CIO des Jahres 2011 - Mittelstand

Platz 2 - Lars Ludwig, Donner & Reuschel AG

Manfred Bremmer
Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Email:
Connect:
Im Zuge der Fusion der beiden Traditionsbankhäuser Donner in Hamburg und Reuschel in München führte CIO Lars Ludwig die IT zusammen - das mit Abstand größte und bedeutendste Projekt beider Institute in den letzten zehn Jahren.
Lars A. Ludwig, Bereichsleiter Informationstechnologie bei der DONNER & REUSCHEL Aktiengesellschaft.
Lars A. Ludwig, Bereichsleiter Informationstechnologie bei der DONNER & REUSCHEL Aktiengesellschaft.
Foto: Privat

Welche tragende Rolle die IT im Bereich Finanzdienstleistungen spielt, wird bei einem Umbau deutlich, wie ihn Ludwig bei der Donner & Reuschel AG hinter sich hat. In weniger als einem Jahr führte er die IT-Anwendungen, -Infrastruktur sowie -Aufbau- und Ablauforganisation der fusionierten Bankhäuser Conrad Hinrich Donner Bank AG und Reuschel & Co. KG zusammen - on time, on specification und on budget, wie es neudeutsch heißt.

Während des 333 Tage langen Projektzeitraums blieb IT-technisch kein Stein unangetastet: Ludwig und sein Team führten unter anderem Kunden-, Konten- und Depotdaten zusammen, erneuerten zahlreiche Kernanwendungen und errichteten eine gemeinsame Netzinfrastruktur zwischen den beiden Standorten Hamburg und München. In diesem Zusammenhang wurden außerdem die Sicherheits-Strukturen angepasst und die Bankenperipherie (Kassensysteme, Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker) neu aufgebaut. Auch die Organisation der IT selbst gestaltete Ludwig um und schrieb alle IT-Führungspositionen neu aus, so wie er sich vorher selbst auf seine eigene Position beworben hatte.

Projektschwerpunkt Migration

Der wahrscheinlich wichtigste Teil des Projekts war die Migration der Kernbank- und Wertpapierverfahren Kordoba Core 24 und K-GS, Krebis etc. auf die standardisierten und ausgelagerten Systeme "bank21" und "WP2". Dabei handelt es sich um relativ neue Plattformen, wie Jury-Mitglied Dr. Friedrich Wöbking, langjähriger CIO im Vorstand der Dresdner Bank und Allianz-Gruppe, feststellt, welche die Zukunftsfähigkeit der integrierten Bank erhöhen.

Ludwig selbst geht davon aus, dass sich allein durch die Kostenreduktion des Kernbankenverfahrens ein Return on Invest (RoI) von etwa dreieinhalb Jahren ergibt. In die Berechnung noch nicht eingeschlossen, da schwer quantifizierbar, seien dabei die Synergieeffekte durch eine einheitliche Umsystemlandschaft und damit einhergehende einheitliche Produkte, Prozesse und Ähnliches, so der 45-Jährige.

Der Bedarf ist nun gedeckt

Nach zwei äußerst herausfordernden Jahren ist der Bedarf an größeren Veränderungen erst einmal gedeckt und das frei verfügbare Budget entsprechend gering. Nichtsdestotrotz bemüht sich Ludwig weiterhin um einen intensiven regelmäßigen Dialog mit Bereichsleiterkollegen, um deren Anforderungen und Probleme aufzunehmen und gemeinsam konstruktive Lösungen zu erarbeiten.

Um "deren Sprache noch besser sprechen zu können", macht er nicht nur Hospitationen in den Fachbereichen. Demnächst ist sogar eine Weiterbildung im Bankwesen an der Frankfurt School eingeplant - ein weiterer Baustein in seiner Ausbildung, die bereits Diplom-Physiker, Informatiker sowie promovierter Wirtschaftwissenschaftler (Dr. rer. pol.) umfasst.