Schlechte Noten für Online-Kurs-Anbieter

07.02.2002
Von Katja Müller
Lernen am Bildschirm erfordert Ausdauer und Konsequenz. Um so wichtiger ist es für die Teilnehmer, betreut zu werden und interaktiv kommunizieren zu können. Doch nur drei von 14 Online-Kurs-Anbietern hielten den Anforderungen der Stiftung Warentest stand.

Lehrbücher von 1986, falsche Übungsaufgaben und wochenlange Funkstille zwischen Schüler und Tutor - die Zahl der Pannen des Online-Kurs-Anbieters Berlitz ist groß. Die Stiftung Warentest bewertete die Vorfälle entsprechend und verlieh der auch deutschlandweit agierenden US-amerikanischen Sprachschule für ihren Lehrgang „English for Telecommunications“ die Note „mangelhaft“.

Ähnlich blamabel fiel das Urteil für die von verschiedenen Trägern in Baden-Württemberg betriebene TZ-Akademie aus: Hier bescheinigte die Stiftung Warentest dem Kurs „Zeit-Management“ ebenfalls ein Mangelhaft. Insgesamt 14 Online-Kurse nahmen die Berliner Experten im vergangenen Jahr unter die Lupe. Dabei sollte die Auswahl der Anbieter den derzeitigen Markt widerspiegeln, erklärt Projektleiterin Katrin Andruschow: „Alle reden von E-Learning, vor allem in der betrieblichen Weiterbildung. Deshalb wollten wir testen, wie verbrauchergerecht die neuen Angebote wirklich sind.“

Testsieger: Englishtown, akademie.de und Tele-Akademie Furtwangen

Doch nur drei der 14 Online-Kurse konnten die Prüfer überzeugen: „English Intermediate A“ von Englishtown mit einmonatigem Zugang für 79 Mark, der Acht-Wochen-Kurs „Online-Marketing“ der akademie.de für 855 Mark und eine dreimonatige Schulung der Tele-Akademie Furtwangen zur „Internen Unternehmensrechnung“, Kostenpunkt 1400 Mark. „Die Testsieger werben natürlich mit ihren Ergebnissen, Berlitz hingegen rief uns nach Bekanntwerden der Studie an und nahm einige Produktveränderungen vor“, erzählt Andruschow.

Laut Stiftung Warentest fehlt bei den durchschnittlichen Online-Kursen die Konstanz, so etwa bei der MS-Excel-2000-Schulung und dem Mentoring von GFN, das in Deutschland auch klassische Trainingszentren in zwölf Städten unterhält, oder dem Power-point-Kurs der Internet Uni. Bei dem Anbieter Mev reagiere der Tutor beispielsweise ausgezeichnet, aber der Austausch zwischen den Teilnehmern werde nicht gefördert. „Das Internet muss grundsätzlich zur Kommunikation eingesetzt werden“, sagt Andruschow. Diskussionen und Chats sollten nicht nur angekündigt werden, sondern auch aktiv funktionieren. Es nütze dem Teilnehmer nichts, wenn er allein chattet.

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