"Handelsblatt"

Siemens plant harte Einschnitte bei SIS

17.03.2010
Siemens-Konzernchef Peter Löscher bereitet die IT-Sparte SIS nach einem Pressebericht mit harten Einschnitten auf einen möglichen Verkauf vor.
Siemens-Chef Peter Löscher
Siemens-Chef Peter Löscher

Nachdem 2009 weit fortgeschrittene Verkaufsverhandlungen mit der Deutschen Telekom geplatzt sind, wollen die Münchener laut "Handelsblatt"-Bericht (Mittwoch) den seit Jahren kriselnden Bereich nun in Eigenregie umbauen. Die Zeitung beruft sich auf Unternehmenskreise. Das Restrukturierungskonzept sehe einen Stellenabbau im vierstelligen Bereich vor. Die Kosten für den Umbau machen einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag aus. Den Arbeitnehmern werden die Pläne am morgigen Donnerstag auf einer außerordentlichen Sitzung des Wirtschaftsausschusses vorgestellt. Das Unternehmen wollte sich laut Zeitung nicht äußern.

In den vergangenen Jahren hatte Siemens mehrfach die Strategie und das Führungspersonal bei SIS gewechselt. Die Sparte soll im Juli erneut eine eigenständige Gesellschaft werden. Danach hält sich Siemens alle Optionen offen - ein Verkauf gilt als ebenso möglich wie ein Börsengang. In den vergangenen zwei Jahren sank der Umsatz von SIS nach Angaben des Blattes von 5,4 auf zuletzt 4,7 Milliarden Euro. Großkunden wie Nokia Siemens Networks orderten deutlich weniger. Hinzu kämen Management-Fehler: So habe SIS beispielsweise das Outsourcing-Geschäft vernachlässigt. Auch der operative Gewinn sank zuletzt Richtung Verlustzone.

"SIS hat im Vergleich zu den Hauptwettbewerbern klare Kostennachteile", hieß es in Branchenkreisen. HP, IBM und Accenture seien besser aufgestellt und lieferten vernünftige Margen. Siemens dagegen habe Entwicklungen verschlafen. So habe SIS hochbezahlte Techniker auf der Lohnliste, die wie früher bei Firmen SAP implementierten. Bei der Konkurrenz erledigten das heute Studenten zu einem Bruchteil des Preises. So soll nun unter anderem die Zahl der Mitarbeiter deutlich sinken. In Arbeitnehmerkreisen wird allein in Deutschland der Abbau von mehr als 1000 Arbeitsplätzen für möglich gehalten. Derzeit hat SIS weltweit 35.000 Beschäftigte, davon 9700 im Inland. Den Stellenabbau will Siemens möglichst sozialverträglich gestalten. (dpa/tc)