Master Data Management

Stammdaten - ungeliebt und nützlich

Ariane Rüdiger ist freie Autorin und lebt in München.
Stammdaten-Management ist eine ermüdende Daueraufgabe für Detailverliebte und zugleich unverzichtbar für das Informations-Management. Vier Anwender schildern ihre Erfahrungen.
Foto: Fotolia, imageteam

Wenn ein Kunde dreimal die gleiche Hochglanzbroschüre von der gleichen Firma bekommt, jedes Mal mit einem anderen Schreibfehler in seinem Namen, hebt das sicher nicht seine Meinung über den Absender. Zudem kosten solche nutzlosen Aktionen Geld. Auch Unternehmen, die mangels Pflege ihrer Materialdatenbank ihre Vorprodukte zu teuer einkaufen, weil sie die Bezugspreise früherer Lieferungen nicht sorgfältig im Materialstamm festhalten, verschenken Mittel. Dagegen hilft nur ein sorgfältiges Master-Data-Management.

RWE ordnet Einkaufspreise und spart in der Beschaffung

Die Entwicklung IT-gestützter, weitgehend automatisierter Stammdaten-Management-Prozesse als Teil des Informations-Managements gehört zu den Aufgaben, die viele Unternehmen erst langsam strukturiert angehen. Wichtige Treiber sind Compliance und Risiko-Management, Geschäftsprozessintegration, das auf Kunden maßgeschneiderte Design neuer Produkte und Services oder eine optimierte Beschaffung.

Welche Daten bereiten Ihnen hinsichtlich der Qualität das größte Kopfzerbrechen?
Welche Daten bereiten Ihnen hinsichtlich der Qualität das größte Kopfzerbrechen?

Den Nutzen zeigt das Beispiel von RWE, präsentiert anlässlich einer aktuellen IIR-Tagung zum Thema Stammdaten-Management in Frankfurt am Main. Für den Energieriesen steht das Thema aus Compliance-Gründen schon seit 40 Jahren weit oben auf der Prioritätenliste. Bei der Beschaffung sparte RWE beispielsweise allein dadurch mehrere hunderttausend Euro, dass die bisherigen Einkaufspreise von Produkten hinterlegt waren und somit in die Preisverhandlungen mit neuen Anbietern eingebracht werden konnten.

Aufbau und Pflege von Stammdatenstrukturen werden dennoch oft als lästige, komplexe Daueraufgaben ohne sofort sichtbaren Gewinnbeitrag betrachtet: Ständig kommen neue Kunden, Artikel, Vorprodukte, Lieferanten und Materialien dazu oder müssen gestrichen werden. Änderungen können weitere Änderungen erforderlich machen, die sich nicht immer automatisch fortpflanzen und händischer Eingriffe bedürfen.

Bei Zukäufen oder Fusionen bringt jede Seite ihre eigenen Stammdaten mit. Das erfordert Entscheidungen: Sollen die Daten zusammengeführt oder separat gehalten werden? In ersterem Fall beginnt die Suche nach einem sinnvollen Integrationskonzept. Im zweiten muss dennoch versucht werden, den Aufwand gering zu halten.