Chancen für Quereinsteiger

Mit über 40 Jahren zu alt für den Projekt-Manager?

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Über 40 Jahre, Quereinsteiger, aber viel Erfahrung im operativen IT-Geschäft. Welche Chancen hat ein IT-Experte mit diesem Hintergrund, mehr planerisch, etwa in Beratung oder Projekt-Management zu arbeiten? Datalog-Personalchefin Tanja Beau antwortet.

Unser Leser "Phoneix_ffm" ist vor 20 Jahren als Quereinsteiger ohne Studium in die IT gekommen und arbeitete überwiegend in der Projektdurchführung und operativen IT, zuerst in einem Großunternehmen als Systemtechniker, und die letzten Jahre als IT-Leiter in einem mittelständischen Unternehmen. Mittlerweile ist er "weit über 40" und hat "keine Lust mehr auf technische Operative". Bislang versuchte er vergeblich, in eine "mehr planerische Position", etwa ins Projekt-Management, zu wechseln. Für ihn ist es schweirig zu erkennen, ob die Ablehnungen eher altersbedingt sind oder ob das fehlende Studium/die fehlende Ausbildung den Ausschlag gibt. Nun fragt er im Online- Karriere-Ratgeber der COMPUTERWOCHE Datalog-Personalchefin Tanja Beau, wie sie seine Situation einschätzt: "Kann ich noch etwas tun, um wieder vermittelbar zu werden? (etwa Weiterbildung, zusätzliche Qualifikationen, die meine Chancen tatsächlich auch erhöhen.) Gibt es vielleicht Bereiche, in denen ich auch ohne Studium und Standard Ausbildung mit meinem Background Erfolg haben könnte?

Fehlendes Studium bleibt ein Manko

Die Antwort von Tanja Beau:

Tanja Beau, Datalog: Erfahrung ist für Berater ein Plus.
Tanja Beau, Datalog: Erfahrung ist für Berater ein Plus.

"Auf Ihren bisherigen Werdegang können Sie nach meiner Einschätzung stolz sein. Sie haben in großen und mittelständischen Unternehmen gearbeitet, Erfahrung in Projekten und die Position des IT-Leiters erreicht. Ein wenig stoße ich mich an Ihrer Formulierung mit dem "alten Eisen": ich kann verstehen, dass man bei vielen vergeblichen Anläufen versucht, Erklärungen zu finden - jedoch führen solche Gedanken in der Regel zu nichts.

Ich versuche jetzt mal, mich Ihrem Thema von mehreren Seiten zu nähern. Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Alter in der Beratung eher ein Vorteil denn ein Nachteil ist. Beratung hat mit Vertrauen zu tun und da haben "Silberrücken" oft bessere Chancen als die "jungen Wilden". Rein am Alter kann es nach meiner Einschätzung eher nicht liegen.

Die fehlende akademische Ausbildung ist sicherlich ein Manko, gerade wenn Sie in sich in strategische/planerische Bereiche entwickeln wollen. Hier wäre meine Frage, was haben Sie an Qualifikation in diesem Umfeld aufgebaut (Projekt-Management- Prozessstandards, ITIL, Zertifizierungen etc.). ? Diesen Bereich sollten Sie - sofern noch nicht oder zu wenig vorhanden - ausbauen und in Ihrer Bewerbung auch entsprechend darstellen. Nur wenn Sie sich hier entsprechend fit gemacht haben, können Sie sich von der ungeliebten technischen Operative verabschieden.

Vermarkten Sie Ihre Qualifikationen

Insgesamt bestimmt den Arbeitsmarkt auch Angebot und Nachfrage. Vielleicht ist hier noch einmal kritisch zu prüfen, ob Sie sich auf die richtigen Ausschreibungen bewerben bzw. wie Sie Ihre Qualifikationen "vermarkten".Um bei dem Bild des Marktes zu bleiben: Versetzen Sie sich in die Lage Ihres "Kunden":

  • Warum sollte er gerade Sie mit einem Projekt beauftragen?

  • Was macht Sie zu einem guten Planer/Berater?

  • Warum kann er Ihnen seine IT-Strategieplanung anvertrauen?

Ihre Bewerbung / Ihr Auftreten müssen glaubhaft das Motto vermitteln: "Ich kann das"!