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Neues vom Microsoft-Prozeß

Richter Jackson übernimmt Microsoft-Argumente

11.12.1998
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Neues vom Microsoft-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Es scheint, als habe Microsofts Argumentation im Kreuzverhör mit dem Java-Erfinder James Gosling den verhandlungsführenden Richter Thomas Jackson ziemlich beeindruckt. Zum Ende der Aussage fragte Jackson: "Microsoft hat versucht zu beweisen, daß sie die Bedeutung Ihrer Arbeit erkannt, diese aufgegriffen und dann eine bessere Version abgeliefert haben. Sie konnten nicht so lang warten, bis Sun wieder gleichzieht. Was sagen Sie dazu?" Goslings Antwort faßte seine eigene Argumentation ebenfalls in einer simplen Aussage zusammen: "Microsoft stellt zwar seine Lösung als besser dar, aber sie ist nun einmal an die Windows-Plattform gebunden." Damit verhindere Microsofts Java die Interoperabilität mit anderen Plattformen und korrumpiere eine wichtige Grundidee der gesamten Java-Entwicklung.

Zuvor hatte Microsoft-Anwalt Tom Burt den Sun-Entwickler mit einer E-Mail vom April 1996 konfrontiert, die beweisen sollte, daß Sun bereits zwei Monate vor der Unterzeichnung eines Java-Lizenzvertrags mit der Gates-Company davon Wind bekommen hatte, daß Microsoft Java mit Windows-spezifischen Erweiterungen versehen wollte. Gosling: "Wir sind damals davon ausgegangen, daß Microsoft nicht gegen die Lizenz verstoßen würde." Microsoft hätte ohne weiteres eine an Windows angepaßte Java-Variante erstellen können, die die Lizenz nicht verletzt hätte. Er vertrat daraufhin wie gehabt die Ansicht, Microsoft habe Sun schaden wollen. Deshalb habe man auch eine Zusammenarbeit abgelehnt. "Microsoft hat damals oft die Hand ausgestreckt. Wir sahen darin allerdings ein Messer, dessen Klinge wir ergreifen sollten", meinte der Java-Mann.