Umsatzwarnung

Palm bricht die Nachfrage weg

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nach einer Umsatzwarnung für das Gesamtjahr und das laufende Quartal ist das Überleben des Traditionsherstellers weiterhin ungewiss.
Keine Konkurrenz für Apples iPhone: Das Palm Pre
Keine Konkurrenz für Apples iPhone: Das Palm Pre

Das Fernbleiben des PDA-Veteranen Palm von der weltgrößten Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) war nur ein weiteres Zeichen, dass es bei der Company derzeit nicht so gut läuft: Wegen der unerwartet schwachen Nachfrage nach seinen Smartphones gab der PDA-Pionier am gestrigen Donnerstag eine Umsatzwarnung für das Gesamtjahr und das laufende dritte Geschäftsquartal heraus. Palm-CEO Jon Rubinstein erklärte, die beiden Palm-Modelle mit WebOS, Palm Pre und Palm Pixi, würden schlechter von den Verbrauchern angenommen als erwartet. Für das ausklingende Quartal rechnet Palm nun mit einem Umsatz von 300 bis 320 Millionen Dollar - Analysten hatten im Schnitt mit 424 Millionen Dollar hohen Einnahmen gerechnet. Für das Gesamtjahr befürchtet Palm, dass der Umsatz unter den prognostizierten 1,6 bis 1,8 Milliarden Dollar liegen wird. Wie schlecht es um Palm steht, dokumentieren auch die von Gartner veröffentlichten Zahlen zum Handy- und Smartphone-Markt. Diesen zufolge verkaufte Palm 2009 nur knapp 1,2 Millionen Geräte mit WebOS, was einem Marktanteil von gerade einmal 0,7 Prozent entspricht.

Nach der Umsatzwarnung brach der Kurs der Palm-Aktie um 17 Prozent ein. Markbeobachter fragen sich nun, ob der PDA-Pionier - zumindest in seiner jetzigen Form - ein weiteres Jahr durchhalten kann. Aus Sicht von Analysten sind verschiedene Optionen denkbar: Die Company könnte übernommen oder von der Börse genommen werden. Möglich ist außerdem, dass Palm weiteres Kapital von der Beteiligungsfirma Elevation Partners, die bereits 400 Millionen Dollar investiert hat, erhält. Um den Absatz zu steigern könnte der Hersteller zudem keine Exklusivverträge (wie hierzulande mit o2 Germany) mehr abschließen, sondern seine Geräte künftig an mehrere Carrier verkaufen.

Obwohl Palm mit seinem intuitiven Betriebssystem WebOS und insbesondere dem Palm Pre (Kurztest) durchaus wettbewerbsfähig ist, stehen die Karten denkbar schlecht: So ist es Palm nicht wirklich gelungen, seine Geräte als ernstzunehmende "iPhone-Killer" im Markt zu positionieren - dazu fehlt letztendlich auch eine kritische Masse an Anwendungen in Palms Applikation Store. Gleichzeitig droht das Geschäft mit der übrigen Konkurrenz Nokia, Android und - künftig - Windows Phone noch härter zu werden. Auch den Vertrieb über Partnerschaften mit zusätzlichen Carriern auszuweiten dürfte nicht ganz einfach sein - die Netzbetreiber jammern bereits jetzt über die Vielfalt an mobilen Betriebssystemen.