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Microsoft macht große Zugeständnisse

27.03.2000
Veränderungen an der Führungsspitze

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft will seinen Wettbewerbern angeblich erlauben, den Windows-Quellcode zu verändern und Produkte wie Internet-Browser oder Media-Player in das Betriebssystem zu integrieren. Zu diesem Zugeständnis sei die Gates-Company bereit, um das laufende Kartellverfahren doch noch außergerichtlich beizulegen, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Zeitungsberichten zufolge hatte der Softwarekonzern am vergangenen Freitag über den Vermittler Richard Posner ein entsprechendes Schlichtungsangebot an die Kläger, das US-Justizministerium (Department of Justice = DOJ) und 19 US-Bundesstaaten geschickt (CW Infonet berichtete). Darin erklärte sich Microsoft nicht nur bereit, seine APIs (Application Programming Interfaces) offen zu legen, sondern auch seinen

Browser "Internet Explorer" aus dem Betriebssystem Windows auszukoppeln. In dem laufenden Antitrust-Verfahren war dem Softwaregiganten unter anderem diese Produktbündelung mit dem Vorwurf zur Last gelegt worden, dadurch die Dominanz im Browser-Markt zu erzwingen.

Das via Fax gesendete Angebot des Konzerns war zunächst nach einem Bericht der "Los Angeles Times" von der US-Regierung als "unzureichend" bezeichnet worden. Andere Stimmen behaupten jedoch, es handele sich hier um den ersten ernsthaften Versuch von Microsoft, das Verfahren beizulegen . Der endgültige Urteilsspruch von Richter Thomas Jackson könnte schon morgen fallen.

Die Gates-Company plant, noch in dieser Woche den langjährigen Topmanager Paul Maritz in eine Spitzenposition zu befördern. Der Microsoft-Veteran, der sich bislang um die Beziehungen des Konzern zu den Entwicklern anderer Firmen gekümmert hat, soll angeblich den Wandel der Softwarefirma zu einer Web-Company vorantreiben. Vor dem Hintergrund des Kartellverfahrens wird zudem spekuliert, Maritz könnte der neue Chef einer von Microsoft ausgegliederten Firma ("Baby Bill") werden, sollte es tatsächlich zu einer Zerschlagung des Softwareriesen kommen. Die Restrukturierung an der Spitze sollte ursprünglich in der vergangenen Woche bekannt gegeben werden, wurde jedoch verschoben - wohl aufgrund des laufenden Verfahrens.