Soptim

Soptim: Querdenker mit Eigeninitiative gesucht

04.03.2005
Von Gabriele Müller
Im Hause Soptim fällt so manches aus dem Rahmen. Zum Beispiel, dass es dieses IT-Unternehmen schon seit über 30 Jahren gibt. Und dass es, trotz Konjunkturflaute und Firmensterben, immer kontinuierlich gewachsen ist.

"Sieben Prozent" - das ist wahrhaftig keine schlechte Zahl. Und Grund zur Freude für Hans Röllinger, den Vorstandsvorsitzenden der Soptim AG. Genau um diesen Wert hat sein Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz auf 9,2 Millionen Euro steigern können; und das trotz anhaltend rauen Windes, der den meisten IT-Unternehmen ins Gesicht weht.

Wie das gute Ergebnis erzielt werden konnte? Vielleicht durch Spezialisierung und geschickte Positionierung. Denn IT-Beratungsunternehmen, die Softwareentwicklung und Systemintegration anbieten, gibt es viele. "Was für uns spricht, ist Kompetenz, Qualität und Kundennähe", wirbt der Vorstandschef. Und noch etwas: "Die langjährige Erfahrung in ganz bestimmten Branchen, deren Anforderungen wir bestens kennen." Im Laufe der über 30jährigen Firmengeschichte hat sich Soptim zu einem spezialisierten IT-Dienstleister für Unternehmen der Energieversorgung, der Kreislaufwirtschaft und Entsorgung entwickelt. In neuerer Zeit dazugekommen sind Kunden aus Industrie und Handel. "Wir besetzen als Mittelständler Nischen, die für andere, größere Firmen uninteressant sind", ist Röllinger überzeugt.

Die Stärken des Mittelstands

Die Kundenliste ist lang: Sie umfasst Auftraggeber aus ganz Deutschland und dem benachbarten europäischen Ausland und reicht vom Bayer-Konzern über die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern bis zu den Berliner Stadtreinigungsbetrieben. "80 Prozent derer, die sich auf dieser Liste finden, sind Stammkunden", kann Röllinger stolz sagen. Für Interessenten haben die Aachener eigens verschiedene Softwareprodukte entwickelt, die aus Anforderungen in Projekten hervorgegangen sind.

Den Energieunternehmen bietet Soptim zum Beispiel ein Vertriebsinformations- und ein Portfolio-Management an, eine Kalkulationshilfe für das Key-Account-Management oder ein Werkzeug für das Netzzugangs-Management Gas. Für Kunden aus der Kreislaufwirtschaft gibt es ein Emissionsdaten-Management-Informationssystem oder das Additive Informationssystem für Sonderabfallbehörden. Nahezu einzigartig dürfte auch das Betriebsführungs- und Informationssystem für die Tierkörperbeseitigung sein.

Hans Röllinger, Soptim AG: "Wir besetzen Nischen, die für größere Firmen uninteressant sind." Quelle: Soptim AG
Hans Röllinger, Soptim AG: "Wir besetzen Nischen, die für größere Firmen uninteressant sind." Quelle: Soptim AG

Besonders auf dem liberalisierten Energiemarkt will das Unternehmen in diesem Jahr weitere Kunden gewinnen und seine Aktivitäten verstärken. Auch da setzen die Spezialisten auf die Stärken eines Mittelständlers: auf den persönlichen Kontakt und die individuelle Beratung. So haben etliche "Noch-nicht-Stammkunden" zum Jahresbeginn ein persönliches Anschreiben des Soptim-Chefs im Briefkasten gefunden, in dem er für zweitägige kostenlose Workshops wirbt.

In dieser Zeit wollen sich ausgewählte Spezialisten seiner Teams aus den Standorten in Essen und Aachen Zeit nehmen, um ein vom Interessenten selbst gewähltes Thema zu analysieren und bei Problemen zu beraten. "Das ist eine Aktion, die eben gut zu uns und unserer Firmenstrategie passt, die darauf abzielt, unseren Kunden dabei zu helfen, langfristig ihren eigenen Unternehmenserfolg zu sichern."

Hoher Akademikeranteil

Für solche Aufgaben werden im Unternehmen Spezialisten gesucht, Querdenker, die fachlich über den eigenen Tellerrand hinausschauen und die spezielle Anforderungen von Projekten umsetzen können. Im vergangenen Jahr sind wieder zehn von ihnen dazugekommen, damit ist die Zahl der Mitarbeiter jetzt auf 100 gewachsen. Die große Mehrheit, rund 90, stammt aus der Informatik, den Ingenieurwissenschaften, der Physik, der Mathematik oder den Wirtschaftswissenschaften. Davon sind 15 Prozent promoviert, und 75 Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifikation.

Woher kommen diese Mitarbeiter? Das Engagement in zahlreichen Verbänden und Organisationen, wie etwa der Gesellschaft für Informatik, dem Verein "E-Business Essen", oder dem "Regionalen Industrie-Club Informatik Aachen" schafft vielfältige Kontakte. "Aber natürlich haben wir dank unserer engen Kontakte zur Technischen Hochschule gute Möglichkeiten, Hochschulabsolventen auf uns aufmerksam zu machen", heißt es.

Wissen weitergeben

An der RWTH hat auch Hubertus Lemken, 32, Informatik studiert und mit Diplom abgeschlossen. "Damals, vor rund drei Jahren, war der Abschluss dort so etwas wie ein Freifahrtschein und eine Garantie für einen Job", erinnert er sich. Auch bei seinem heutigen Arbeitgeber ging es beim Einstellungsgespräch nicht um die fachliche Qualifikation. "Die wurde vorausgesetzt", erinnert sich Lemken. "Ich habe damals geschildert, dass ich auf Dauer gerne Verantwortung für einen eigenen Bereich übernehmen würde, und das wurde gerne gesehen." Verantwortung hat Lemken sich tatsächlich erarbeitet - als Ausbildungsleiter betreut er engagiert die derzeit vier angehenden Fachinformatiker und einen Praktikanten, die es in der Niederlassung Aachen gibt.

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