Forrester beobachtet große Dynamik

SaaS-ERP auf der Überholspur

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
SaaS spielt laut Forrester Research eine immer wichtigere Rolle in der Ersetzung und Ergänzung von Legacy-Systemen. Besonders ausgeprägt ist der Trend beim ERP, was an verbesserten Angeboten und gewachsenem Vertrauen der Anwender liegt.

Software-as-a-Service (SaaS) ist momentan offenbar massiv im Kommen. Forrester Research spricht in einer aktuellen Studie von einem "dramatisch gewachsenen Interesse" an SaaS-Anwendungen. Und das gilt auch für Kernsysteme wie Enterprise Resource Planning (ERP), lange ja eher ein Stiefmütterchen im wolkigen Service-Garten. Allerdings bedeutet der Trend zu ERP aus der Cloud laut Forrester nicht, dass alte Systeme komplett ersetzt werden. Viele CIOs planen derzeit vielmehr eine Ergänzung des Vorhandenen durch SaaS-Angebote. Weil generell großer Erneuerungsbedarf bei den Legacy-Anwendungen herrscht, erhält SaaS einen massiven Schub.

Die Anwender greifen immer öfter bei Apps aus der Cloud zu - auch wenn es um ERP oder BI geht. Ein Grund: In anderen Feldern hat sich SaaS mittlerweile bewährt.
Die Anwender greifen immer öfter bei Apps aus der Cloud zu - auch wenn es um ERP oder BI geht. Ein Grund: In anderen Feldern hat sich SaaS mittlerweile bewährt.
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Auch BI und SCM legen zu

"Während 41 Prozent der Firmen ihre ERP-Systeme mit SaaS-Lösungen ergänzen oder dies planen, haben 24 Prozent ihre ERP-Systeme durch SaaS ersetzt oder haben das vor", berichtet Forrester-Analyst Paul D. Hamerman. Damit ist ERP neben Commerce Software aktuell sogar das gefragteste Segment im Bereich Hybrid SaaS. Beim kompletten Austausch mit neuen SaaS-Lösungen erreichen hingegen Sales Force Automation und Marketing Automation Quoten um die 35 Prozent. ERP bleibt hier wie gewohnt Schlusslicht, wie auch andere Kernsegmente wie Finance & Accounting oder Business Intelligence (BI).

Dennoch beobachtet Forrester gerade bei diesen notorischen Hinterbänklern die größte Dynamik, sprich die größten Wachstumsquoten für SaaS: BI, Supply Chain Management (SCM), Enterprise Asset Management, ERP, branchenspezifische Lösungen und Finance. "In den meisten dieser Kategorien hat sich gegenüber dem Vorjahr die Zahl der Unternehmen verdoppelt, die innerhalb von zwei Jahren ihre Altsysteme ersetzen wollen oder dies bereits umgesetzt haben." In der Gruppe der Firmen, die lediglich ergänzen wollen, weist ERP mit 58 Prozent die höchste Zuwachsquote auf.

Drei Ursachen hat der SaaS-Trend nach Einschätzung von Forrester. Erstens sind das die hohen Erneuerungskosten. "Bei alternden On-Premise-Systemen rentieren sich Wartung und Upgrades oft nicht mehr", heißt es in der Studie. SaaS mausere sich hier zur kostenschonenden Alternative - auch weil zweitens immer mehr brauchbare Alternativen zu Lizenzsoftware auf den Markt kommen. "Das Angebot an SaaS-Lösungen wächst und wird das weiter tun", konstatiert Forrester. "Außerdem bemühen sich so ziemlich alle Anbieter von Lizenzlösungen, schnellstmöglich auch SaaS anzubieten." Als Neueinsteiger im ERP-Segment nennt Forrester beispielhaft Kenandy.

Drittens ist laut Studie auch das Vertrauen in SaaS als Alternative zu On-Premise-Software gestiegen. Aus der ERP-Warte bedeutet das insbesondere einen Glaubwürdigkeitsvorschuss. Weil sich in Feldern wie Customer Relationship Management (CRM), eProcurement oder Human Resource Management Erfolg und Reife von SaaS gezeigt hätten, halten die Anwender auch Cloud-ERP für eine geeignete Lösung.

Agilität schlägt Kosten

68 Prozent der Befragten streben mit Hilfe von SaaS eine Senkung ihrer Gesamtkosten an, für 53 Prozent ist zudem die Regelmäßigkeit monatlicher Zahlungen ein Argument für die Cloud. "Aber das sind nicht die Top-Prioritäten", so Hamerman. 21 Prozent der Firmen argwöhnen nämlich, dass die Kostenbilanz von SaaS am Ende negativ ausfallen könnte. Entscheidender sind laut Forrester die erhofften Vorteile durch höhere Geschwindigkeit und Agilität - für drei Viertel der Firmen tatsächlich die Top-Priorität.

Sicherheit und Datenschutz sind immer noch die größten Dämpfer der SaaS-Begeisterung. 41 Prozent der Unternehmen sind diesbezüglich in Sorge. Ein Viertel befürchtet Schwierigkeiten bei der Integration mit anderen Applikationen. Forrester rät dazu, diese Punkte mit den Anbietern zu diskutieren und die Sicherheits- und Integrationsfähigkeiten der Dienstleister jeweils genau zu überprüfen.

Für die Studie "Application Adoption Trends: The Rise of SaaS" wurden mehr als 2000 Entscheider aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA befragt. Mit der Befragung beauftragte Forrester Research die Marktforscher von Research Now.

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