Neofonie

Mit dem WePad aus Berlin gegen Apples Übermacht

13.04.2010
Ein Zwerg fordert den Giganten Apple heraus: Mit dem "WePad" tritt der Berliner Entwickler Neofonie gegen den iPad aus Silicon Valley an.
Der "eStern" von G+J auf dem WePad von Neofonie
Der "eStern" von G+J auf dem WePad von Neofonie

Das Tablet-PC soll Apples drohende Übermacht auf dem Markt für Multimedia-Lesegeräte etwas eindämmen. "Wir" statt "Ich": Nach wochenlangen Spekulationen hat das Berliner Unternehmen Neofonie mit dem WePad die deutsche Antwort auf Steve Jobs' Tablet-PC iPad vorgestellt. Knapp zehn Tage nach dem Verkaufsstart des iPad in den USA gab Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen am Montag in Berlin Einzelheiten über das Gerät bekannt, mit dem der Mittelständler im August auf den milliardenschweren Markt für digitale Lesegeräte treten möchte.

Zwischen 449 und 569 Euro soll das Gerät kosten, Nutzer sollen damit Zeitungen, Zeitschriften und Bücher lesen, Filme gucken und im Internet surfen können. "Wir sind nicht der iPad-Killer", versicherte der selbstbewusste Ankershoffen vor Journalisten, der neu entstehende Markt für Tablet-PCs biete Platz für mehr als nur einen Anbieter. Der Informatiker, der vor Jahren die Suchmaschine "Fireball" entwickelt hatte, gründete 1998 sein Unternehmen, das heute rund 170 Mitarbeitern zählt.

Ankershoffen versprach: Das WePad sei dem iPad ebenbürtig - könne aber eigentlich viel mehr. "Nur beim Design sieht das iPad etwas besser aus". Doch mit der Technik muss sich das glänzend-schwarze WePad nicht verstecken. Anders als die digitale Schiefertafel aus den USA verfügt das 29 mal 19 Zentimeter große WePad, das in einer PC-Schmiede in Asien gefertigt wird, über eine eingebaute Kamera (WebCam), zwei USB-Anschlüsse und einen Speicherkartenleser. Die Geräte soll es in Modellen mit 16 und 32 Gigabyte Speicherplatz geben, über eine SD-Karte kann die Kapazität vergrößert werden.

Das WePad kann an eine externe Tastatur angeschlossen, Fotos aus der Digitalkamera können direkt aufgespielt werden. Mit dem Intel "Atom N450" hat Neofonie einen leistungsstärkeren Prozessor als Apple und mit Adobe Flash ist der WePad in der Lage, die gängigen Multimedia-Angebote aus dem Netz abzuspielen. Das Betriebssystem soll auf Google Android (= Linux) basieren, lief aber gestern peinlicherweise nur als Video-Simulation. Es gebe bereits 20.000 Vorbestellungen. Man rechne zum Start mit rund 10.000 Applikationen ("Apps").

Auch für die Medien soll das WePad eine Alternative zur geschlossenen Apple-Welt und deren Download-Plattform iTunes sein. Anders als mit Apple, das die Inhalteanbieter in das Korsett der eigenen Plattform zwängt und den App-Anbietern 30 Prozent vom Umsatz abknöpft, will Neofonie die Verlage am Geschäft stärker beteiligen (wie viel stärker verschwieg Ankershoffen).

Während Plattformen wie iTunes und Amazon Kindle die Medien in die Rolle des reine Inhalte-Lieferanten dränge, sollen sie mit der Neofonie-Plattform WeMagazine Zugang zum Leser behalten. Neofonie gibt den den Verlagen das Recht, frei über Inhalte zu entscheiden.

Der Konzern Gruner + Jahr ("Stern") will für das WePad den "eStern" anbieten. Auch Ringier aus der Schweiz ist mit der "Schweizer Illustrierten" und dem Magazin "Cicero" dabei, später soll das Boulevardblatt "Blick" folgen. Axel Springer ("Bild") hat ebenfalls Interesse bekundet.

Offen ist, ob Neofonie an den Marketing-Erfolg des US-Konkurrenten anknüpfen kann. Wie schon beim iPhone konnte Apple das iPad lange vor dem Verkaufsstart als Kultobjekt platzieren. Doch Ankershoffen gab sich zuversichtlich über den eigenen Erfolg: "Es gibt viel mehr Nutzer als Apple-Nutzer." (dpa/tc)