem ist anzunehmen, dass Flash die Festplatte im traditionellen Datacenter ablösen wird. Low-latency Protokolle werden dabei helfen, die Performance abzurufen. Wie wird also der Spagat aussehen?"

"Auf der einen Seite stehen Transaktionen, Performance und Sicherheit, auf der anderen Seite Internet of Things, Big Data, ein erhöhtes Wachstum an unstrukturierten Daten. Die Investitionen werden in diese Bereiche verschoben - der IT-Verantwortliche muss die Infrastruktur hierfür liefern. Cloud Object Storage wird helfen, neue Tierstufen einzubauen und günstigere Speicher, gegebenenfalls auch global, bereitzustellen. Die Bekämpfung der Schatten-IT wird 2017 ebenfalls ein großes Thema sein."

Peter Wüst, NetApp: "Flash ist Standard. Daten werden immer mehr und wichtiger und daher wird die Kompetenz im Datenmanagement wichtiger. Die sichere und einfache Verschiebung von Daten für Cloud-Workloads ist eine Anforderung an moderne Speichersysteme. Objektstorage und skalierbarer Cloudstorage (onpremise/offpremise) werden als weitere Storageklassen eingeführt. Flash ersetzt SAS als Storagetier."

Joachim Berger, Nimble Storage: "Wir haben in diesem Jahr eine stetig wachsende Anzahl an Unternehmen gesehen, die damit beginnen, Flash- und All-Flash-Technologien in ihre Rechenzentren zu integrieren. Diese Technologien benötigen vorausschauende Analyse-Möglichkeiten, um Ausfallzeiten auf ein Minimum zu reduzieren und für eine optimale Verfügbarkeit von Anwendungen und Daten zu sorgen."

Thomas Muggendobler, Thomas-Krenn AG: "All-Flash-Systeme werden auch bei mittleren und größeren Kapazitäten die mechanischen Festplatten weiter verdrängen. Wir stellen vor allem fest, dass bei den Anwendern neben den stark gefallenen Anschaffungspreisen auch die deutlich niedrigeren Betriebskosten in den Fokus rücken."

"SSDs, die über die schnelle NVMe-Schnittstelle angebunden sind, wurden bereits in der zweiten Hälfte 2016 langsam bezahlbar. NVMe-Flash wird also 2017 also wohl überall dort Einzug halten, wo besonders hohe Datentransferraten gefragt sind. Für die Anbindung des Storage sind vor allem hybride oder dedizierte, über den PCIe-Bus angebundene Backplanes besonders attraktiv."

"Software Defined Storage (SDS) verbreitet sich zunehmend in allen Marktsegmenten, da auch leistungsfähige, ausgereifte Lösungen für das kleinere Budget zur Verfügung stehen. Da bei SDS die Software für Datenverteilung und Redundanz sorgt, werden vor allem große RAID-Systeme an Bedeutung verlieren. Hardwareseitig genügen flexiblere und günstige Host Bus Adapter (HBA)."

"Die Einstiegshürden in hyperkonvergente Systeme werden weiter sinken. Off-the-shelf-Hardware in Kombination mit vergleichsweise günstiger Software macht es möglich."