Intel-CPU für Ultrabooks und Tablets

Mit der Core-M-CPU könnten sich 2-in-1-Geräte durchsetzen

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Die nächste Generation der Ultrabooks und Tablets wird dank des neuen Intel-Prozessors „Core M“ schlanker, schneller und energieeffizienter. Wie die lüfterlosen Geräte aussehen könnten, zeigten erste Ankündigungen auf der IFA.

Die Core-M-Prozessoren sind die ersten Chips aus der Haswell-Nachfolgegeneration Broadwell. Intel lüftete den Schleier auf der IFA in Berlin und beschwor die gute CPU- und Grafik-Performance sowie die lange Akku-Laufzeit. Jetzt stehe eine neue, schlankere Ultrabook- und Windows-8.1-Tablet-Generation mit hochauflösenden Displays bevor, die weniger Energie verbrauche als bisherige Modelle und vor allem ohne Lüfter auskomme, hieß es.

Die Broadwell-Architektur überführt im Wesentlichen die des Haswell-Prozessors von einem 22- in einen 14-Nanometer-Herstellungsprozess. Damit passen deutlich mehr Transi­storen auf halb so große und schlankere Mainboards wie bisher. Zudem schalten die Transistoren noch einmal deutlich schneller und produzieren weniger Leckströme. Intel verspricht eine ganze Menge: Die CPU-Performance soll gegenüber der älteren Haswell-Welt um rund 50 Prozent und die Grafikleistung um 40 Prozent besser werden. Die Lebensdauer der Batterie werde um etwa 1,7 Stunden ansteigen. Die neue „Plattform“ ermögliche es, Display und Docking Station drahtlos anzuschließe.

Zudem sollen Tablets und Ultrabooks schon bald dünner als neun Millimeter hergestellt werden können. Intel positioniert den Core M für so genannte 2-in-1-Geräte, für Rechnermodelle also, die Ultrabook und Tablet in einem sind. Dabei können die Displays einfach entkoppelt oder umgeklappt werden. Die Hardware, so scheint es, wird immer gelenkiger, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. An seinen „Atom“-CPUs will Intel übrigens weiterhin festhalten. Sie sollen wie bisher in Smartphones und kleineren Tablets verbaut werden. Für höherwertige Ultrabooks und Tablets sind aber jetzt die Core-M-Prozessoren gedacht. Intel wird die CPUs in drei Varianten herausbringen: den Core M 5Y70, den 5Y10a und den 5Y10. Alle drei Ausführungen bieten zwei Rechenkerne plus Hyperthreading und eine HD-5300-GPU. Sie begnügen sich mit einer Leistungsaufnahme (TDP = Thermal Design Power) von lediglich 4,5 Watt. Topmodell ist der 5Y70, der im Sparmodus mit mit 1,1 Ghz und im Turbomodus mit bis zu 2,6 Ghz taktet. Die beiden anderen Modelle bleiben mit 0,8 bis 2,0 Ghz etwas dahinter zurück.

Lenovos ThinkPad Helix 2 mit Core M

Auf der IFA war bereits zu beobachten, welche Convertibles mit Windows 8.1 nun auf Business-User zukommen. Bis zum Jahresende sollen etwa fünf bis sieben 2-in-1-Geräte mit Core-M-Prozessor erscheinen, im nächsten Jahr könnten es sogar 20 sein, sagte Andy Cummins, bei Intel für das Marketing der mobilen Plattformen verantwortlich. Lenovo etwa stellte mit dem „ThinkPad Helix 2“ ein 11,6-Zoll-Modell vor, das im Tablet-Modus allerdings gut 800 Gramm auf die Waage bringt und 9,6 Millimeter dick ist. Zur Orientierung: Ein iPad Air wiegt 468 Gramm und ist mit 7,5 Millimeter deutlich schlanker. Ebenfalls in den kommenden Wochen soll das „Latitude 13 7000“ von Dell herauskommen. Auch bei diesem 13,3 Zoll großen Rechner lässt sich das Display entkoppeln und als Tablet verwenden.

Allerdings bringt dieser abnehmbare Teil ein knappes Kilo auf die Waage, das ganze Gerät ist mit über anderthalb Kilo gut im Futter. Die Geräte sollen 1000 bis 1200 Dollar kosten. Die PC-Hersteller haben laut Cummins bislang kein Interesse gezeigt, auch Android-basierende 2-in-1-Geräte zu bauen. Der Prozessor biete aber auch diese Möglichkeit. Der Intel-Manager machte deutlich, dass die Core-M-Variante der Broadwell-Architektur nicht für voll ausgebaute Desktop-PCs vorgesehen sei. „Wer an hoher Performance interessiert ist, für den ist der Core M wahrscheinlich nicht die richtige Wahl“, so Cummins. Anwender mit solchen Interessen könnten sich auf die kommende fünfte Generation der Core-Prozessoren freuen, die ebenfalls auf der Broadwell-Architektur basieren werden. Diese Prozessoren seien schneller und würden mit einer Leistungsaufnahme von rund 15 Watt und mehr Anfang 2015 herauskommen.

Corte M im Benchmark-Vergleich

Intel berichtet über interne Benchmarks, in denen die Dual-Core-M-CPU 5Y70 bezüglich Anwendungs- und Grafik-Performance mit einem Haswell-basierenden i5-4302Y-Chip verglichen wurde. Bei letzterem wurde die Leistungsaufnahme von 11,5 auf auf 4,5 Watt gedrosselt, so dass nur 800 Mhz ohne Turbo aktiv wurden. Laut Intel, das so einen fairen Vergleich erzielen wollte, war der Core-M-Chip um 19 Prozent schneller in der Office-Verarbeitung, um zwölf Prozent bei Webanwendungen, um 49 Prozent bei 3D-Grafik und um 82 Prozent bei der Videokonvertierung.