Anwenderbefragung

Sechs verbreitete Mythen über Business Intelligence

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Manche Slogans und Prognosen von BI-Herstellern und Analysten sind in der Praxis noch nicht angekommen oder stimmen einfach nicht, kritisiert der bekannte BI-Experte Nigel Pendse.

Die weltweite Anwenderbefragung "BI Survey" (vormals Olap Survey) ist jedes Jahr aufs Neue eine viel zitierte Quelle, wenn es um die Kundenzufriedenheit und die Nutzung von Reporting- und Analyse-Software für Business Intelligence (BI) geht. Während manche Hersteller die Ergebnisse lieber nicht in der Öffentlichkeit sehen würden, gibt sie anderen starke Argumente für den Vertrieb an die Hand. Allerdings hat jetzt Autor Nigel Pendse auf der Veranstaltung Vibe 2008 in Südafrika betont, dass der BI-Survey auch mit einigen Werbebotschaften und Angstszenarien aufräumt, mit denen Anbieter und Analysten Kunden auf Trab halten. Sechs solcher "Mythen" seien nachfolgend vorgestellt:

1. Das Datenvolumen von BI-Anwendungen steigt rapide an

Laut Pendse gibt es dafür keinen Beleg. Vielmehr stagniert in den jährlichen Umfragen seit dem Jahr 2002 das Datenvolumen einer typischen BI-Anwendung im Durchschnitt zwischen vier und sechs Gigabyte. Zwar reiche die Bandbreite bei produktiven BI-Systemen von maximal 250 Gigabyte bis zu 2,5 Gigabyte, doch hätten diese Installationen in besagtem Zeitraum keinen nennenswerten Datenzuwachs aufzuweisen." Pendse zufolge sei der Grund für die Existenz vergleichsweise kleiner BI-Lösungen darin zu sehen, dass Anwender vor den Kosten und der komplexen Verwaltung umfassenderer Lösungen zurückschrecken. Auch können Anwender nicht unbegrenzt Daten analysieren. Dies ist allerdings eine isolierte Betrachtung des Datenaufkommens. Betrachtet man nämlich die Gesamtzahl der Anwendungen in Unternehmen und die sich aufbauende Historie in den Data Warehouses, die meist die Datenbasis von BI-Anwendungen darstellen, so ist insgesamt sehr wohl ein Anwachsen der Datenmenge in Data Warehouses zu beobachten (siehe auch den Beitrag "Die Datenverwaltung und Auswahl der richtigen Datenbank geraten zur Wissenschaft").

2. Es ist strategisch sicherer bei einem großen BI-Hersteller zu kaufen

Laut BI Survey gaben Kunden ausgerechnet den nach Marktanteilen größten Anbieter schlechte Noten für deren Support. Schlusslicht ist diesbezüglich der Anbieter Business Objects, der letztes Jahr von SAP gekauft wurde. Den besten Support boten hingegen kleine Hersteller. Allerdings scheint laut Umfrage der Produkt-Support grundsätzlich nachzulassen. So sagte Pendse, dass immerhin rund 23 Prozent der befragten Firmen beklagten, dass Hersteller nur langsam oder gar völlig unzureichend auf technische Probleme reagiert hätten.