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SAP nimmt mit Mysap CRM 2005 einen neuen Anlauf

06.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ende Oktober wird SAPs neues Customer-Relationship-Management-Release "Mysap CRM 2005" auf den Markt kommen. Die neue Version bedeute einen großen Schritt in Sachen Kunden-Management-Software, verlautete von Seiten des deutschen Softwarehauses. Die Software soll zusätzliche Funktionen für Kernprozesse wie Vertrieb, Service und Marketing bieten. Außerdem seien das User Interface sowie die Analysemöglichkeiten verbessert worden. Künftig ließen sich beispielsweise Datenquellen und Abfragen mit Hilfe des "Visual Composer" einfach zusammenstellen. Neben den zusätzlichen horizontalen Funktionen soll SAPs künftiges CRM-Release eine Reihe industriespezifischer Erweiterungen bieten. Man werde in die Anwendung Prozess-Know-how aus mehr als 25 Branchen implementieren, hieß es bei der Ankündigung des neuen CRM-Release im Frühjahr 2005 (siehe auch: SAP kündigt neue Version von Mysap CRM an).

Die Entwicklung der CRM-Software sei vor allem durch die Anwender getrieben worden, erläuterte Siegfried Leiner, Vice President CRM Solutions von SAP, gegenüber dem britischen IT-Nachrichtendienst "Computergram". Die Erweiterungen seien das Ergebnis von vielen Gesprächen mit Kunden und Anwendervereinigungen.

Auch die Architektur von SAPs CRM-Lösung hat sich Leiner zufolge verändert. Die Zeit monolithisch aufgebauter Applikationen sei vorbei. CRM werde sich künftig als eine Reihe von modularen Softwarebausteinen präsentieren, die verschiedene Prozesse im Kunden-Management abdecken. Den Bauplan dafür liefert SAPs Enterprise Services Architecture (ESA). Auf Basis der Business Process Platform (BPP), die im Wesentlichen aus der Integrationsplattform "Netweaver" sowie einem Enterprise Service Repository besteht, in dem die Definitionen der verschiedenen Geschäftsprozesse hinterlegt sind, sollen sich künftig unterschiedliche Applikationen verbinden und integrieren lassen.

Es werde für die Anwender aufwändig und teuer, künftig verschiedene Techniken und einzelne voneinander abgeschottete Applikationsblöcke zu betreiben, prognostiziert der SAP-Manager. Kunden müssten sich für eine Plattform entscheiden. CRM werde neben anderen Anwendungen ein Bestandteil der BPP sein. Dieser Trend sei auch mit ein Grund für Oracle gewesen, den CRM-Anbieter Siebel zu übernehmen. Der Konkurrent habe CRM-Funktionen für seine "Fusion"-Plattform gesucht.

Während SAP mit der neuen CRM-Version seiner vor über zwei Jahren eingeschlagenen Service-orientierten und plattformausgerichteten Strategie treu bleibt, sind Aussagen der badischen Softwerker hinsichtlich einer On-Demand-Lösung weiter unklar. Immer wieder hatte es in den vergangenen Monaten Spekulationen darüber gegeben, SAP könnte angesichts des Erfolgs von Anbietern wie Salesforce.com und Rightnow Technologies eine eigene CRM-On-Demand-Lösung auf den Markt bringen (siehe auch: Steigt SAP auch ins CRM-Hosting ein?). Zwar lassen sich bereits heute schon die bestehenden CRM-Anwendungen extern betreiben. Eine speziell für das ASP-Modell entwickelte Anwendung gab es bislang jedoch noch nicht.

Ob es eine solche geben wird, bleibt weiter im Dunklen. Standardfunktionen für CRM anzubieten könne im Grunde jeder, meint Leiner mit einem Seitenhieb auf die aufstrebenden On-Demand-Verfechter. Kunden verlangten jedoch skalierbare, flexible und integrierbare CRM-Lösungen.

In den CRM-Markt kam in den vergangenen Monaten zunehmend Bewegung. Die zuversichtlichen Prognosen von Analysten wie AMR Research und IDC über die Wachstumsaussichten der kommenden Jahre weckten die Begehrlichkeiten einiger Softwareanbieter. Neben Oracles Siebel-Kauf (siehe auch: Mit Siebel kauft Oracle Marktanteile) verstärkte auch SSA Global mit der Übernahme von Epiphany seine CRM-Sparte (siehe auch: Hintergrund: CRM-Spezialisten werden rar). Allerdings sind sich die Analysten darüber uneins, wer den Markt derzeit anführt. Während AMR Research SAP an der Spitze sieht (siehe auch: AMR: SAP führt im weltweiten CRM-Markt), führt IDC nach wie vor den Spezialisten Siebel auf Rang eins des globalen CRM-Marktes (siehe auch: IDC: Newcomer beleben CRM-Markt). Mit der Übernahme würde Oracle, das neben eigenen CRM-Produkten auch Lösungen der aufgekauften Firmen Peoplesoft, J.D. Edwards und Retek im Programm hat, die Pole Position übernehmen. (ba)