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Neues aus dem Microsoft-Prozeß

Microsoft-Wörterbuch spricht klare Sprache

10.12.1998
Von 
Neues aus dem Microsoft-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat ein schönes Eigentor fabriziert: In einem von der Gates-Company (Microsoft Press) 1997 in dritter Auflage veröffentlichten "Computer Dictionary" wird ein "Browser" definiert als ein "Client-Anwendungsprogramm, mit dem man grafische Seiten im Internet betrachten kann." Und der hauseigene "Internet Explorer" wiederum sei Microsofts Version eines Browsers, heißt es dort weiter. Wie ärgerlich, hatte der Softwareriese sich doch nach Kräften bemüht, im Antitrust-Prozeß die gleichlautende Aussage von Professor David Farber (CW Infonet berichtete) als Privatmeinung eines weltfremden Wissenschaftlers hinzustellen und zu betonen, der Browser gehöre statt dessen als integraler Bestandteil zum Betriebssystem. Denise De Mory, Anwältin des Justizministeriums, ließ sich die Lexikondefinition jedenfalls sichtlich auf der Zunge zergehen und von Farber noch einmal persönlich bestätigen.

Nach Farber mußte noch einmal der Java-Miterfinder James Gosling in den Zeugenstand. Zuerst versuchten die Microsoft-Anwälte nachzuweisen, daß Sun mit der Aufnahme des hauseigenen Browsers "Hot Java" in das Betriebssytems Solaris 2.6 nicht anderes getan habe als Microsoft mit der engen Verzahnung des Internet Explorers mit Windows 95/98. Gosling schmetterte das Argument mit der Begründung ab, nirgendwo sei von Hot Java als Bestandteil des Betriebssystems die Rede. Es stehe den Anwendern indes frei, jeden beliebigen anderen Browser zu verwenden. Daraufhin konzentrierte sich die Verteidigung auf den Punkt, daß Sun Microsoft absichtlich aus der Mitentwicklung des Java Native Interface (JNI) herausgehalten habe. Trotz erheblicher Anstrengungen seitens Microsoft habe Sun statt dessen mit Netscape an JNI gearbeitet. Die Barksdale-Company habe aber ironischerweise JNI anschließend gar nicht implementiert. Das sei selbst bei Sun übel aufgestoßen, wie eine E-Mail des

ehemaligen Sun-Managers Eric Schmidt beweisen sollte. Darin heißt es: "Netscape ist absolut nicht vertrauenswürdig. Macht lieber einen Vertrag mit Saddam Hussein - der wird eher eingehalten." Gosling mußte einräumen, daß Netscape JNI außer unter Windows bislang nicht unterstützt. Im Gegensatz zu Microsoft, das die Programmierschnittstelle in einer Presseerklärung öffentlich abgelehnt habe, bemühe sich Netscape aber zumindest nach Kräften um Kompatibilität.