UCC-Cloud-Video-Konferenzen

Skype, Hangouts, WebEx, GoToMeeting im Bandbreiten-Test

28.01.2015
Von 
Dr. Harald Karcher ist freier Autor in München. Er testet mobile Geräte vom Handy bis zum Laptop und mobile Netze von WLAN bis zu LTE.
Wie viel Bandbreite brauchen Video-Conferencing-Dienste aus der Cloud, damit die Teilnehmer ein scharfes und ruckfreies Bewegtbild auf ihre Desktops und Laptops bekommen? Sind dafür überhaupt genug Reserven im lokalen Firmennetz vorhanden? Wir haben nachgemessen.
Jochen Werling, CIO bei SIXT, hat Microsoft Lync an 6.000 Arbeitsplätzen eingeführt, und arbeitet auch selber damit.
Jochen Werling, CIO bei SIXT, hat Microsoft Lync an 6.000 Arbeitsplätzen eingeführt, und arbeitet auch selber damit.
Foto: Roswitha Model

Wer viel reist, muss wichtig sein! Ein derartiges Statusdenken, gepaart mit Reiselust und Meilensammelwut, spricht ganz stark gegen Video-Meetings. Das hat zum Beispiel BT Germany besonders früh erkannt und vergütet seither Flugmeilen (!) für jedes abgehaltene Video-Meeting, das eine größere Dienstreise ersetzt. Das sagte Karsten Lereuth, der damalige CEO von BT Germany, bereits im April 2011 bei der Verleihung des "BT Green Economy Award" für eine Innovation, die Aspekte der Ökonomie und Ökologie am besten miteinander verbindet.

Video ist ein Bandbreiten-Fresser

Neben psychologischen Widerständen können aber auch technische Engpässe in der Netzanbindung den Spaß an Video-Meetings vermasseln: Denn Video ist ein Bandbreiten-Fresser. Die IT-Abteilung darf sich daher fragen: Was passiert mit unserem lokalen Firmennetz, wenn plötzlich ein paar Dutzend, Hundert oder gar Tausend Mitarbeiter per Videostream kommunizieren? Und was passiert mit dem zentralen Internet-Anschluss? Muss aufgestockt werden? Und wie viel genau?

Auch Niederlassungen, Außenstellen, Freelancer und Home-Office-Worker sollten sich vor der Kaufentscheidung für ein konkretes Video-Meeting-Cloud-Abonnement fragen: Reicht mein vorhandenes ADSL 6.000 oder 16.000? Reicht VDSL 50.000 oder Kabel 100.000 für den gewünschten Video-Service aus der Cloud? Und bekommt der Rest der Familie noch genug Internet-Bandbreite, wenn Mama oder Papa abends ein Business-Meeting nach Amerika per Video über den heimischen Internet-Anschluss abhalten? Reicht der Rest der Leitung noch für FaceBook, Youtube, Spotify-Musik und Internet-TV? Oder müssen alle warten, bis die Video-Konferenz zu Ende ist?

Drei Aspekte gibt es zu bedenken:

  • Kommt am konkreten Standort, und zur gewünschten Tageszeit, denn überhaupt die nominale Download-Datenrate, die vom Internet-Provider versprochen wurde? Meist steht in den Verträgen ja keine garantierte Bandbreite, sondern nur eine unverbindliche "bis zu" Angabe.

  • Viel wichtiger: Wie hoch ist denn die Netto-Upload-Rate des konkreten Internet-Anschlusses? Bei einem Video-Gespräch wollen ja beide Seiten den Video-Stream auch senden, und nicht nur empfangen. Beim Upload geizen die meisten Provider viel stärker als beim Download. Solche Anschlüsse nennt man A-DSL alias Asymmetrisches DSL alias Asymmetric Digital Subscriber Line.

  • Wie viel Bandbreite benötigen die verschiedenen Video-Meeting-Produkte im Upstream und im Downstream, bevor beide Video-Teilnehmer ein scharfes und ruckfreies Bewegtbild auf Desktop, Laptop, Tablet oder Smartphone bekommen? Gehen teure Dienste wie Cisco WebEx sparsamer mit der Bandbreite um als kostenlose wie Skype und Hangouts?

Skype gönnte sich in unseren Audio-Video-Meetings im Schnitt 4,7 Megabit pro Sekunde. Cisco, Citrix und Google gingen viel sparsamer mit der wertvollen Bandbreite um.
Skype gönnte sich in unseren Audio-Video-Meetings im Schnitt 4,7 Megabit pro Sekunde. Cisco, Citrix und Google gingen viel sparsamer mit der wertvollen Bandbreite um.
Foto: Harald Karcher/Screenshot

Die Testumgebung

Um den Bandbreiten-Verbrauch zu messen, schließt der Tester zwei schnelle Laptops an zwei schnelle Internet-Anschlüsse an. Zum Einsatz kommt ein 50-Megabit-VDSL-Anschluss von der Deutschen Telekom (VDSL-50) mit knapp 50 MBit/s im Download und knapp 10 MBit/s im Upload. An diesem VDSL-Anschluss hängt ein schneller Dell Latitude E6520 Laptop via 11n-WiFi-Funk. 11n stellt keinen Engpass in der Kommunikations-Strecke dar, sonst hätten wir die Laptops ja per Gigabit-Kabel direkt an die WLAN-Router angeschlossen.

Gegenstelle ist ein Sony Vaio S13A Laptop, der via 11n-WLAN mit einem 100-Megabit-Anschluss von Kabel Deutschland (KD-100) alias Vodafone verbunden wurde. Dieser bringt zwar keine 100 MBit/s, jedoch oft über 50 MBit/s und sporadisch sogar mehr als 90 MBit/s. Ist das nun besser als VDSL-50 von der Telekom? Nicht wirklich, zumindest nicht für Video-Meetings, denn der Upstream über das KD-100-Kabel hat eine harte Obergrenze bei 6 MBit/s.

Da die fest verbauten WebCams im Dell und im Sony kein Full HD 1080p aufnehmen können, haben wir an jedem Laptop nachträglich eine externe Logitech Webcam C930e für 109 Euro EVP via USB-Kabel installiert. Falls ein Video-Meeting-Dienst bereits die volle HD-Auflösung von 1920x1080 Pixel unterstützen sollte, wären die beiden Laptops dank aufgesteckter 1080p-WebCam in der Lage, ein Full-HD-Videosignal anzuliefern. Außerdem haben wir in allen Messtests die internen Mikrofone der beiden Laptops abgeschaltet und dafür die Mikrofone in den externen Logitech WebCams aktiviert, damit beide Laptops möglichst identische Qualitäts-Levels zuspielen.

In dieser fast optimalen Video-Meeting-Testumgebung haben wir die nachfolgenden Bandbreiten-Messungen stichprobenhaft durchgeführt. Sie geben einen groben Hinweis auf Unterschiede im Bandbreiten-Bedarf der verschiedenen UCC-Dienste, können aber keine Langzeitmessungen ersetzen.