Personalberater kämpfen ums Überleben

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Personalberater durchleben harte Zeiten, weil die gewohnten Auftraggeber ihre Dienste kaum noch in Anspruch nehmen. Das rigorose Kosten-Management der Unternehmen bedeutete in den vergangenen Monaten für viele Berater das Aus. Die Zeit, in der Headhunter Kompromisskandidaten liefern konnten, ist vorbei.

„Wir haben den absoluten Tiefpunkt wahrscheinlich hinter uns“. Er sollte es wissen. Wolfgang Lichius ist Partner bei Deutschlands größter Personalberatung Kienbaum und gleichzeitig im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) zuständig für Personalberatung. Die schwierigste Zeit sei zwischen Mitte 2001 und 2002 gewesen. In dieser Phase seien die Umsätze im Durchschnitt um ein Drittel eingebrochen. Einige Berater sprechen gar von Umsatzrückgängen von 40 Prozent und mehr. Darüber hinaus sind eine Menge Headhunter von der Bildfläche verschwunden, haben Konkurs anmelden müssen oder wurden aufgekauft.

Prominentestes Opfer ist die Personalberatung Baumgartner, die mit Kienbaum Jahrzehnte um die Vorrangstellung im deutschen Markt wetteiferte. Nachdem die Stuttgarter vom weltweit agierenden Personaldienstleister TPM aufgekauft wurden, ist seit Anfang dieses Jahres auch der Name verschwunden. Immer wieder ist zu hören, dass es vor allem die Berater, die sich ausschließlich auf die Informationstechnik- und Telekommunikationsindustrie spezialisiert haben, arg erwischt hat. Hier sollen über 50 Prozent der Firmen vom Markt verschwunden sein, mutmaßen Insider.

Wolfgang Lichius, Kienbaum: Wir haben den absoluten Tiefpunkt hinter uns.

Entsprechend nüchtern beurteilen die „IT-Kopfjäger“ ihre Lage: „Es ist sehr ruhig geworden, die Suche nach Mitarbeitern hat sich drastisch verringert“, erzählt die Münchner Beraterin Nicoline Beyer. Die Anzahl der offenen Stellen ist gesunken und es gründen sich kaum neue Firmen. „Ganz schlimm hat es kleine bis mittlere spezialisierte Beratungen getroffen, die in der Boomphase aufgebaut haben und dabei zu großzügig in den Kostenstrukturen waren“, glaubt Jürgen Rohrmeier, der bei Kienbaum auf die IT-Szene spezialisiert ist. Am stärksten sei das „Massengeschäft“ zurückgegangen, bei dem man zum Beispiel New-Ecomomy-Firmen beim Aufbau einer kompletten Mannschaft unterstützte.

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