Speicherplatz lässt sich beliebig zuordnen

19.05.2006
Von Gerhard Auer ist freier Journalist in Köln. 
Der Energiedienstleister Ista Deutschland steuert in zwei Rechenzentren alle Open-System- Speicherkapazitäten für seine europaweit angebundenen Niederlassungen.

Auch für mittelständische Unternehmen entwickelt sich die Konsolidierung der installierten Plattenspeicherkapazitäten immer mehr zu einer Notwendigkeit. Weil viele dezentrale Speicherumgebungen keine Server-übergreifenden Zugriffe gestatten, liegt oft freier Speicherplatz brach und ist nicht nutzbar. Diese mangelnde Flexibilität schlägt sich bei der Pflege und Verwaltung der Speicherlandschaft in hohen Kosten nieder und erfordert zudem viel Aufwand.

Projektsteckbrief

Der Anwender Ista

Ista ist ein international führendes Unternehmen für die verbrauchsgerechte Erfassung und Abrechnung von Energie, Wasser und Hausnebenkosten.

Die angebotenen Dienstleistungen für Hausverwalter, -eigentümer oder Energieversorgungsunternehmen reichen von der Lieferung und Installation der Messgeräte bis hin zur Verbrauchserfassung und deren verbrauchsabhängiger Abrechnung.

Das Geschäftsjahr 2004 hat Ista mit einem Umsatz von rund 447 Millionen Euro abgeschlossen. Die weltweit etwa 3200 Mitarbeiter erfassen und berechnen den individuellen Energie- und Wasserverbrauch aus zirka zehn Millionen Nutzeinheiten (Wohnungen und Gewerbe).

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Auch Ista, international tätiger Dienstleister für die verbrauchsgerechte Erfassung und Abrechnung von Energie-, Wasser- und Hausnebenkosten, kämpfte mit dieser Problematik und wollte Abhilfe schaffen. Gemeinsam mit dem IT-Dienstleister und Konsolidierungsspezialisten Becom Informationssysteme GmbH etablierte das Unternehmen eine virtualisierte Plattenspeicherumgebung, die sich über zwei getrennte Standorte erstreckt. An den beiden Standorten befinden sich sowohl Speicher-Subsysteme als auch Server, auf denen Test- und Produktivanwendungen laufen.

Spirale steigender Kosten

Vor der Konsolidierung waren die Test- und Produktivsysteme voneinander getrennt und verfügten über jeweils eigene Speicher-Arrays von verschiedenen Herstellern. "Dies verursachte viel Aufwand und somit auch hohe Kosten für die Verwaltung und Pflege", erläutert Ingo Mette, zuständiger Projektleiter von Ista. "Schließlich waren die einzelnen Speicher über jeweils unterschiedliche Oberflächen für die Bedienung zu administrieren." Zudem mussten die IT-Spezialisten über ein breitgefächertes Know-how für die notwendigen Konfigurationsarbeiten verfügen. Da auch bei Ista der Speicherbedarf ständig wächst, galt es aus der Spirale steigender Kosten für die Verwaltung der Arrays auszubrechen. Das Ziel bestand darin, die getrennten Infrastrukturen, also sowohl die Speichernetze als auch die Speichersubsysteme, zusammenzuführen und auf diese Weise die Administration zu vereinfachen.

Konsolidierte SAN-Infrastruktur

Die Server- und Speicherexperten von Becom erarbeiteten gemeinsam mit Ista ein Konzept, das sich auf folgende zentrale Punkte stützte: Das bisherige Speichernetz sollte zu einem redundanten Storage Area Network (SAN), bestehend aus jeweils drei SAN-Switches, konsolidiert werden.

Zugleich war die Konsolidierung der diversen Plattenspeicher geplant, wobei IBM den Zuschlag für zwei neue Speichersubsysteme - "DS4300" und "Enterprise Storage Server (ESS) Modell 800" - erhielt. Die vorhandenen Storage Server "Fast-T900" und "Fast-T500" übernahmen die Projektpartner in das neue Konzept. Damit sich der Speicher zukünftig auch flexibel über beide Standorte hinweg zuordnen lässt, entschied man, die gesamte Plattenspeicherkapazität für offene Systeme (Unix) über IBMs SAN Volume Controller (SVC) zu virtualisieren.

Projektlaufzeit: Sechs Wochen

Nach der intensiven konzeptionellen Vorarbeit realisierte Becom das gesamte Vorhaben in einer reinen Projektlaufzeit von nur sechs Wochen: Dabei installierte der Dienstleister zunächst die physischen Komponenten der konsolidierten SAN-Infrastruktur und integrierte danach die Virtualisierungs-Engine sowie die neuen Speichersysteme. Gleichzeitig wurden alle Server für den Anschluss an das virtualisierte Speicherumfeld vorbereitet. Dazu gehörten die Anpassung der Treiber sowie die Installation und Anpassung von Multi-Path-Software. Danach wurden die Daten in das neue Speicherumfeld integriert und die Dokumentation für die gesamte Infrastruktur erstellt.

An die neue, konsolidierte SAN-Landschaft sind, verteilt auf die beiden Standorte, heute vier Server, ein NAS-System und eine Bandbibliothek mit sechs Laufwerken angeschlossen. Die vier IBM-Rechner vom Typ "pSeries" arbeiten unter dem Betriebssystem AIX. Da sich die Server in logische Partitionen aufteilen lassen, betreibt Ista insgesamt zwölf Server-Systeme für die unterschiedlichen Anwendungen sowohl im Produktiv- als auch im Testumfeld. Eine der zentralen Applikationen ist SAP-Software, auf die fast alle europäischen Niederlassungen über das Netz zugreifen. Diese und weitere Anwendungen nutzen insgesamt 23 Oracle-Datenbanken, deren Daten im konsolidierten SAN standortübergreifend abgelegt sind.

Eine weitere Kernanwendung ist das Output-Management für rund 35 Millionen Seiten, etwa von Heizkostenabrechnungen, die Ista jährlich für seine Kunden erstellt und druckt. Auch hier war eine hochverfügbare und leistungsfähige Anbindung an die Speicher unerlässlich. Für die regelmäßige Datensicherung setzt der Dienstleister den Tivoli Storage Manager (TSM) von IBM ein.

Kein Performance-Verlust

Das Highlight der neuen Lösung stellt jedoch die Speichervirtualisierung durch den SAN Volume Controller dar. Diese Technik ordnet schnell und flexibel Plattenspeicher dort zu, wo augenblicklich Bedarf besteht. Da, bedingt durch die SAN-Infrastruktur, die Speicherkapazität bei Ista regional verteilt ist, ordnet der SVC die Speicherressourcen auch den Geräten in beiden Standorten zu. Die Performance leidet darunter nicht. Eine mehrfach ausgelegte Verbindung zwischen beiden Lokationen stellt mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von jeweils 2 Gigabit pro Sekunde eine den Anforderungen angepasste Bandbreite sicher.

Den IT-Administratoren beschert die Speichervirtualisierung ruhige Wochenenden: Notwendige Pflegearbeiten lassen sich während des Produktivbetriebes schaffen und müssen nicht mehr außerhalb der üblichen Arbeitszeiten stattfinden. Denn die Speicherinhalte der Subsysteme werden im laufenden Betrieb über den SVC auf freie Bereiche eines anderen Speicher-Arrays migriert.

Doppelt ausgelegt

Weiterhin ist die neue Infrastruktur auf Hochverfügbarkeit ausgerichtet: Die insgesamt sechs installierten SAN-Switches teilen sich auf zwei Speichernetze auf. Diese Art der Infrastruktur bezeichnen Fachleute als "redundantes SAN". Alle darin angeschlossenen Server sowie die Speicher-Subsysteme sind mehrpfadig an die beiden SANs angeschlossen.

Der SAN Volume Controller selbst ist in sich redundant aufgebaut, so dass auch hohe Verfügbarkeit sichergestellt ist. Weil damit alle kritischen Elemente doppelt ausgelegt sind, ist das Risiko von Systemausfällen weitgehend ausgeschaltet.

Zeit und Geld gespart

Bei Ista erfreut sich die neue Lösung deshalb schon jetzt einer hohen Akzeptanz: "Besonders die Bedienung der gesamten Speicherlandschaft über eine zentrale Konsole spart unseren Administratoren viel Zeit", freut sich Projektleiter Mette. Auch die effiziente Speicherplatzverwaltung komme gut an, weil jetzt nur noch genau nach Bedarf vergrößert wird.

Einen weiteren finanziellen Vorteil sieht der Ista-Manager darin, dass der SVC die Möglichkeit bietet, Standorte komplett zu spiegeln. Üblicherweise wären für jedes Speichersystem Spiegellizenzen anzuschaffen. Für den SVC, der alle Subsysteme auf einer Plattform verwaltet, fällt der Lizenzpreis nur noch einmal an. (kk)