Eine stille Stunde pro Tag

Produktiver arbeiten ohne Mail

Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Ob Mail, Instant Messange, Telefon oder Kollege: Ständige Unterbrechungen mindern die Qualität anspruchsvoller Arbeiten. Wer sich eine Stunde am Tag ausklinken kann, arbeitet besser und ist zufriedener, so das Ergebnis eines Feldversuches.

"Bereits eine Stunde konzentrierte Arbeit ohne Unterbrechung von Mails, Telefon und Kollegen steigert die Qualität von und die Zufriedenheit mit anspruchsvollen Arbeiten deutlich", fasst Cornelius König, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlands, das Ergebnis seiner Feldstudie mit 27 Managern zusammen.

Eine Stunde ohne Unterbrechung

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Zwei Wochen lang haben ausgewählte Führungskräfte in einem Tagebuch ihre Leistung beurteilt. In der ersten Woche teilten sich die Probanden ihre Zeit selbst ein, in der zweiten integrierten sie eine stille Stunde in den Arbeitstag, in der sie sich wichtigen Aufgaben widmeten und keine Unterbrechung zuließen. Das Ergebnis: Die Manager bewerteten ihre Leistung während der stillen Stunde als hochwertiger. "Sie haben den gesamten Arbeitstag als zufriedenstellender und effizienter wahrgenommen", so König. Auch drei Monate später haben die Manager die stille Stunde beibehalten. Diese muss laut Studienautoren nicht 60 Minuten umfassen, sondern kann auch eine halbe Stunde sein oder ein Vormittag pro Woche. Wichtig ist, dass man sich tatsächlich daran hält und es nicht nur bei dem Vorsatz belässt.

Manager haben im Vergleich zu Mitarbeitern größeren Spielraum, sich eine Arbeitsauszeit zu nehmen: Sie können sich die Stunde in ihrem Kalender blocken lassen, das Mail-Programm schließen und den As-sistenten anweisen, keine Anrufe durchzustellen. Viele Mitarbeiter sind dagegen oft auf das Entgegenkommen ihrer Chefs angewiesen, wenn sie eine Stunde lang nicht für E-Mails, Anrufe und Besuche erreichbar sein wollen. Deshalb, so die Empfehlung von König, sollte der Vorgesetzte das Vorhaben zumindest tolerieren, wenn nicht sogar aktiv unterstützen.