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Sonicblue wirft Firmenchef Ken Potashner raus

09.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der kalifornische Hersteller für Unterhaltungselektronik Sonicblue hat seinem Chief Executive Officer (CEO) und Chairman Kenneth Potashner den Laufpass gegeben. An seine Stelle tritt interimsweise Gregory Ballard, bisher Vice President für Marketing und Produkt-Management und erst seit April 2002 bei Sonicblue.

Offiziell wollte Sonicblue die Entlassung von Potashner nicht kommentieren und dementierte auch einen Zusammenhang mit den Streitigkeiten über Firmenkredite für Topmanager. Drei Mitglieder des Aufsichtsrats liehen sich mehrere Hunderttausend Dollar von ihrem Arbeitgeber, um Aktien der Sonicblue-Tochter RioPort Inc. kaufen zu können. Der geschasste CEO behauptete in einem Interview, diese müssten auf Beschluss des Boards das Geld nicht mehr zurückzahlen. Er selbst dagegen und ein weiterer Manager müssten ihre Firmenkredite über 250 000 beziehungsweise 75 000 Dollar sehr wohl tilgen. Interims-Chef Ballard hielt dagegen, dass mit den Krediten alles korrekt abgelaufen sei und die drei Board-Mitglieder ihre Schulden bis Juni 2003 zurückzahlen werden.

Potashner stand seit Oktober 1998 an der Spitze von Sonicblue: Unter seiner Führung wandelte sich das Unternehmen, das bis November 2000 unter dem Namen S 3 firmierte und einst Grafikkarten herstellte, zum Anbieter von MP3-Playern und des digitalen Videorekorders "RealplayTV". Potashner ist übrigens nicht der erste Topmanager, der in diesem Jahr das Unternehmen verlassen muss. Bereits im April sind Chief Operating Officer John Tedd und Finanzchef David Sugishita gegangen.

In die Schlagzeilen war Sonicblue geraten, als US-Fernsehsender klagten, dass der Hersteller das Nutzungsverhalten von Besitzern des digitalen Videorekorders "RealplayTV 4000" erfassen und auswerten. Diesen Rechtsstreit gewann aber Sonicblue in erster Instanz. (Computerwoche online berichtete) (am)