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Fußball als Türöffner

Springer will Geld für "Bild"-Inhalte im Netz

28.05.2013
Der Anspruch klingt ehrgeizig. Axel Springer will der führende digitale Medienkonzern auf seinen strategischen Märkten werden, wie Konzernchef Mathias Döpfner jüngst verkündet hat.
Springer-Chef Mathias Döpfner will und muss mit der "Bild" auch im Netz Geld verdienen.
Springer-Chef Mathias Döpfner will und muss mit der "Bild" auch im Netz Geld verdienen.
Foto: Axel Springer

Nun setzt Döpfner - der für die digitalen Aktivitäten des Verlags sogar einen neuen "Medien Campus" bauen lässt - zum großen Sprung an. Mit der Einführung eines Bezahlmodells für die digitalen Angebote der "Bild"-Zeitung zum 11. Juni 2013 will Deutschlands größter Zeitungsverlag mit seinem Flaggschiff auch im Internet richtig Geld verdienen. Die Medienwelt blickt gespannt nach Berlin. Das Springer-Projekt hat Signalwirkung für die Branche. Zeitungen und Zeitschriften suchen angesichts schrumpfender Auflagen und sinkender Werbeerträge nach neuen Erlösquellen im Netz.

Dabei hat Axel Springer mit "Bild.de" bereits eine der erfolgreichsten Nachrichtenseiten Deutschlands mit monatlich 273 Millionen Besuchern. Das Gratisangebot zielt darauf ab, so viele Klicks wie möglich zu bekommen und damit die Werbeerlöse in die Höhe zu treiben. Sollte es gelingen, die Marke "Bild" auf Smartphones und Tablet-Computern gegen Bezahlung zu etablieren, wäre das nicht nur für Axel Springer der Beginn eines "Paradigmenwechsels", weg von der "Gratiskultur" im Netz, wie Döpfner auch immer wieder erklärt.

Der Konzern erlöst bereits etwas mehr als Drittel seines Milliarden-Umsatzes im Internet (37 Prozent). Doch dazu zählen etwa auch Immobilien- und Jobbörsen. Journalismus ist in der digitalen Welt sehr viel schwerer zu refinanzieren.

Große Zeitungen wie die "New York Times" und das "Wall Street Journal" versuchen mehr oder weniger erfolgreich, mit Bezahlschranken ihre digitalen Umsätze zu steigern. Und auch für "Die Welt" hat Springer ein Bezahlmodell eingeführt. Nach dem 20. Artikel ist Geld fällig. Ob die Abo-Formel für ein Boulevardblatt wie "Bild" funktioniert, ist offen.

Bildplus: So sieht die Abo-Struktur aus
Bildplus: So sieht die Abo-Struktur aus
Foto: Axel Springer

Ein Hebel für das Bezahlmodell soll der Fußball sein. Für die kommenden vier Jahre hat sich "Bild" die Rechte an den Höhepunkten der Bundesliga-Saison gesichert. Die Video-Schnipsel zwischen 90 Sekunden und sechs Minuten dürfen eine Stunde nach Abpfiff ins Netz gestellt werden. Die Bundesliga-Videos kann aber nur der Nutzer buchen, der sich für eines der drei Abo-Pakete entschieden hat (allein zur Refinanzierung der Rechte müsste Springer nach Adam Riese allerdings pro Saison 625.000 Fünf-Euro-Abos plus Drei-Euro-Bundesliga-Abos verkaufen).

Das sogenannte "Freemium"-Modell verbindet Gratisangebote, etwa Nachrichten, mit exklusiven Inhalten. Das Abo für Web, Smartphone und Table-Apps kostet 4,99 Euro im Monat. Teuer wird es dann, wenn zu diesem Service eine digitale Ausgabe der Print-"Bild" oder gar ein Kiosk-Gutschein-Abo für die Papierzeitung hinzugebucht wird. Jeder gedruckten "Bild"-Zeitung liegt in Zukunft ein "Tagespass" bei, mit dem Kioskkäufer am jeweiligen Tag den Zugriff auf alle digitalen "BILDplus"-Inhalte bekommen. Eigens dafür hat Axel Springer in 13 Druckereien die Rotations-Druckmaschinen mit einer neuen Technik ausgerüstet.

Der Axel-Springer-Konzern verdiene sein Geld eben nicht mit dem bedrucken von Papier, sondern mit Inhalten, wiederholt Döpfner immer wieder. Aus den USA meldete sich in der vergangenen Woche "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zu Wort und deutete die Tragweite des Umbruchs an. "Wir müssen alle journalistischen Herangehensweisen, Konzepte, Überzeugungen und Vorstellungen überprüfen", sagte Diekmann dem "Handelsblatt". Im kalifornischen Silicon Valley hat er sich in den vergangenen Monaten nach neuen Geschäftsmodellen im Netz erkundigt. Was er auf seiner Festplatte als Neuigkeiten gespeichert hat, wird sich in der kommenden Zeit zeigen. (dpa/tc)