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Oracles Übernahmepläne beunruhigen IBM

02.07.2004

IBM sei der Konsolidierung im Applikationsmarkt schutzlos ausgeliefert, heißt es in IBM-internen Unterlagen, die die Oracle-Anwälte im Prozess gegen das US-amerikanische Justizministerium vorlegten. Laut den Dokumenten, die vom 13. Juni 2003 datieren, also eine Woche nach dem feindlichen Übernahmeangebot von Oracle an Peoplesoft, bestehe die Gefahr, dass Applikationsanbieter zunehmend von IBMs Konkurrenten im Datenbankgeschäft, Oracle und Microsoft, aufgekauft werden könnten. Um mehr Kontrolle über das Marktgeschehen in die Hand zu bekommen, sollte IBM versuchen, Beteiligungen an verschiedenen Softwarefirmen zu erwerben, um Übernahmen abblocken zu können. Außerdem müssten Beziehungen zu einflussreichen Personen und Institutionen im Dunstkreis des

Softwaremarkts aufgebaut werden. Dazu zählt Big Blue beispielsweise große Kunden und Behörden. Neben Oracle identifizieren die IBM-Verantwortlichen auch SAP und Microsoft als potenzielle Käufer, die Unternehmen wie Siebel, Ariba oder Manugistics schlucken könnten.

Die Oracle-Anwälte präsentierten die IBM-Unterlagen, um den Wettbewerb im Geschäft mit konzernweiten Business-Applikationen zu belegen. So könne der Anwendungsmarkt nicht vom Middleware- und Plattformgeschäft getrennt werden. Die Sorgen IBMs, das kein eigenes Applikationsgeschäft verfolgt, dafür aber im Middleware-Markt aktiv ist, sollen dies belegen. Damit widersprechen die Oracle-Anwälte der Argumentation der Kartellwächter. Diese gehen von einem engen Markt aus, der sich im Grunde nur aus SAP, Oracle und Peoplesoft zusammensetzt. Eine Übernahme Peoplesofts durch Oracle würde demzufolge den Wettbewerb schmälern und die Preise nach oben treiben, befürchten die Behörden.

Mittlerweile sind die Zeugenanhörungen vor dem Bezirksgericht in San Francisco beendet. Am 20. Juli werden beide Parteien ihre Schlussplädoyers halten. Mit einem Urteil von Richter Vaughn Walker wird im August oder September 2004 gerechnet. (ba)