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Microsoft meldet unerwartet hohes Umsatzplus

23.04.2004
Microsoft hat dank guten operativen Geschäfts seine Prognosen für das laufende und kommende Geschäftsjahr erhöht. Der aktuelle Quartalsgewinn wurde durch Rechtsstreite geschmälert.

Einmalbelastungen aus verschiedenen juristischen Angelegenheiten und die neue Mitarbeitervergütung in echten Aktien statt bloß Optionen schmälerten zwar im abgeschlossenen dritten Quartal den Gewinn von Microsoft, eine unerwartet starke Nachfrage besonders von Unternehmenskunden bescherten dem Redmonder Konzern auf der anderen Seite aber ein Umsatzplus von 17 Prozent. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Gewinnprognose für das laufende Quartal und Gesamtgeschäftsjahr.

Für das am 30. März beendete Vierteljahr weist Microsoft einen Nettogewinn von 1,32 Milliarden Dollar oder zwölf Cent pro Aktie aus, das sind 39 Prozent weniger als die 2,14 Milliarden Dollar oder 20 Cent je Anteilschein aus dem Vorjahresquartal. Das aktuelle Ergebnis enthält Sonderbelastungen nach Steuern von 1,89 Milliarden Dollar für die Einigung mit Sun Microsystems und die Kartellstrafe der EU-Kommission sowie Kosten von 501 Millionen Dollar für Mitarbeiteraktien. Abzüglich der Einmaleffekte ergibt sich ein Pro-forma-Gewinn von 34 Cent pro Aktie, der merklich über der Erwartung der von Thomson First Call befragten Analysten von 29 Cent je Anteilschein lag.

Auch mit seinen Einnahmen von 9,18 Milliarden Dollar im Vergleich zu 7,84 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum übertraf Microsoft die Prognose der Analysten von 8,66 Milliarden Dollar deutlich. Finanzchef John Connors führte die unerhofft guten Verkäufe von PCs und Servern, von denen vor allem die Kernprodukte Windows und Office profitierten, als Hauptgründe für das gute Abschneiden und die erhöhte Prognose für das gesamte Fiskaljahr an. "Wir stecken mitten in einer Erholung des Unternehmensmarkts", konstatierte Connors. "Wir erwarten, dass die Verbesserung aus diesem Quartal für den Rest des Geschäftsjahres anhält."

Zum Fixing an der Nasdaq notiert die Microsoft-Aktie gestern bereits 50 Cent fester bei 25,95 Dollar. Im nachbörslichen Handel zog das Papier nochmals um knapp fünf Prozent auf 27,20 Dollar an.

Die Sparte Client Business, verantwortlich vor allem für Desktop-Betriebssysteme, erlöste mit 2,6 Milliarden Dollar 16 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der operative Gewinn des Bereichs ging allerdings um ebenfalls 16 Prozentpunkte zurück auf 1,6 Milliarden Dollar. Die Server and Tools Group legte auf der Einnahmenseite um 19 Prozent auf 2,18 Milliarden Dollar zu. Die Einigung mit Sun bescherte dem Bereich indes einen operativen Verlust in Höhe von 635 Millionen Dollar nach 305 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahreszeitraum. Das Umsatzplus deutet aus Sicht von Goldman-Sachs-Analyst Rick Sherlund darauf hin, dass sich Microsoft im Server-Bereich erfolgreicher gegen Linux wehrt als gedacht. "Die Leute machen sich wegen Linux Sorgen, aber das scheint sich kaum auszuwirken", meint der Experte. Die für Office zuständige Information Worker Unit steigerte ihre Einnahmen von 2,3 auf 2,7 Milliarden Dollar und lieferte einen um 14 Prozent höheren operativen Gewinn von 1,9

Milliarden Dollar ab.

Die Online-Sparte MSN profitierte vom branchenweiten Plus bei Online-Werbung und erwirtschaftete aus 591 Millionen Dollar Umsatz 107 Millionen Dollar operativen Gewinn. Im Vorjahresquartal standen bei 508 Millionen Dollar Umsatz unterm Strich noch 139 Millionen Dollar Verlust. Laut Connors wird MSN im Juni vermutlich erstmals ein ganzes Geschäftsjahr mit Gewinn abschließen. Microsoft Business Solutions steigerte seinen Umsatz im Jahresvergleich von 147 auf 153 Millionen Dollar und verringerte seinen operativen Fehlbetrag von 92 auf 65 Millionen Dollar, die Mobile and Embedded Unit legte von 46 auf 61 Millionen Dollar Umsatz zu und verringerte ihr Minus übers Jahr von 72 auf 38 Millionen Dollar. Weiterhin rote Zahlen schreibt die unter anderem für die "Xbox"-Konsole zuständige Home and Entertainment Division, deren operativer Verlust 209 Millionen Dollar betrug nach 277 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Überdies habe der Konzern nach der Installation separater Finanzchefs für jeden der sieben Konzernsparten im vergangenen Jahr seine Kosten besser im Griff und die operative Marge steigern können, so Connors. Einsparungen habe Microsoft unter anderem durch den Einsatz von Web-Konferenzen für Training und Weiterbildung erzielt, die Reisekosten eingespart habe. Gesenkt wurden außerdem die Ausgaben für Direkt-Marketing, ferner vereinfachte das Unternehmen interne Computerprojekte. An der Belegschaft werde indes nicht gespart. "Wir stellen weiter ein", sagte der Finanzchef. Analysten lobten das ungewohnte Kostenbewusstsein. "Das ist nicht das, was wir in den vergangenen Jahren von einer Firma wie Microsoft gewohnt waren", meint beispielsweise Michael Sansoterra von Principal Global Investors.

Für das gesamte Fiskaljahr erwartet der CFO Einnahmen zwischen 36,4 und 36,5 Milliarden Dollar, das wären 13 bis 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die von Thomson First Call befragten Analysten tippten bis dato auf Erlöse von 35,88 Milliarden Dollar. Der Umsatz im vierten Quartal soll 8,9 bis neun Milliarden Dollar erreichen und unterm Strich 23 Cent pro Aktie Nettogewinn bescheren, fünf Cent Kosten für Mitarbeiteraktien bereits eingerechnet. Für das nächste Geschäftsjahr stellt Microsoft auf Basis von Einnahmen im Bereich von 37,8 und 38,2 Milliarden Dollar einen Gewinn zwischen 1,16 und 1,18 Dollar in Aussicht (inklusive 15 Cent Sonderbelastungen für die Aktienvergütung).

Microsoft gab zunächst keinerlei Pläne bekannt, sein weiter gestiegenes Vermögen - Barreserven und kurzfristige Investitionen belaufen sich mittlerweile auf 56 Milliarden Dollar - in Form einer Dividende mit seinen Aktionären zu teilen. Der Konzern steht seitens der Anleger zunehmend unter Druck, eine Einmal-Dividende auszuschütten, seine jährliche Ausschüttung zu erhöhen oder in größerem Umfang eigene Anteile zurückzukaufen. Im vergangenen Jahr hieß es von Microsoft, es sei auf größere Cash-Reserven angewiesen, bis diverse Prozesse beigelegt oder entschieden seien. Connors räumte ein, dass dies inzwischen größtenteils der Fall sei. Mehr Details über eine mögliche Dividende werde das Unternehmen auf seiner Hauptversammlung im kommenden Juli bekannt geben, so der CFO. (tc)