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National Geographic und IBM erforschen Ausbreitung des Menschen

13.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die National Geographic Society der Vereinigten Staaten und IBM wollen in dem gemeinsamen Forschungsvorhaben "The Genographic Project" die Besiedelung der Erde durch den Menschen nachverfolgen. Unter Leitung des Anthropologen Dr. Spencer Wells soll dazu ein internationales Team von Wissenschaftlern fünf Jahre lang weltweit menschliche Erbgutproben sammeln und mit hochleistungsfähiger Computern analysieren.

Die daraus entstehende Datenbank sei öffentlich zugänglich und stelle als eine der größten Sammlungen menschlicher Erbgutinformationen eine "einmalige Ressource für Erbforscher, Historiker und Anthropologen" dar, erklärten die Partner. In weltweit in zehn Forschungszentren sollen mehr als 100.000 DNA-Proben analysiert werden und Erkenntnisse über Ausbreitung und Entwicklung der menschlichen Population liefern.

IBM stellt sein Computational Biology Center mit modernsten Verfahren der Datenanalyse zur Verfügung, um in den erhobenen Proben Verbindungen zu entdecken. Auch die IT-Infrastruktur zur Verwaltung der vielen genetischen Codes kommt von Big Blue. Unterstützt wird das Genographic Project fernervon der Waitt Family Foundation (gegründet vom früheren Gateway-Chef Ted Waitt), die gemeinnützige wissenschaftliche Projekte fördert. "

Im Zentrum der Feldforschung steht das Sammeln von DNA-Proben bei Naturvölkern, deren Erbgutinformationen über Hunderte von Generationen relativ unverändert geblieben sind und daher verlässliche Hinweise auf Migrationsmuster bieten. Ein internationales Beratungsgremium werde die Auswahl der Naturvölker beaufsichtigen und die Einhaltung von strengen Auswahl- und Forschungsvorschriften überwachen, heißt es.

Auch Privatpersonen können an dem Projekt teilnehmen: Für knapp 100 Dollar plus Steuern und Versand erhalten sie von National Geographic ein DNA-Testpaket und können dann - nach Einverständniserklärung zur Auswertung ihrer persönlichen Daten - auf nationalgeographic.com sowohl ihre eigene Migrationsgeschichte als auch den Status der weltweiten Forschung verfolgen. Die Erlöse aus dem Verkauf der Testpakete sollen in zukünftige Feldforschung sowie Unterstützung von Naturvölkern in verschiedenen Teilen der Erde (z.B. Förderung der Schulbildung, Bewahrung der traditionellen Kultur) fließen.

Die Daten würden anonym gespeichert, medizinisch relevante Abschnitte der DNA nicht untersucht. Auch Rückschlüsse auf Verwandtschaftsverhältnisse seien nicht möglich, erklärten National Geographic und IBM. Die Projektpartner wollen die Öffentlichkeit über unterschiedlichste Medienplattformen über den Verlauf des Projekts informieren. (tc)