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Pensionspläne von IBM Deutschland: Die fetten Jahre sind vorbei

13.01.2006
Das Management will auch in Deutschland die Pensionskosten reduzieren, 11.000 Beschäftigte wären davon betroffen.

Aufgrund der "Lage an den Finanzmärkten und der demografischen Entwicklung" möchte das Management von IBM Deutschland die Kosten für die Pensionen der Mitarbeiter senken. Von den derzeit rund 22.000 Beschäftigten hierzulande seien zirka 11.000 betroffen, sagte ein Sprecher des Konzerns. Weil das Thema der Mitbestimmung unterliege, müsse darüber mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden. Dieser Wunsch sei an den Konzernbetriebsrat herangetragen worden.

Dabei hat das Management konkrete Vorstellungen, wie sich die Situation verändern muss: Handlungsbedarf sieht IBM bei Beschäftigten, die vor Mitte des Jahres 2000 an Bord gekommen sind. Für sie gelten, je nach Zugehörigkeitsdauer, noch zwei alte Pensionspläne, die bis an das Lebensende ausbezahlt werden. Da die Menschen im Durchschnitt immer älter werden, steigen hierdurch die Kosten für IBM. Zudem sind die Aufwendungen nur schwer kalkulierbar.

Nicht von den Veränderungen betroffen sollen Pensionäre von IBM sowie diejenigen Mitarbeiter sein, die erst ab Mitte des Jahres 2000 zu dem Unternehmen gestoßen sind. Seit dem Zeitpunkt gilt der aktuelle "Zukunftsvorsorgeplan", der ohnehin weniger attraktiv als die alten Pensionspläne ist. Bei ihm wird ein Kapitalstock verzinst und das Geld zum Renteneintritt optional auf einen Schlag oder über eine definierte Laufzeit ausgeschüttet.

Der Wunsch des Managements sei daher, so der Konzernsprecher, dass Mitarbeiter in den beiden älteren und inzwischen geschlossenen Pensionsplänen für ihre künftig zu erwerbenden Ansprüche in den aktuellen Zukunftsvorsorgeplan wechseln. Bereits erworbene Pensionsansprüche aus den alten Plänen sowie deren Dynamisierung würden nicht angetastet. Es gehe allein um Ansprüche, die zwischen einem kommenden Stichtag und dem jeweiligen Renteneintrittsalter erworben werden.

Dass dies mit finanziellen Einbußen für die 11.000 Betroffenen verbunden ist, wird auch von IBM bestätigt. Jedoch seien die alten Pensionspläne verglichen mit den Angeboten anderer IT-Unternehmen gut ausgestattet - auf deutsch: IBM zahlt sehr viel für seine Senioren. Folglich warnt das Management vor hohen Belastungen für das Unternehmen: "Allein von 2005 bis 2006 steigen die Kosten in dreistelliger Millionenhöhe", so der Sprecher. Daher würden sich die Aufwendungen für die Ruhegehälter auf die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns auswirken. Angaben zu absoluten Zahlen der Pensionskasse machte der Sprecher nicht.

Aus Gewerkschaftskreisen hieß es dazu, man sehe den Verhandlungen vom juristischen Standpunkt aus gelassen entgegen. Allerdings müsse die Geschäftsleitung mit Widerstand rechnen, denn für viele IBM-Beschäftigte sei das Thema Pensionsregelung eine "heilige Kuh": Für einige Mitarbeiter sei die finanzielle Absicherung im Alter ein wichtiger Grund gewesen, überhaupt zum Konzern zu wechseln. Aus dem Management verlautete dazu, man wolle "zügig und ergebnisorientiert" verhandeln.

In der vergangenen Woche hatte IBM in den USA angekündigt, den knapp 50 Milliarden Dollar schweren Pensionsfonds einzufrieren. Statt dessen soll die private Altersvorsorge stärker bezuschusst werden. IBM-Niederlassungen in anderen Ländern haben ähnliche Schritte ebenfalls vollzogen beziehungsweise arbeiten gegenwärtig an der Umstellung. (ajf)