Neue ERP-Generation

Microsoft packt Dynamics AX in die Cloud

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Mit Dynamics AX hat Microsoft eine neue Generation seines ERP-Systems vorgestellt. Die Software ist in erster Linie für den Betrieb in der eigenen Azure-Cloud ausgelegt. Damit treibt der Konzern den Umbau seines Geschäfts in Richtung Cloud weiter voran.

Microsoft vollzieht mit der neuen Generation seines ERP-Systems Dynamics AX eine Zeitenwende. Die Software ist von Start weg primär für den Betrieb in der Cloud ausgelegt. Eine On-Premise-Version soll erst gegen Ende des kommenden Jahres folgen. Mit der neuen AX-Generation verändert der weltgrößte Softwarehersteller auch die Nomenklatur seines ERP-Produkts. Künftig wird es keine Versionsnummern oder Jahreszahlen im Produktnamen mehr geben. Damit wollen die Microsoft-Verantwortlichen deutlich machen, dass Kunden mit der Cloud-Lösung in Zukunft Updates, Erweiterungen und zusätzliche Services kontinuierlich eingespielt bekommen.

Dynamics AX sei in erster Linie ein technisches Update, hieß es von Seiten Microsofts. Im Funktionsumfang habe es im Vergleich zur Vorgängerversion keine großen Veränderungen gegeben. Microsofts neues ERP-System basiert auf der eigenen Cloud-Plattform Azure. Der Cloud-Unterbau stellt die notwendige Infrastruktur für den ERP-Betrieb zur Verfügung. Das reicht von der Anmeldung und Bereitstellung über Hochverfügbarkeit und Notfallwiederherstellung bis hin zu elastischen Kapazitäten, um - falls notwendig - Ressourcen zu ergänzen.

ERP-Apps aus dem Azure Marketplace

Im Rahmen der erweiterten Microsoft Dynamics Lifecycle Services soll sich das ERP-System einfach und effizient in der Azure-Cloud aufsetzen lassen, verspricht der Hersteller. Einzelne Dienste und Business-Prozesse ließen sich individuell an die Anforderungen einzelner Unternehmen beziehungsweise Branchen anpassen. Zudem könnten über den Azure-Marketplace separat Zusatzdienste angeboten und bereitgestellt werden. Das bietet auch Möglichkeiten für Microsoft-Partner, rund um das neue AX mit den Anwendern ins Geschäft zu kommen.

Umfrage zu CRM in der Cloud

Gearbeitet hat der Softwarehersteller vor allem an der Benutzeroberfläche. Dynamics AX bietet den Anwendern ein Browser-basiertes HTML-5-User-Interface. Damit erhalten die Nutzer eine einheitliche Bedienung über unterschiedliche Plattformen und Geräte hinweg. Das Design orientiert sich an den Oberflächen der vielen Anwendern bereits bekannten Office-Produkte. Außerdem ist die Business-Anwendung darauf ausgelegt, einfach Informationen mit anderen Microsoft-Programmen wie Office 365 und Power BI auszutauschen.

Das neue Feature "Task Guides" soll die Nutzer darüber hinaus dabei unterstützen, ihre tägliche Arbeit effizienter zu organisieren. Mit Hilfe einer Art Aufnahmegerät im User Interface ließen sich Business-Prozesse aufzeichnen und als XML-File in einer Bibliothek ablegen, erläuterte Pepijn Richter, als Director verantwortlich für das ERP-Produkt-Marketing bei Microsoft. Andere Anwender, die nach Unterstützung für Abläufe suchten, die sie nicht jeden Tag benötigten, könnten dort Anleitung und Hilfe finden. Mit Hilfe des neuen "Workspace"-Features sollen sich die Nutzeroberflächen Microsoft zufolge Rollen-spezifisch einrichten lassen, so dass die Anwender entsprechend ihrer Aufgaben Daten einsehen, Aufgaben und Aktivitäten abwickeln könnten.

Mit der User-spezifischen Konfiguration von Dynamics AX könnte sich die Anwenderzufriedenheit und die Adaption des neuen ERP-Systems erhöhen, glaubt Chris Kanaracus, Principal Analyst bei Constellation Research. Der Task Guide könnte darüber hinaus dazu beitragen, dass der Trainingsaufwand für das neue ERP-System sinkt.

Darüber hinaus hat Microsoft einige Zusatzfunktionen in das neue AX eingebaut. Beispielsweise soll die Integration von Microsofts Sprachassistenten "Cortana" Anwendern erlauben, das System über Sprachbefehle zu steuern. Zudem könnten User mit Dynamics AX auf Basis von Azure Machine Learning und Power BI direkt auf in die Applikation integrierte zusätzliche analytische Funktionen zurückgreifen.

Einfache Bedienung im Fokus

Die Microsoft-Verantwortlichen betonten, es sei bei der Entwicklung von Dynamics AX vor allem um eine möglichst einfache und komfortable Bedienung gegangen. "Warum verstehen meine Mitarbeiter ein mobiles Device innerhalb weniger Stunden, brauchen aber Jahre, um mit einem ERP-System zurechtzukommen?", berichtet Micrsoft-Manager Richter von Diskussionen mit den ERP-Kunden. Microsoft könne an dieser Stelle auf die Erfahrungen zurückgreifen, die der Konzern bei der Entwicklung anderer Systeme wie Windows und Office gewonnen habe.

Für Microsoft gehe es darum, eine Perspektive für seine ERP-Linien aufzuzeigen, sagte Analyst Kanaracus. Viele Anwender setzten nach wie vor ältere Versionen ein und gingen eher zögerlich an Update-Pläne heran. Mit Microsofts Cloud-ERP böten sich nun verschiedene Optionen an, so der Branchenbeobachter. Unternehmen könnten beispielsweise ihr Kernsystem weiter on-Premise selbst betreiben, zusätzliche Funktionen zum Beispiel aus dem Human Capital Management (HCM) künftig aber aus der Microsoft-Cloud beziehen.

Eine öffentlich verfügbare Preview-Version von Dynamics AX soll Anfang Dezember erscheinen. Mit der allgemeinen Verfügbarkeit der Cloud-Version wird im ersten Quartal 2016 gerechnet. Microsoft verspricht seinen Kunden ein einfaches, am "ERP-Verbrauch" orientiertes Subscriptions-Modell. Details dazu will der Konzern aber erst im Dezember veröffentlichen.

Microsoft baut deutsche Cloud

Microsoft forciert derzeit seine Anstrengungen rund um die Cloud. Erst vor wenigen Tagen hat der US-Konzern eine Kooperation mit der Deutschen Telekom und deren Tochter T-Systems angekündigt. Ab Mitte 2016 soll der deutsche Partner hierzulande Rechenzentrums-Ressourcen für die Microsoft-Cloud bereitstellen und darüber hinaus als Datentreuhänder fungieren. Mit diesem Modell adressiert Microsoft die gerade bei deutschen Anwenderunternehmen weit verbreiteten Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit, und wirbt um Vertrauen für sein Cloud-Angebot.