IT-Konzept verbessert das Rating

Mit Cloud Computing zum Kredit

26.12.2012 | von Willi Kreh
Cloud Services können sich positiv auf die Kreditvergabe auswirken. Allerdings nur dann, wenn Unternehmen im Gespräch mit dem Banker zeigen, welche IT-Strategie sie damit verfolgen.
Foto: Willi Kreh

Nach wie vor eilt den Banken kein besonders guter Ruf voraus. Oft werden sie - gerade wenn es um die Kreditvergabe geht - als Blockierer gesehen. Letztlich hilft Lamentieren aber wenig, die richtige Strategie für das Bankengespräch dagegen schon. Natürlich steht eine Kreditverhandlung mit jedem Finanzinstitut wesentlich im Zeichen von wirtschaftlichen Kennzahlen und Fakten, aber eben nicht ausschließlich. Vor allem sollten Kreditnehmer heute mehr denn je bestrebt sein, eine langfristige Beziehung zu ihrem Institut zu unterhalten und nicht erst unter dem Druck eines akuten Finanzierungsbedarfs den Weg zu ihrem Berater suchen. Ein proaktiver Informationsaustausch, bei dem man den Banker über essentielle Entwicklungen im Unternehmen ins Bild setzt, wäre also wünschenswert. Und dabei spielen durchaus auch Aspekte wie die IT und auch das Trendthema Cloud Computing eine wichtige Rolle.

Ausformuliertes Strategiekonzept ist hilfreich

Auch wenn mit Basel II der Formalismus Einzug in den Banken gehalten hat, sollten Kreditnehmer immer im Auge behalten, dass der Bankberater aus einer vollständig anderen Welt kommt. Das klingt zunächst wie eine Plattitüde, ist es aber nicht. Der Grund: Viele Informationen, die eine Kreditvergabe beträchtlich vereinfachen können, so auch die IT-Strategie, fallen unter den Tisch, weil der Banker nicht im Traum daran denkt, sie explizit nachzufragen. Und der Kreditnehmer seinerseits verharrt allzu oft in einer passiven Rolle, statt das Gespräch selbst darauf zu lenken. Im Klartext heißt das: Der Kunde sollte nicht darauf warten, dass der Banker alles abfragt, sondern in Sachen Kredit seine Argumente selbst aktiv vermitteln.

Viel zu selten thematisieren Unternehmen etwa ihre Strategie. Dabei ließe sich damit besonders gut punkten, umso mehr, wenn man sie dem Banker als ausformuliertes Strategiekonzept präsentiert. Ein solches Strategiepapier vermag beispielsweise Gegebenheiten ins Zentrum zu rücken, die abstraktes Zahlenmaterial nur eingeschränkt vermitteln kann. In der Regel kann ein Banker im Hinblick auf das Geschäft seines Kunden bestenfalls als interessierter Laie gelten, wird also für jede Hilfestellung dankbar sein, die ihm Zusammenhänge besser vermittelt und ein anschaulicheres Gesamtbild ergeben.

Soll-Ist-Analyse ist ein Muss

Obwohl ein Strategiekonzept individuell gestaltbar ist, sollte Wert darauf gelegt werden, auch kritische Punkte darin zu behandeln. So müssen generelle Aussagen zum Markt, die eigene Position sowie eine genau Soll-Ist-Analyse enthalten sein, um klare Zielsetzungen ableiten zu können. Damit wird eine plausiblere und tragfähigere Basis für den Entwurf einer passenden Strategie geschaffen, die nicht nur veranschaulicht, wie die gesetzten Ziele zu erreichen sind, sondern auch den nötigen Maßnahmenplan dazu beschreibt. Darüber hinaus muss sich ein Strategiekonzept aber auch ausführlich mit Themen, Chancen und Risiken auseinandersetzen und darlegen, in welchem Kontext sie untereinander stehen.

Ziele und geplante Maßnahmen klar ausformulieren

Damit das Strategiekonzept wirken kann, darf es nicht zur reinen Werbeunterlage verkommen. Aufmachung und Darstellung dürfen nicht überreden, sondern müssen im Idealfall überzeugen, weil sie einen praktikablen Weg zum Erreichen der Ziele nachweisen. Ein Strategiepapier - das auch finanzielle Optionen beinhalten kann - ist und bleibt eine Arbeitsunterlage, die nicht nur für das Bankgespräch angefertigt werden sollte, dort aber eine nachhaltige Wirkung erzeugen kann. Denn sie zeigt, dass der Kreditnehmer nicht nur perspektivisch denkt, sondern auch so arbeitet. Dadurch wird mehr Sicherheit geschaffen und das Kreditausfallrisiko für den Banker gegebenenfalls begrenzt.

IT-Konzept kann pro Business argumentieren

Ein wichtiger Argumentationspunkt in einem solchen Konzept ist auch die IT-Strategie. Oft verknappen Unternehmen ihre Bedeutung allein auf mögliche Einsparpotenziale, besonders wenn es um Belange wie das Trendthema Cloud Computing geht. Wichtiger als das wäre es aber, die Rolle der IT mit einer eigenen Substrategie zu zeigen, die getreu dem Motto "IT Follows Business" erläutert, welche Rolle sie beim Erreichen der Geschäftsziele einnimmt.

Mehrwert von Cloud-Services herausarbeiten

Dass ein Unternehmen dabei durchaus über vordergründige Sachverhalte hinausgehen kann und sollte, lässt sich gerade anhand von Cloud-Services zeigen. Natürlich sind über die Cloud kurzfristig finanzielle Spielräume zu erschließen. Allerdings muss sich der Unternehmer dabei auch fragen lassen, ob eine langfristige Rechnung für die "gemieteten Dienste" zu dem gleichen Ergebnis käme. Wichtiger ist also, genau zu erläutern, welche Funktion eine bestimmte Cloud-Anwendung übernimmt und welchen Mehrwert sie im Unternehmen bietet. Mit Software aus der Wolke schützen sich mittelständische Betriebe in aller Regel weit effektiver vor Datenverlusten als sie es mit eigenen Mitteln könnten. Denn Daten-Backup, Archivierung oder Versionierung gehören heute oft zum Standardrepertoire von Cloud-Angeboten, für KMU sind sie dagegen oft ein Buch mit sieben Siegeln. Das sichert den Geschäftsbetrieb, weil es das Ausfallrisiko deutlich minimiert.

Mit Sicherheit, Datenschutz und Kostenkontrolle punkten

Gleiches gilt in ähnlicher Weise für Belange wie IT-Security oder datenrechtliche Aspekte. Sicherlich verlagert man diese Aufgaben nur in die Cloud. Jedoch verfügen professionelle Anbieter eben über weit mehr Kompetenz als kleine Anwenderunternehmen. Für den Kreditnehmer kommt es mit Blick auf das Bankengespräch aber vor allem darauf an, zu vermitteln, dass er sich damit auseinandergesetzt und durch die Cloud-Angebote zu einer besseren Lösung als mit eigenen Mitteln kommt.

Da Firmen mit Cloud-Services zudem sehr zielgerichtet investieren können und Geld nicht wahllos in Rechner, Server und Software stecken, unterstreicht das zielorientierte Handeln und ein gesundes Kostenbewusstsein. Wenn der Kreditinteressent dies dem Banker durch entsprechende Verträge und Vereinbarungen auch nachweisen kann, die auch passenden Service-Level-Agreements des Cloud-Anbieters garantieren, erzeugt dies mit Sicherheit nachhaltigen Eindruck.

Fazit

Alle Lamentieren ob der gestiegenen Anforderungen im Zusammenhang mit der Kreditvergabe führt zu nichts. Kreditnehmer sollten stattdessen bestrebt sein, mit durchdachten Konzepten zusätzliche Pluspunkte bei ihren Banken zu sammeln. Wer zeigen kann, wie er seine geschäftlichen Ziele erreichen will, ist dabei deutlich im Vorteil. Eine sinnvolle IT-Strategie ist dabei ein entscheidender Aspekt und natürlich können Cloud-Angebote in dieser Hinsicht eine unbedingte Bereicherung sein, wenn der Kreditnehmer nachvollziehbar präsentiert, was er damit erreichen will.

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