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Oracle baut Plattform für Telekommunikationsanbieter

18.04.2006
Der Datenbankspezialist will seine Fusion-Middleware um eine "Service-Delivery-Platform" (SDP) erweitern.

Oracles SDP soll es Anbietern von Telekommunikationsservices, Netzbetreibern und Systemintegratoren erlauben, das Konzept von Service-orientierten Architekturen (SOA) auch auf ihre Netzinfrastrukturen zu auszudehnen. Der Datenbankspezialist gab heute bekannt, die dafür notwendigen Funktionen in seine Fusion-Middleware zu integrieren. Anwenderunternehmen sollen damit in die Lager versetzt werden, neue Sprach-, Daten- und Multimediadienste zügiger und mit einem geringeren Aufwand zu implementieren. Zudem lasse sich mit Hilfe der erweiterten Middleware der Zugriff auf Business-Applikationen im Netz effizienter steuern, hieß es in einer offiziellen Mitteilung Oracles.

Ganz neu ist Oracles Vorstoß in diesen Bereich indes nicht. Bereits heute verfügt Oracles Fusion-Middleware über entsprechende Funktionen. So unterstützt Fusion das Session Initiation Protocol (SIP). Die notwendige Infrastruktur hat der Datenbankanbieter mit der Übernahme von Hotsip im Februar dieses Jahres eingekauft (siehe auch: Oracle kauft Hotsip). Damit lassen sich unterschiedliche Kommunikationsformen auf Basis des Internet Protocol (IP) verbinden. Außerdem gibt es Funktionen, um bestehende Netzinfrastrukturen einzubinden. Dafür notwendige Techniken wie den Web-Services-Standard "Parlay X" hat Oracle mit der Akquisition von Net4Call übernommen. Darüber hinaus können Anwender heute schon Inhalte mobiler Endgeräte via MMS und SMS in ihre Netze integrieren.

Zusätzlich will Oracle im Laufe des Jahres weitere Funktionen entwickeln und in sein Middleware-Paket integrieren. Beispielsweise sollen Anwender über ein Repository die im Netz eingebundenen Geräte effizienter verwalten können. Außerdem plant der US-amerikanische Softwareanbieter speziell angepasste Servicepakete, mit deren Hilfe zum Beispiel mobile Inhalte oder Voice-over-IP-Dienste (VoIP) organisiert werden können. Zudem werde es künftig Werkzeuge geben, mit denen sich der Daten- und Sprachverkehr in den Netzen überwachen und abrechnen lassen soll. Entsprechendes Knowhow hat Oracle erst vor wenigen Tagen mit der Akquisition von Portal Software eingekauft (siehe auch: Update: Oracle kauft Portal Software und verschärft den Kampf um die Branchen).

Oracle biete damit eine Plattform, auf deren Basis Anwenderunternehmen neue Telekommunikationsservices entwickeln und ausliefern könnten, warb Thoma Kurian, Senior Vice President für den Bereich Server Technologies bei Oracle. Dies gelte für das klassische Festnetz, mobile Infrastrukturen sowie die konvergenten Netze der Zukunft.

Oracle ist jedoch nicht der einzige Middleware-Anbieter, der den Telekommunikationssektor ins Visier genommen hat. So wirbt auch Bea in ähnlicher Weise mit einer eigenen SDP für die "Weblogic"-Plattform um diese Branche. IBM hat Anfang April angekündigt, dass die neue Version 6.0 des "Websphere Application Server" das Session Initiation Protocol (SIP) unterstütze. Damit ließen sich Service-orientierte Architekturen einfacher verwalten. (ba)