Buchhaltung und Zeichentrick

Outsourcing boomt auf den Philippinen

06.03.2008
Im Eastwood Cyberpark in Manila wird die Nacht zum Tag. Es ist 02.30 Uhr morgens, und die Straßen sind bevölkert wie am helllichten Tag.

Cafés und Fast Food-Restaurants sind voll. Ringsum recken sich Bürohochhäuser in den Nachthimmel, die Etagen hell erleuchtet. Dort gehen die Uhren anders, im Gleichklang mit den USA und Kanada zum Beispiel, mehr als 10 000 Kilometer und zig Zeitzonen von Manila entfernt. In Eastwood sitzen tausende Telefon- Agenten, die Kunden am anderen Ende der Welt beraten. Die Ministadt ist eines der vielen Outsourcing-Zentren, die auf den Philippinen aus dem Boden schießen.

In Kanada ist gerade Mittagszeit, und Mrs Phelp hat die Helpline des Computerherstellers Toshiba angerufen. "Hier ist Michelle, wie kann ich Ihnen helfen?" sagt Michelle trotz fortgeschrittener Stunde putzmunter in ihr Sprechgeschirr. Ein Job im Call Center ist auf den Philippinen gesucht. 16 000 Peso gibt es im Monat für Anfänger - umgerechnet 260 Euro. Beamte mit jahrzehntelanger Erfahrung kommen gerade mal auf 10 000 bis 12 000 Peso.

Das Geschäft mit dem Outsourcing boomt auf den Philippinen. 4,9 Milliarden Dollar (3,2 Mrd Euro) betrug der Umsatz im vergangenen Jahr. Die Branche beschäftigte 320 000 Menschen. Das ist noch wenig im Vergleich zu Indien mit fast einen Drittel des weltweiten Geschäfts und einem Umsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar. Doch der Präsident des philippinischen Outsourcingverbandes BPA, Oscar Sanez, rechnet in diesem Jahr mit 40 Prozent Steigerung und 200 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Bis 2010 wollen die Philippinen mindestens zehn Prozent des Geschäftes holen.

Die technische Hotline für Toshiba betreibt Siemens IT Solutions and Services. "750 Mitarbeiter, 600 000 Anrufe im Monat" sagt der Chef, Sandeep Abraham. Er ist Inder und kommt aus Bangalore, dem Outsourcing-Mekka schlechthin. Keine zehn Pferde, sagt er, würden ihn wieder dort hinbringen. "Die Philippiner sind viel hilfsbereiter und service-orientierter", sagt er. Selbst indische Firmen haben die Philippinen entdeckt. WIPRO, nach Börsenwert eine der zehn größten IT-Firmen der Welt, hat gerade auf der Insel Cebu ein Call-Center mit 900 Plätzen eingerichtet. "Die Inder sind schon ein bisschen zu arrogant geworden", sagt WIPRO-Chef T.K. Kurien.

Die Firma TopDraw stellt Zeichentrickserien für europäische und kanadische Kunden her. Die Produktion ist zeitintensiv und aufwendig. Eine halbe Stunde Sendung braucht 26 000 Zeichnungen - ideale Arbeit für ein Land mit niedrigen Löhnen. Ein Zeichner bekommt für eine Sende-Sekunde 250 Peso - vier Euro, sagt Produktionsmanagerin Stella Dearing. Dafür muss er drei Cartoon-Szenen zeichnen. Insgesamt hat eine Sende-Sekunde 25 Bilder - die Zwischenszenen mit kleinen Positionsveränderungen malen andere für weniger Geld. Dearing beschäftigt rund 900 Zeichner, die auf Papier oder am Computer arbeiten. TopDraw liefert für das französische Fernsehen die Kinderserie "Eliot Kid". "Das Geschäft blüht", sagt Dearing.

Die Philippinen sind das drittgrößte englischsprachige Land der Welt und nach 50 Jahren als amerikanische Kolonie mit westlicher Kultur bestens vertraut. Englisch ist zweite Amtssprache. Jedes Jahr spucken die Colleges zudem mindestens 110 000 Absolventen mit Wirtschaftsstudium und 85 000 IT-Spezialisten aus. Daraus bedienen sich Firmen wie die Deutsche Bank, die hier von 1200 Mitarbeitern Abrechnungen und Buchhaltung erledigen lässt. Auch Henkel ist vor Ort, ebenso Ericsson, der dänische Containerriese Maersk, und Nestlé. Der europäische Outsourcing-Sektor wird nach Angaben der Europäischen Handelskammer in Manila auf 20 Milliarden Euro geschätzt. "Der philippinische Anteil daran ist noch klein, das wollen wir ändern", sagt Stephanie Weber von der eigens mit Hilfe der Kammer gegründeten "Europäischen IT Service Center-Stiftung" in Manila. (dpa/tc)

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