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Oracle in Spendierlaune?

13.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Posse um einen IT-Vertrag des US-Bundesstaates Kalifornien mit dem Datenbanker Oracle verschärft sich. Ein Untersuchungskommittee hat jetzt eine E-Mail veröffentlicht, die Berichten zufolge Anfang des Jahres vom Oracle-Lobbyisten Ravi Mehta verfasst worden ist. Darin werden neun Regionalpolitiker aufgeführt, die sich als wichtig für den Konzern herausstellen könnten. Auch listete der Verfasser auf, mit wieviel Geld seiner Meinung nach die Personen für eine im nächsten Jahr stattfindende Wahl bedacht werden sollten. Die E-Mail war an Robert Hoffman gerichtet, einen Top-Manager der Datenbanker. Nach Angaben eines Sprechers von Oracle sei es der Job eines Lobbyisten, Vorschläge zu unterbreiten. Zudem habe das Unternehmen die Anregungen nicht weiterverfolgt, die Mail gelöscht und

Ende vergangenen Monats die Beziehung zu Mehta abgebrochen.

Mittlerweile ist der Chef des kalifornischen Department of Information Technology (Doit), Elias Cortez, zum 1. Juli von seinem Posten zurückgetreten. Der CIO des Staates war Anfang Mai von Gouverneur Gray Davis suspendiert worden. In seiner Aussage zum Oracle-Deal war er zusammengebrochen und hatte eingeräumt, sich für die Datenbanker stark gemacht zu haben. Allerdings sehe er sich in der Rolle eines Sündenbocks, der für die Fehler anderer büßen muss. Der Rücktritt erfolgte aufgrund der Ankündigung staatlicher Stellen, das Doit künftig nicht mehr finanzieren zu wollen. Diese Entscheidung berge ein hohes Risiko für die Stabilität der IT, so der CIO. Cortez war der vierte IT-Manager, der seit Beginn der Vertragsposse seinen Job bei der kalifornischen IT-Verwaltung verloren oder aufgegeben hat. (ajf)