Plattform für den IT-Alltag

SAP HANA: Nicht ohne qualifizierte Mitarbeiter

Gründer und Geschäftsführer des Business Application Research Center (BARC)
Senior Analyst für Business Intelligence und Datenmanagement beim Business Application Research Center (BARC)
SAP HANA bietet Anwenderunternehmen vielfältige Möglichkeiten. Die Plattform verlangt den Mitarbeitern aber einiges Wissen ab.

SAPs analytische Datenbank HANA eignet sich für unterschiedliche BI-Szenarien: vom operativen Berichtswesen über fortgeschrittene Analyse bis hin zur Self-Service-BI. Wie HANA Business-Intelligence-Szenarien unterstützt, hängt von der Art der Produktivsetzung und -nutzung ab, also ob HANA als Datenbank für die „Business Suite“, mit BW oder als Stand-alone-System implementiert wird. Viele Anwender beschäftigen sich zunächst mit der Option „BW auf HANA“, weil eine Eins-zu-Eins-Migration relativ einfach erscheint. Das BW ist eine SAP-Applikation, die Data-Warehouse-Management-Funktionen bereitstellt und traditionell eine relationale Datenbank zur Ablage und Verwaltung von Daten nutzt.

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Foto: patrick, Fotolia.com

Mit der In-Memory-Datenbank HANA erhalten Anwender nun eine neue Option bei der Datenspeicherung, die zwei wesentliche Vorteile verspricht: Erstens bietet HANA eine höhere Abfragegeschwindigkeit im Vergleich zu relationalen Datenhaltungstechnologien. Zweitens werden ausgewählte Prozesse zur Datenverarbeitung in die HANA-Datenbank ausgelagert, um deren Leistungsfähigkeit und Performance auszunutzen. Einige (Teil-)Datenintegrationsprozesse in HANA laufen dadurch schneller als im „BW Application Server“.

Neue Möglichkeiten

Logisch betrachtet ist SAP BW eine „semantische Schicht“, in der die technisch beschriebenen Datenobjekte in für Fachanwender verständliche Geschäftsobjekte umgesetzt beziehungsweise übersetzt werden. Ein Controller beispielsweise sieht so Objekte wie „Umsatz“ oder „Geschäftsbereich A“ in seinem Bericht und muss sich nicht um die technische Herkunft und Bezeichnung der Daten kümmern. Mit HANA als Datenbank muss die entsprechende Konfiguration eines bestehenden BW-Systems nicht grundsätzlich verändert werden. Es eröffnen sich aber neue Möglichkeiten, wenn die BI-Modellierung von der semantischen Schicht des BW in die HANA-eigenen Datenmodelle verlagert wird.

SAP HANA: Plattform für den IT-Alltag HANA kann als Plattform für BW, Business Suite und weitere Applikationen eingesetzt werden.
SAP HANA: Plattform für den IT-Alltag HANA kann als Plattform für BW, Business Suite und weitere Applikationen eingesetzt werden.
Foto: BARC

HANA kann so noch intensiver als Ablaufplattform für BILogik dienen und seine Leistungsvorteile ausspielen. Zudem gibt es weitere Vorteile:

  • Durch eine HANA-zentrierte BI-Modellierung ist ein nativer Datenzugriff auf die in HANA gespeicherten Daten ohne BW möglich. Dies macht sie unabhängig vom BW für andere Anwendungen nutzbar, und es ergeben sich möglicherweise vereinfachte Szenarien zur Integration von Nicht-SAP-Daten.

  • Während in BW die Semantik auf viele unterschiedliche BW-Objekte verteilt ist, liegt sie in HANA zentral vor, was ihre Verwaltung erleichtern kann.

  • Werkzeuge wie „Lumira“ von SAP und die erweiterten Funktionen in der HANA-Engine, zum Beispiel für Planung oder Predictive Analytics, sind direkt nutzbar.

Strategie sollte überdacht werden

Wie aufwendig und komplex letztlich eine Verlagerung der Modellierung und Implementierung der BI-semantischen Schicht(en) auf HANA ist, hängt davon ab, wie schnell und gut es dem Anwender gelingt, das über die Zeit entstandene „semantische Geflecht“ aus BWObjekten auf- und abzulösen. Dennoch ist beim langfristigen Einsatz von HANA ein Überdenken der bisherigen Strategie immer ratsam. Die HANA-In-Memory-Technologie wurde entwickelt, um Massendaten in Echtzeit im Hauptspeicher zu verarbeiten. Dies hilft nicht nur die analytische (OLAP), sondern kann auch die transaktionale (OLTP) Verarbeitung beschleunigen.

Der Einsatz von HANA als Datenbank und Applikationsplattform für die Business Suite und andere SAP-Anwendungen ist daher zentraler Teil der Technologiestrategie der Walldorfer. Eine schnelle Datenbank eröffnet neue Möglichkeiten, die „operative BI“ direkt auf dieser Plattform umzusetzen. Operative BI ist hier zu verstehen als die schnelle Bereitstellung von Prozessinformationen für ein Prozessmonitoring und für operative Entscheidungen in den Prozessen.

Diese Aufgaben werden bislang mit Hilfe von Listen und Dashboards im ERP-System angegangen, oder es werden ERP-Daten in kurzen Zeitabständen in ein BW oder anderes Data-Warehouse-System überführt und dort ausgewertet. Sofern die Datenbank- und Applikationsplattform leistungsfähig genug ist, um eine transaktionale und analytische Datenverarbeitung gleichzeitig zu unterstützen, wird somit eine operative BI direkt auf dem Datenbestand des operativen (ERP-)Systems machbar.

Technisch werden hierfür analytische Sichten auf den ERP-Datenbestand definiert, die zum Zeitpunkt der Anforderung berechnet und abgefragt werden. Dies vereinfacht die Gesamtarchitektur und beschleunigt den Zugriff auf Daten. Neben einer eigenen Definition solcher Sichten bietet SAP das Paket „HANA Live“, das vordefinierte Inhalte und Modelle zur Umsetzung operativer BI enthält. Die fertigen Datenmodelle lassen sich mit Hilfe der Komponente „HANA Studio“ beliebig verändern und erweitern.