Ablenkung

Sind zwei Bildschirme vielleicht doch einer zu viel?

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Computerarbeitsplätze sind heute immer öfter mit zwei Bildschirmen bestückt. Aber macht uns das tatsächlich produktiver?

Farhad Manjoo, Tech-Kolumnist der "New York Times" und nach eigenen Angaben jahrelang selbst glühender Anhänger der "Church of the Second Display", ist inzwischen wieder konvertiert zum Glauben daran, dass ein Monitor vollkommen genügt. Und nicht nur das - sondern dass man mit einem Bildschirm sogar produktiver ist, weil man sich damit im Wesentlichen auf eine Aufgabe fokussiert.

Auch dieser Text wurde weitgehend ungestört an nur einem Bildschirm geschrieben und publiziert ;-)
Auch dieser Text wurde weitgehend ungestört an nur einem Bildschirm geschrieben und publiziert ;-)

Jahrelang sei uns eingeredet worden, schreibt Manjoo, das größere und mehr Bildschirme mit mehr Platz für den virtuellen Schreibtisch die Menschen auch produktiver machten. Dass entsprechende Studien unter anderem von den Monitorherstellern NEC und Dell bezahlt (PDF-Link) wurden, fiel da nicht weiter auf…

Manjoo hat zu dem Thema unter anderem mit Gloria Mark gesprochen, die als Professorin an der University of California in Irvine Ablenkungen am Arbeitsplatz untersucht. "Zwei Monitore sind ein zweischneidiges Schwert", sagt die Expertin. "Die meisten Menschen haben ihr E-Mail-Postfach auf dem zweiten Bildschirm geöffnet, und jedes Mal wenn eine neue Nachricht ankommt, lenkt sie das ab."

Sicher gibt es Aufgaben, die sich mit zwei Bildschirmen besser erledigen lassen, als wenn man auf nur einem dauernd zwischen zwei Anwendungen wie Browser und Textverarbeitung hin- und herschalten muss (neue Windows- und OS-X-Versionen erlauben auf einem hinreichend großen Screen aber ohnehin längst ein einfaches Teilen des Screens).

Das größte Problem bei der Bildschirmarbeit sind aber weniger die Zeitverluste durch Umschalten zwischen Fenstern oder Scrollen durch längere Dokumente, sondern die ständigen Ablenkungen (PDF-Link) vom eigentlich geplanten Tun. Studien zufolge werden Knowledge Worker alle vier bis elf Minuten durch externe Störungen wie Anrufe, E-Mails oder Kollegen unterbrochen, die kurz vorbeikommen, um über das Wochenende zu schnacken (dazu kommen noch die Unterbrechungen, die man selbst vornimmt). Und Arbeitnehmer brauchen bis zu 25 Minuten, um sich nach einer Unterbrechung wieder voll auf ihre eigentliche Aufgabe zu fokussieren.

Farhad Manjoo fühlt sich jetzt jedenfalls viel besser mit nur noch einem Monitor und weniger Ablenkung. Und wie halten Sie’s mit den Monitoren - reicht Ihnen einer oder brauchen Sie mehr davon?