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Oracle interessiert sich für HPs Middleware

27.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracle-Chef Lawrence "Larry" Ellison hat auf der europäischen Hausmesse Oracle World im dänischen Kopenhagen Verhandlungen mit HP über den Kauf von dessen Middleware bestätigt. "Wir reden darüber", erklärte der Oracle-Chef. Details zum Stand der Gespräche wollte Ellison aber nicht nennen.

Er erklärte aber, ein eventueller Kauf wäre eine "winzige" Akquisition, vergleichbar etwa mit der Übernahme der "Toplink"-Tools von Webgain in der vergangenen Woche (Computerwoche online berichtete). Solch kleine Zukäufe für spezielle Technik entsprächen Oracles Strategie. "Sie werden aber nicht erleben, dass wir große Firmen schlucken", so Ellison weiter.

Für welche Middleware-Produkten von HP Oracle sich konkret interessiert, ist nicht bekannt. Das Portfolio des Fiorina-Konzerns in diesem Bereich umfasst einen J2EE-Server, einen Transaktions-Server, einen Messaging-Server, verschiedene XML-Tools, die "eSpeak"-Software zur Entwicklung netzbasierter Services sowie das Business-Modeling-Tool "Process Manager". Oracle hat mit 9iAS selbst einen Application Server im Programm, den Larry Ellison als "voll ausgewachsen" bezeichnete - zumindest hier ist wohl kaum Interesse vorhanden.

Auch sonst gab es vom Oracle-Chef wie üblich einige prägnante Äußerungen zu hören. Den weltweiten Softwaremarkt bezeichnete er angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute als "Schlachtfeld". "Das wird absolut brutal. Die meisten kleinen Firmen werden verschwinden. IT-Einkäufer werden künftig weit weniger Auswahl haben, und das ist keine wirklich gute Nachricht", glaubt der CEO. "Wir werden eine Konsolidierung der Ausgaben auf drei oder vier Überlebende - Microsoft, Oracle, SAP und IBM - erleben, und diesen Überlebenden wird es richtig gut gehen."

Seine Firma brauche keine wirtschaftliche Erholung, um weiter zu wachsen, ist sich Ellison sicher. Zu den Unternehmen, deren Verschwinden er erwartet, gehören SCM-Spezialist Ariba und Procurement-Experte Commerce One. Ihr Geschäft würden andere übernehmen, darunter auch Oracle. Eine Attacke startete Ellison auch gegen Bea Systems, nach Zahlen mehrerer Marktforschungsinstitute Umsatz-Marktführer im Appserver-Markt. Ellison behauptet, Oracle sei in Bezug auf die Nutzerzahlen bereits am Konkurrenten vorbeigezogen. Und bei den Einnahmen soll das binnen Jahresfrist genau so aussehen. "Ich denke, dass wir in einem Jahr beim Umsatz vorn liegen", erklärte Ellison. Auch Bea sei vom Aussterben bedroht. "Bea steht als Nischenanbieter, der von einem einzigen Produkt abhängt, unter enormem Druck." (tc)