Personalauswahl nach DIN löst Skepsis aus

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
So etwas gibt es wahrscheinlich nur in Deutschland: eine DIN, die Rahmenbedingungen für das Recruitment-Prozedere festlegt. Einige begrüßen die Norm, die die Personalauswahl objektiver machen soll, andere halten sie für praxisuntauglich.

„Um was für eine DIN-Vorschrift handelt es sich? Eine Norm für die Personalauswahl?“ Die meisten Personalverantwortlichen können damit nichts anfangen. „Davon haben wir noch nichts gehört. Wir haben unsere eigenen Standards.“ Im Juni dieses Jahres stellte die DIN-Kommission ihr Regelwerk unter der Ordnungsnummer DIN 33430 „Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen“ vor.

Bereits seit 1995 gibt es Überlegungen, Bewerbungsverfahren zu standardisieren. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) setzten sich maßgeblich für verbindliche Regeln ein. Ein Ziel der Normierung ist es, den Scharlatanen unter den Personalberatern Einhalt zu gebieten, die mit zweifelhaften Instrumenten zur Eignungsdiagnostik neue Mitarbeiter auswählen. „Mit der DIN sollen Personalentscheider Kriterien an die Hand bekommen, um ein faires Auswahlverfahren für die Bewerber zu ermöglichen“, erklärt Fredi Lang, Referent für Fachpolitik beim BDP in Berlin. Schließlich soll der beste Interessent als neuer Mitarbeiter beim Unternehmen einen Arbeitsvertrag unterschreiben.

 Ein weiteres Argument ist der Eindruck des Auswahlverfahrens auf den Bewerber: „Sieht er den Arbeitgeber auch nach der Absage als mögliche Adresse für eine spätere Bewerbung?“ ergänzt Lang die Argumentation für objektivere Verfahren. Die Norm möchte vor allem Personalberater einem stärkeren Leistungsdruck aussetzen, da manche nach Meinung der Experten unseriös arbeiten und zweifelhafte Testverfahren ohne das nötige Fachwissen anwenden. Folge ist, dass die falschen Mitarbeiter ausgewählt beziehungsweise empfohlen werden.

Allerdings hält sich die Begeisterung bei den Interessenvertretern in Grenzen. Stephan Pfisterer, Experte für Bildung und Personal beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom), äußert sich zurückhaltend. „Wir beobachten das, aber wir sehen keinen dringenden Bedarf für eine DIN. Es gibt schon heute eingespielte Verfahren.“

DIN als Orientierungshilfe

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