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Microsoft zahlt künftig Dividende

17.01.2003
Microsoft hat im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Der Konzern verdoppelt durch einen Split seine Aktien und beteiligt seine Aktionäre erstmals in Form einer jährlichen Ausschüttung am Gewinn.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat gestern nach US-Börsenschluss exzellente Zahlen zum zweiten Quartal seines Geschäftsjahres vorgelegt. Zeitgleich kündigte der Softwarekonzern an, er werde künftig seine Aktionäre in Form eine jährlichen Dividende am Gewinn beteiligen und außerdem einen Aktien-Split im Verhältnis 2-für-1 vornehmen.

Für das Ende Dezember abgeschlossene Vierteljahr weist Microsoft einen Nettogewinn von 2,55 Milliarden Dollar oder 47 Cent pro Aktie aus, das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (2,28 Milliarden Dollar oder 41 Cent je Anteilschein). Den Umsatz steigerte der Konzern von 7,74 Milliarden Dollar im Berichtszeitraum des Vorjahres um zehn Prozent auf aktuell 8,54 Milliarden Dollar. Hier lautete der Wall-Street-Consensus zwar laut Thomson First Call auf 8,59 Milliarden Dollar, aber "zehn Prozent Umsatzplus ist in diesem Umfeld ziemlich gut", wie Goldman-Sachs-Analyst Rick Sherlund bescheinigt.

Alle Sparten des Konzerns konnten ihre Einnahmen steigern - mit einer Ausnahme: Bei der für die Desktop-Versionen von Windows zuständigen Client Group fiel der Umsatz im Jahresvergleich minimal von 2,56 auf 2,54 Milliarden Dollar. Dafür legte die Server Group beispielsweise um zwölf Prozent auf 1,76 Milliarden Dollar Umsatz zu; das Geschäft mit der Datenbank "SQL Server" wuchs sogar um 40 Prozent. Die Home and Entertainment Group steigerte ihre Einnahmen um 38 Prozent auf 1,33 Milliarden Dollar, steigerte den Xbox-Absatz (seit Einführung der Konsole im November 2001 wurden acht Millionen verkauft) und setzte eine Viertelmillionen Starter-Kits für den Online-Spieledienst "Xbox Live" ab.

Finanzchef John Connors erwartet für das laufende dritte Quartal 7,4 bis 7,8 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn pro Aktie von 47 oder 48 Cent. Für das Gesamtjahr peilt der CFO (Chief Financial Officer) Einnahmen von 31,9 Milliarden Dollar und 1,90 bis 1,93 Dollar Profit je Anteilschein an. Vor drei Monaten lauteten die Prognosen für Umsatz und Gewinn noch auf 33,2 bis 33,6 Milliarden Dollar und 1,89 bis 1,95 Dollar pro Aktie.

Die Bargeldreserven und kurzfristigen Investitionen des Redmonder Unternehmens summierten sich zu Ende des Quartals auf 43,4 Milliarden Dollar (nach 38,7 Milliarden Dollar sechs Monate zuvor). Angesichts dieses Geldspeichers von Dagobert-Duckschen Dimensionen sind die angekündigten Dividendenpläne nur recht und billig - noch dazu, wo US-Präsident Bush gerade die Abschaffung der Bundessteuer auf die Gewinnausschüttungen vorgeschlagen hat. Brian Skiba, Analyst bei der Deutschen Bank, erwartet zum Ende des Geschäftsjahres gar ein Anwachsen der liquiden Mittel auf 53,5 Milliarden Dollar und bis zum Geschäftsjahr 2005 sogar auf mehr als 85 Milliarden Dollar.

Bei der ersten Dividendenzahlung werden laut Connors am 7. März für jede Aktie nach dem für Ende Januar geplanten Split acht Cent augeschüttet, was sich auf rund 870 Millionen Dollar summiert (dies entspricht allerdings nur einem Yield von 0,29 Prozent, deutlich unter dem Durchschnitt von 1,71 Prozent für Unternehmen im S&P-500-Index). Davon profitieren übrigens in nicht unerheblichem Maße auch die Top-Manager. Firmengründer Bill Gates beispielsweise sitzt auf rund 621 Millionen Aktien und dürfte dafür knapp 100 Millionen Dollar Dividende erhalten; CEO Steve Ballmer stünden für seine 235 Millionen Anteile knapp 38 Millionen Dollar zu. (tc)